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Der Israelit · 1892-02-11 · Heft 12 (11.2.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 12 (11.2.1892)
Date
1892-02-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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nen ärmsten Menschenseele. Ihm ist es nicht zu geringe, in Menschenhütten jedes einzelne Haupt zu zählen, er lasset Himmel und Erden kreisen, um Tag für Tag Eine darbende Menschenseele zu speisen; denn Himmel und Erde wiegen bei Gott nicht Eine ihn verehrende und liebend zu ihm hinneigende Menschenseele auf. Gott aber erkennen und vertrauen ist der erste Grundstein der ganzen Gotteslehre. )ynb &b qk »mina -|^n wdjn. Gott Tempel bauen, Gott Altäre schmücken, Gott Hallelujahs singen, in Worten, in Gedichten, in Hymnen Gottvertrauen preisen — das macht es nicht aus. Seinen Namen im Munde führen, aber im Leben nicht den Muth haben, den kleinsten erreichbaren Gewinnst um seines Namens willen zu lassen — das ist es nicht. In Tempeln Gott, aber im Leben der Kreatur zu dienen, das ist das Judenthum nicht, das 'ist mit nichten die jüdische Freiheit, die die Menschheit zu erlösen und zu beglücken gesendet ist. Im Leben, durchs Leben deine Gotteserkenntniß, dein Gottvertrauen zeigen, freudig bereit sein, in Wüsteneien zu folgen, wenn dorthin deines Gottes Wort mit Weib und Kind dich ruft, freudig bereit sein, um deines Gottes Willen Hab und Gut, Verdienst und Genuß, Kraft und Leben einzusetzen, nicht zittern, wenn um des Wortes deines Gottes willen die Welt um dich zur Wüste würde, nicht zittren, wenn um des Wortes deines Gottes willen du die Gunst der Natur und der Menschen verlieren müßtest, nicht zittern, wenn um dieses Wortes deines Gottes willen, dir alles künstliche Brod und alle Fleischtöpfe Egyptens versagt würden, und du nur Tag für Tag aus deines Gottes Händen die tägliche Nahrung für dich und die Deinen hinzunehmen hättest, nicht zittern, wenn du heute nicht mehr weißt, wo du morgen dein Brod heruehmen werdest, und nicht nur nicht zittren, im heiteren Gottesvertrauen heute dein Brod zu verzehren, wenn du auch nicht wüßtest, wovon du morgen mit den Deinen leben sollst — als Moder und Fäulniß achten, was der Mensch in gottverleugnender Engherzigkeit sammelt und genießet, heitern Gottessegen aber von dem kleinsten erwarten, welches Gott dem reinen, ihm wohlgefälligen Mühen der Menschen spendet — das heißt Judenthum. „Der Viels am ml er hat in seinen Augen nicht mehr, der Wenigsammler in seinen Augen nicht weniger, als das Eine Gott bestimmte Maaß für jedes Menschenhaupt." „E o n c u r r e n z" dieses Wort des Segens und des Fluches, das sabbatlos die Gemüther in den Schweiß und den Staub der Glückesrennbahn jagt, welches das freundliche Auge, das heiterfreundlich jedem Mitwaller auf Erden zulächeln soll, zum bösen Neidesblicke trübt, das die Hand, die jedem Mitwaller männlich liebreich, mit- und nachhelfend sich bieten soll, 'zur Faust der Gewalt oder zum listig verschlagenen Nackenstobe ballt, welches das Herz, das göttlich menschliche Herz, in welchem die Barmherzigkeit und die Liebe Gott nachstrebend wohnen soll, mit sieben Schlössern des Neides, der Mißgunst und des Hasses lieblos verschließt, das den Geist, den göttlich menschlichen Geist, bestimmt, eine Leuchte der Wahrheit und des Rechtes und der Heilesweisheit zu sein, zum Diebslicht der Lüge, des Unrechts und der Gewalt verkümmert — „Concurrenz" die den Menschenkreis von einer gottgesegneten Bruderfamilie zu einem Herde ununterbrochenen Bruderkampss entzweit — Concurrenz hat für den Menschen des Sabbat ihre fluchbringende Kraft verloren. Er ist nicht da, um auf des Nachbars Trümmern sein eigenes Haus zu bauen, er ist nicht da, um auf des Bruders Nacken den stolzen Fuß der eigenen Größe zu setzen. Des Bruders Sturz kann ihn nicht heben, des Bruders Steigen ihn nicht hindern. Sein Gott ist reich genug, den Kreis Millionen strebender Menschenhütten segnend zu speisen. Und wie die neidische Angst der Mißgunst aus der Sabbatbrust des Menschen weicht, sprießen von selbst die Paradiesblüthen der Liebe und Milde im Menschenherzen auf, die ihn engelgleich zum Mitbau des Nachbarglücks beflügeln und ihn seinen schönsten Segen erst in dem Segen erkennen lassen, den er dem Brudermenschen liebend hat bereitet. Diesen Anmerkungen zu pn ntens, die wörtlich den Schriften eines unserer tiefsten Denker entnommen sind,*) möge nur noch der Hinweis auf die Art und Weise folgen, wie das jüdische Pflichtleben, das in dem Schulchan Aruch gelehrt wird, diese herrlichen Gedanken in vollendete Wirklichkeit umzusetzen bestrebt ist. Die Wahrheit, welche ivn 's täglich in der jüdischen Brust neu belebt, daß das Brod eine Himmelsgabe, eine Spende der göttlichen Gnade ist, erhält ihren Ausdiuck bei jedem Stückchen Brod, das der Jude zum Genüsse in die Hand nimmt. Er berührt es nicht, ohne die Hand priesterlich geweiht zu haben. Er wäscht die Hände, um auch symbolisch die Reinheit und Lauterkeit anzudeuten, die so Viele auf der Jagd nach Brod einbüßen. Er kann der Schliche und Kniffe entrathen, mit welchen diejenigen ihr Stückchen Brod erlisten und *) Hirsch's Ieschuruii, Bd. I, S. 421 f. und Pentateuch- Connnentar zu II. B. M., Cap. 16.

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