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Der Israelit · 1892-02-11 · Heft 12 (11.2.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 12 (11.2.1892)
Date
1892-02-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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217 in Bayern", worin die Amtspraxis beleuchtet ist, daß aus derselben Ministerial-Entscheidung durch verschiedene Referenten an verschiedenen Kreis- Regierungen widersprechende und entgegengesetzte Regierungs - Entschließungen abgeleitet wurden. Wir empfehlen jedem Schulfreund, insbesondere jedem isr. Religionslehrer in Bayern, sich die betr. Rro. zu verschaffen. England. London, 6. Februar. Unbeschreibliche Roth und Elend herrschen nach den Berichten des Vertreters des syrischen Kolonisationsfonds, R. Scott Moncrieff, unter der armen jüdischen Bevölkerung in Jerusalem und der Nachbarschaft dieser Stadt. Am traurigsten ist jedoch die aus Marocco gekommene jüdische Gemeinde dran, von deren Lage Moncrieff ein erschütterndes Bild entwirft. „Mehr als einmal," berichtet er, „glaubte ich bet meinen Besuchen unter den hiesigen Armen die Grenze des Elends wahrgenommen zu haben, in welchem der Mensch zu cxistiren vermag. Aber alles, was ich in der Vergangenheit gesehen habe, wäre, wenn zusammen auf einen Platz gedacht, nicht im Stande, auch nur eine annähernd getreue Vorstellung so gänzlich hoffnungs- und hilfloser, verzweifelter Noth zu geben, wie ich sie heute erblickt habe. Ich habe in Indien vielleicht die gleiche körperliche Noth, bei Aussätzigen z. B., bemerkt, doch kam dies nur in einzelnen und seltenen Fällen vor. Was ich aber heute gesehen habe, war die äußerste Noth Vieler, meist Frauen und Kinder, auf einem und demselben Platz." Moncrieff beschreibt sodann die Höhlen, in welchen diese unglücklichen Geschöpfe hausen. Um einen etwa 20 Fuß breiten und 80 Fuß langen Hof leben 300 menschliche Wesen, darunter blinde, alte Männer und Frauen, in finsteren Gelassen, in welche nie das Tageslicht dringt und in denen selbst bei Kerzenschein die Insassen kaum sichtbar sind. Ekelerregendes Wasser tropft aus einem überfließenden Abzugskanal in diese von Schmutz starrenden Verließe herab, in welchen ein pestilenzialischer Gestank jeden längeren Aufenthalt fast unmöglich macht, und doch wohnen Menschen, allerdings die ärmsten und elendsten in diesen Höhlen. Wenige erhalten Arbeit und Viele verhungern; Moncrieff hat Schritte gethan, durch Vertheilung von Nahrungsmitteln, Kleidungsstücken, Betten und Heizmaterial der dringendsten Noth zu steuern, sieht sich jedoch auch fernerhin in seinem wohlthätigen Werk auf die Unterstützung aller Menschenfreunde angewiesen. Der Secretär des egyptischeu Colonisationsfonds, E. A. Finn, 41 Parliament Street, nimmt in London Beiträge entgegen. (Auch wir sind gerne bereit, Gaben für diese Aermsten unter den Armen entgegenzunehmeu. Red.) R u ß l a n d. In Moskau macht die „Reinigung" der Stadt von jüdischen Elementen die größten Fortschritte. Es sind nahezu 30,000 Inden ansznweisen, und der bei weitem größte Theil dieser Thätigkeit ist bereits erledigt. Je ärmer die Auszuweisenden waren, um so kürzer waren die Fristen, oft nur solche von 24 Stunden gesetzt, um den Bannkreis der frommen Stadt, in der der Bruder des Zaren Generalgonverneur ist, zu verlassen. Die äußersten Fristen, bis zu denen die gesammte Reinigung voll» zogen sein muß, laufen gegen Mitte August dieses Jahres ab, und wenn auch Herr v. Wyschnegradski ihrer Religionsgenossen in Paris dringend bedarf, um seine Geldbedürfnisse zu befriedigen, so ist doch keine Aussicht vorhanden, daß diese äußersten Fristen noch weiter verlängert werden. Telegramm. Altona, 11. Februar, 9 S5 Bormitt. Herr Rabbiner Dr. Rosenfeld aus Mischkolez tUngarn) wurde mit bedeutender Stimmenmehrheit zum Oberrabbiner unserer Gemeinde erwählt. Möge es demselben gelingen, die Stelle, an der weltbekannte 2*51^ wirkten, seiner großen Borgänger würdig auszufüllen. Feuilleton. Z>er Hüiistking des Kzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Bon Jon. Lehmann, vr. phil. (16. Fortsetzung.) VIII. In rosiger Laune sprang Iwan Alexandrowitsch, erst halb angekleidet, in seinem wohldurchwärmten Zimmer umher; bald rieb er sich die Hände vor Vergnügen, bald beklatschte er liebreich seine vollen Oberschenkel, bald faßte er sein Kätzlein mit der einen Hand hinten am Halse und zog es mit der andern am Schweif oder zwickte ihm mit den Fingernägeln in die Brust, faßte es wie ein kleines Kind in die Arme und wiegte es umher, drückte es an seine Backen oder setzte es auf seine Schultern. Ein großer Streich war ihm am Tage vorher geglückt, er hatte einen Metropoliten zum Narren gehalten, er hatte den ersten Schritt in der Ausführung seines Vorhabens glücklich vollbracht. Ein Metropolit, etwa dasselbe wie Erzbischof, ist einer der höchsten geistlichen Würdenträger Rußlands. Nur in Petersburg, Moskau und Kiew existieren solche und sie bilden zusammen mit mehreren Bischöfen und Weltgeistlichen die Synode, ein Institut, dem an Macht kein anderes im Staate

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