Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1892)
- Date
- 1892-02-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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216 erraffen zu müssen glauben, welche von dieser Wahrheit der Manna-Lehre nicht durchdrungen sind. Er weiß, daß nicht sein Naffinement und sein Witz es ist, dem er sein Brod verdankt, und er blickt deßhalb mit seinem Stück Brod in der Hand zu I h m empor, „der das Brod aus der Erde hervorbringt." — Das tägliche Brod und die Sorge für dasselbe, welche die Menschen sonst trennt und verfeindet, hat diese unheilvolle Wirkung verloren, sobald sich jüdische Männer zum Genuß desselben zusammensinden. Nicht schielt Einer eifersüchtig auf den Bissen des Anderen, nicht mißgönnt Einer den Anlheil des Anderen, sie wissen, daß keiner mit seinem Genuß den des Anderen schmälert, sie blicken wiederum auch nach vollzogenem Genuß zum Himmel empor und kleiden die sie verbrüdernde Zuversicht in den Segen, „daß sic von Ihm gespeist werden und nur von Seiner Güte leben." — In besonders ergreifender Weise tritt der aus dieser Anschauung erblühende Brudersinn in der Erub-Jnftitution zu Tage, dem wir in diesen Blättern bereits eine eingehende Betrachtung gewidmet haben. **) Wer wollte nach alledem in unserer an socialen Schäden und Wirren so reichen Zeit daran zweifeln, daß cs eine Erlösung von den schwersten Gebresten unserer Gegenwart bedeuten würde, wenn sie die Mahnung des Schulchan Aruch beherzigen und die Wahrheiten sich täglich aufs neue beleben wollten, welche in jon rums uns in die Seele geredet werden?! (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Niederolm, im Febr. In Händen hiesiger Schulkinder wurde ein gedrucktes „Gebet" gefunden, in welchem Gott angefleht wird, alle Juden im „rothen Meere" zu ertränken, wie s. Z. die Aegypter. Dieses Pamphlet und andere Schaud- und Schundstücke gleicher Art wurden bei den letzten Antiscmiteu-Bersammlungeu hier und an anderen Orten, lvelchcn viele Kinder als Zuhörer beiwohnten, vertheilt J Ob dies kein grober Unfug ist? Posen. Donnerstag, 4. Februar, hat der Rabbiner der hies. Synagogengemeinde in Begleitung der beiden anderen Mitglieder des Nabbiuutscollcginms dem neuen Erzbischof Dr. Florian von Stablewski einen Begrüßungsbesuch abgestattet. Dieser war schon als Propst zu Wreschen durch leutselige Gesinnung gegen Andersgläubige bekannt und hatte solcher seiner in unserer Zeit besonders schätzenswerthen Gesinnung bereits in dem gelegentlich sei- **) „Das Berbot des Tragens am Sobhal", Iahrg. 1883. Nr. 91 ss. ner Inthronisation erlassenen Hirtenbriefe deutlichen und beredten Ausdruck verliehen. Der Rabbiner, dessen Besuch vorher angemeldet war, wurde von dem Kirchensürsten, der sich dabei in voller Amtstracht befand, gegen Mittag huldvoll empfangen. Der Rabbiner brachte ehrerbietigen Segenswunsch zum Antritte des hohen Amtes, gleichzeitig auch innigen Dank für die in de n Hirtenbriefe enthaltene Mahnung zu friedlich wohlwollendem Verhalten gegen Andersgläubige zum Ansdrucke. „Wir begrüßen in Ihnen einen Schüler des Hohenpriesters Aharon, der, nach den Worten des weisen Hillel, den Frieden nicht nur geliebt, sondern auch erstrebt bat. Mögen Ihre Gebete vor des Allgüttgen Thron Erhörung finden, wie die jenes Hohenpriesters , nachdem er das erste Huldigungsopfer dargebracht hatte! Mögen Ihre Lehren in den Herzen Ihrer Gläubigen segensreiche Saaten zeitigen, gleich den Worten jenes Priesters, der nach dem Ausspruche des Propheten, die Lehre der Wahrheit in seinem Munde hatte! Gesegnet sei Ihr Einzug in dieses Haus, segensreich für unsere Stadt, für unsere Provinz und für das ganze deutsche Vaterland!" Auf diese dem Inhalte nach wiedergegebcne Ansprache hat der hohe Kirchenfürst nach allgemeiner Hinweisung auf die Schwierigkeit seines Amtes und nach Worten herzlichen Dankes für die empfangenen Segenswünsche darauf hingewiesen, daß die friedliche, freundliche Gesinnung gegen Andersgläubige ihm von jeher innegewohnt habe: denn er vertrete ja eine Religion der Liebe und nicht eine solche des Hasses. „Ungeachtet der trennenden Schranken, welche die Verschiedenheit des Bekenntnisses ansrichtet, verbindet uns die gemeinsame Aufgabe werkthätiger Bruderliebe. Ich habe," sagte der hohe Herr, „unter Ihren Glaubensgenossen Viele gefunden, die gern und willig Wohlthätigkeit geübt haben, nicht nur gegen jüdische Hilfsbedürftige, sondern eben so gern gegen Andersgläubige. Rechnen Sie auf meine Bereitwilligkeit die in meinem Hirtenbriefe knndgegebenen Absichten alle Zeit zu bcthätigen." Nachdem die Mitglieder des Nabbinatskollegiums daraus, einer Einladung des Herrn Erzbischofs Folge leistend, mit diesem sich uiedergcsetzt hatten, brachten sic noch einige Zeit in zwangloser Unterhaltung mit dem Kirchenfürften zu und verließen sie denselben mit der Ueberzengung, daß durch ihn das friedliche Zusammenleben mit den katholischen Mitbürgern erleichtert und gefördert werden würde. Aus Mittelfrarrkeu. Der „Fränkische Kurier" brachte in Nr. 62 einen mehrere Spalten langen Artikel: „Zur Lage der isr. Religionslehrer