Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1892)
- Date
- 1892-02-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sorge um die leibliche Nahrung durch Unterstellung der individuellen und Familienexistenz unter die Gottesherrschast und Gottesleitung des Sabbat. Denn nichts Geringeres, als die durch eine vierzigjährige ununterbrochene Wundererfahrung eingeführte und eingelebte, die ganze Judenheit und das ganze Judenthum tragende Institution des Sabbats wird hier bekundet. Wir lernen zuerst das Bedürfniß einer solchen Institution in seiner ganzen Wucht kennen, linier» »ja my b, die ganze, die edlen Keime jener großen Bestimmungsreife in sich tragende Gesammtheit fing sofort, als sie von dem nahrungsreichen Elim sich wieder in der Wüste befand, über Moses und Aharon zu murren an. Es nutzt alles nichts, die Erlösungs- und Rettungs-Wunder in Mizrajim und im Meere, sammt der propädeutischen Erfahrung in Mara, alles schwindet im Anblick des drohenden Hungergespenstes für Weib und Kind, und auch in dieser Beziehung mag das Wort gelten: bw vnmo i’tep o' nynpo inv d-in, die Nahrung des Menschen ist härter als das Auseinanderreißen des rothen Meeres. Die wirkliche oder vermeintliche Gefahr des Verhungerns macht alle Grundsätze schwankend, bringt alle besseren Vorsätze znm Schweigen, und so lange der Mensch nicht, nicht von der Sorge, sondern von der Gewalt der Sorge um die leibliche Existenz erlöst ist, ist für eine durchgreifende Verwirklichung des Gottesgesetzes der Raum nicht gewonnen. Die Befreiung von dem Alp dieses Gespenstes ist jedoch nur möglich durch tiefe Einpflanzung des Bewußtseins, daß auch diese erste aller menschlichen Sorgen, die Sorge für die leibliche Existenz, nicht allein und nicht zunächst auf seinen Schultern zu ruhen hat, daß auch für dieses Ziel der Mensch nur das Seine, d. h. das, was Gott von ihm für dieses Ziel erwartet, thun könne, thun solle, der genügende Erfolg aber Gott anheim zu stellen sei, der jede Menschenscele und jedes Haus mit allen seinen hungernden Seelen und Seelchen Gegenstand seiner stets wachen, allmächtig fürsorgenden Gottesltebe sein läßt; daß überhaupt die menschliche Thätigkeit für die Existenz nicht als ein Recht, sondern als eine Pflicht zu betrachten sei. Ohne dieses Bewußtsein, so lange der Mensch sich, sich allein mit seinen beschränkten Kräften an das Joch des Strebens für das seine und der Seinen Existenz sichernde Brod geschmiedet fühlt, hat diese Sorge keine Grenzen, und nicht eben in einer Wüste, mitten in der mittelaber auch concurrenzreichsten socialen Welt kann diese Sorge dem Menschen seine Welt zur Wüste machen, kann diese Sorge nicht nur den morgenden Tag, kann die ganze Zukunft, die Zukunft der Kinder, der Enkel, dann der Urenkel und sofort umspannen zu müssen glauben und dem Menschen die rastlose, und daher dann die rücksichtslose Eroberung eines immer größeren Antheils an der Welt für sich und die Seinen zur Nothwendigkeit erscheinen lassen, neben welcher bald für andere Ziele und andere Zwecke kaum ein Raum bleibt. In die wirkliche, nahrungsloseste Wüste führte Gott daher das künftige Volk seines Gesetzes, läßt sie dort zuerst die ganze Angst einer nahrungslosen Gegenwart und einer aussichtslosen Zukunft fühlen, läßt sie an sich, für sich und alle ihre Nachkommen zuerst die Erfahrung machen, zu welcher Rücksichtslosigkeit die Gewalt einer solchen auch nur momentanen Lage Hinzureißen vermag. —-xb dn »rniro umn jyc^. Die Trägerschaft meines Gesetzes ist dadurch bedingt, daß ich Menschen finde, denen es genügt, je nur auf einen Tag mit Weib und Kind versorgt zu sein, heiter und froh heute zu genießen und heute ihre Pflicht zu thun, und die Sorge für den morgenden Tag Dem anhetmzustellen, der den heutigen Tag und für ihn das Brod gegeben und der auch den morgenden Tag und für ihn das Brod geben werde. Nur diese rückhaltlose Zuversicht in Gott sichert die Erfüllung seines Gesetzes gegen Uebertretungen aus vermeintlicher oder wirklicher Sorge um materielle Noth. Wer nicht gelernt hat, für den morgenden Tag Gott zu vertrauen, den wird endlich auch die auf Jahre hinausblickende Sorge von Gott und seinem Gesetze abführen. Hier daher auch die großen Sätze des R. Elieser Hamodai: Wer den Tag schafft, schafft auch seine Nahrung, und: wer für heute zu essen hat, und spricht, was werde ich morgen zu essen haben! der gehört zu den Vertrauensarmen! '21 rrn ]ndo inons «12 cvn Niatp ’o rara dv 121 1HE1? b/N \3N‘ HE 1E1N1 CTD IDN'SP DS SW 'D b 121N ■ n:eN n: nn Er, der der Sterne Zahl bestimmt, Er, der den Sternen Namen giebt, Der große, allmächtige, die Unendlichkeit mit seinem Geiste | umspauueude Meister Er gibt jeder bescheidenen Merischenseele Dauer, Und wirft die Bösen zu Boden! Der die Himmel mit Wolken bedeckt, Der der Erde Regen bereitet, Der Berge .Üräuter sprossen läßt, Ter giebt dem Thiere ja sein Futter Den jungen Raben, um was sie schreien, Der will nicht, daß der Mensch auf Rossesstärke traue, Nicht, daß der Manu auf Schenkelmuskel baue, Die ihn verehren, denen ist er liebend nahe, Die aus seine Liebe hossen. (Ps. 147.) So nahe, wie er dem großen Ganzendes Weltalls ist, so nahe ist er jeder einzelnen Menschenseele,'und übt die ganze Fülle seiner Welten speisenden Liebe zum Heile einer einzel-