Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 13 (15.2.1892)
- Date
- 1892-02-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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242 setzen sie in ihren Kreis, und das Göttliche, das sie uns entlehnt, ist ihnen so theures, unverlierbares Eigenthum geworden, daß sie sich der Zeit schämen, in der sie alles dessen noch bar waren, und durch geflissentliche, ostentativ zur Schau getragene Geringschätzung alles Jüdischen, möchten sie die Aufmerksamkeit von der Quelle ablenken, aus der ihnen dies alles zugeführt wurde! Kommt diese Geringschätzung der Judenheit nicht dem Judcnthum zu Gute? Hätte diese Geringschätzung einen Sinn, wenn wir durch die Offenbarung Gottes am Sinai nicht sein auserwähltes Volk wären, wenn es nicht wahr wäre, daß Gott alle diese Worte mit uns gesprochen hat? Deßhalb lehrt der Schulchan Aruch, es sei gut, täglich diese Zehn Aussprüche vom Sinai aufs neue uns ins Bewußtsein zu rufen. Sie beleben uns die Ueberzeugung, daß, was der Tag an Kämpfen und Sorgen, an Versuchungen und Entbehrungen uns auch bringen möge, es ist kein leerer Wahn, es ist Gottes Wort, Gottes Sache, für die wir kämpfen und leiden, es ist die von Gott uns übertragene weltgeschichtliche Sendung, für welche wir dieses Martyrium sondergleichen übernehmen und zu Ende führen. Dieses Bewußtsein erst ist es, welches den von ihm Durcydrungenen jenem Reich von Priestern und dem heiligen Volke zuweist, zu dem Gott Israel bestimmte. An diesem Bewußtsein prallt der Hohn und Spott, die Verkennung und Zurücksetzung einer ganzen Welt erfolglos ab, denn wenn Gott mit uns gesprochen, wenn es sein Wort, seine Wahrheit ist, für die wir leiden, so wird Gott, der für die Aechtung seiner Wahrheit eintreten wird, sich auch ihrer Träger annehmen. Aber das Bewußtsein von der Göttlichkeit unserer Sache verloren zu haben, dagegen den Groll und die Zurücksetzung seitens unserer Feinde dennoch voll und ganz hinnehmen zu müssen, das ist das unerträgliche Schicksal derer, die dem Schulchan Aruch und der von ihm gelehrten rückhaltlosen Anerkennung unseres Lcbcnsgesetzes gram sind. Das einzige Tröstliche liegt für uns darin, daß solche Verirrungen nicht erst ein Erzeugniß unserer Zeit sind, sondern daß sie schon zu Zeiten des Schulchan Aruch und des Talmud vorhanden waren. — Aus ihrem Vorkommniß gerade fließt die Anmerkung, welche die Zehn Aussprüche von dem öffentlichen Gebet ausschließt und sie auf das Einzelgebet beschränkt. Die Quelle hierfür findet sich im Traktat Thamid (Fol. 32), wo berichtet wird, daß unter den im Tempelheiligthum täglich zur Vorlesung' gelangten Schriftstellen sich auch die „Zehn Aussprüche" befanden. Dazu wird im Talmud babli (Berachoth, Fol. 12 a.) von Rabbi Jehuda, Samuel und Rabbi Nathan bemerkt, daß man auch außerhalb des Gottesheiligthums diese Einrichtung treffen wollte, sie aber unterließ, wegen der Unterstellung, welche die Abtrünnigen damit verbanden, noijnn oed Ditea naa» kVn p nrip^ wpa p^ia-ia Worin diese Unterstellung bestand, ersehen wir aus dem Talmud Jeruschalmt I. IV. poiN irr «Vtr »roa rwD^> 'b uro pa^> i^n. „Sie könnten sonst sagen, diese allein seien dem Moscheh am Sinai übergeben worden" (der übrige Theil der Thora sei aber nicht unmittelbar von Gott gegeben). — Etgenthümlich, und in dieser Eigenthümlichkeit nach verschiedenen Seiten höchst instruktiv ist die Erklärung Raschis zur Stelle, worauf bereits in anso ps die Aufmerksamkeit gelenkt wird. ■w* px N28' nbtt :iunan noijnn ued lj/Dtn rrapn nvtw no pnp jw ijnm nox min .D'aaia paiy :pmn — \roa i»bd „Wegen Unterstellung d er Abtrünnigen: Damit sie nicht zu den Unwissenden sagen, der übrige Theil der Thora ist nicht wahr, seht, man liest öffentlich nur das, was der Heilige, gesegnet sei er, gesprochen und was sie von seinem Ausspruche am Sinai hörten. — Die Abtrünnigen: Heiden. —" Wir hätten vermuthen sollen, die nnain rrwy fänden deßhalb keine Aufnahme ins öffentliche Gebet, um jenem Wahn bei den Abtrünnigen selbst entgegenzutreten, resp. ihn nicht aufkommen zu lassen. Indem aber dieses Motiv hier nicht geltend gemacht wird, sondern nur die Folgen ins Auge gefaßt werden, welche aus der Irreleitung der Unwissenden durch diese Insinuation der Minim entstehen könnten, wird uns die bedeutsame Wahrheit vermittelt: B'i'ob yN-inx um px. Für den Irrwahn der Abtrünnigen selbst haben wir keinerlei Verantwortung. Mit Rücksicht auf sie selbst wären daher keinerlei Anordnungen zu treffen oder zu unterlassen. Die Abtrünnigen sind es nicht erst geworden, weil sie etwa glaubten, das Gesetz unseres Lebens sei uns nicht von Gott gereicht, sondern sie haben sich zuerst praktisch über das Gesetz und seine Anforderungen hinweggesetzt, weil es ihnen eben^nicht bequem war. Auf diesen praktischen Abfall von der Erfüllung des Gottesgesetzes folgte erst htntcnnach der theoretische, der aus dem Bedürfnis hervorging, die laxere, wenig rühmliche FührungUm täglichen Leben hinterher wissenschaftlich zu rechtfertigen und zu verbrämen und sie so Jedem mundgerecht zu machen. Alle Minim sind erst nachträglich dpbo geworden, ihre rrrsa ist nicht Ursache, sondern Folge ihres mm