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Der Israelit · 1892-02-08 · Heft 11 (8.2.1892) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 11 (8.2.1892)
Date
1892-02-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXUI. Jahrgang. Beilage zu M 11 des „Israelis. Literarische Umschau. 8. Ein christlicher Gelehrter der Jetzzeit sagte, daß die soziale Frage aus der Welt geschafft werden könnte, wenn man sich entschlösse, die europäische Staatenverfassung auf der mosaischen aufzubauen. Wem dieser Ausspruch zu übertrieben scheint, der lese die interessante soeben erschienene Schrift von Rabbiner H. Galandauer.' „Der Sozialismus in Bibel und Talmud" (Mainz 1891. Wirth'sche Hofbuchdruckerei.) Diese Schrift behandelt im 1. Kapitel „Die soziale Gleichheit als Gesetz", im 2. „Der Sozialismus als Recht", im 3. „Theorie und Praxis", im 4. „Zur Ausgleichung der sozialen Gegensätze". Der Verf. weist nach, wie das jüd. Gesetz seine größte Vorsorge den Armen und Enterbten zugewandt hat, wie der Arbeiter gefördert und die Rechte des Arbeiters einem etwaigen habsüchtigen Arbeitgeber gegenüber geschützt sind, und wie eine wohl geordnete Armenpflege einer Verarmung entgegenarbeitete. Andererseits wird aber auch nachgewiesen, daß neben dem Recht auf Arbeit und die Förderung seitens der Bessersituirten zugleich auch die Pflicht zur Arbeit betont wird, daß ein Müßiggang als eines der größten sozialen Vergeben betrachtet wird. Der Vers, hätte jedoch den Begriff des Sozialismus minder einseitig auffassen sollen; bei ihm ist es stets der gewaltthätige, und dieser hat innerhalb der jüd. Gesetzgebung nicht einmal eine theoretische Berechtigung. Der Sozialismus der Bibel und des Talmud ist derjenige, welcher in der Gleichheit des Menschen vor dem Gesetz seine Berechtigung begründet und von der Humanität die größtmögliche Ausgleichung der Verschiedenheiten und Gegensätze in der menschlichen Gesellschaft erwartet. Dies aber, was der Verf. ja selbst betont, steht jeder Theorie eines gewaltthätigen Sozialismus schroff gegenüber. Nun noch einige Bemerkungen: Daß man einem gesetzesunkundigen Priester keine Hebe geben solle, (S. 50) geschieht nur aus Befürchtung, er würde sie nicht in dem ihr gebührenden Range der Heiligkeit halten; ist somit an sich kein Beweis für das Gewicht, das man auf die Intelligenz legte, was übrigens aus vielen andern Stellen, von denen manche hier angeführt sind, hervorgeht. — Der Prusbul (S. 52) wurde nicht zum Schutz vor Betrügern eingeführt, sondern zu Gunsten der Leihbedürftigen. — Die Empörung (S. 54.) gegen Rehabeam ist wirklich von der Bibel gebilligt; daß Achija sie vorher verkündet, ändert nichts an der Thatsache. — „Hilflose und Arme", die durch Arbeit ihre Bedürfnisse verdienen (S. 69) sind nicht arm und hilflos. — Eine „Lösung" der sozialen Frage (S. 71) muß keine „plötzliche" sein. — '»i twpid (S. 82) heißt nicht „zu stolz sein die Arbeit zu übernehmen", „sondern sich mit der Arbeit des andern zu brüsten", also gerade das Umgekehrte von dem, was der Verf. behauptet. Der Verfasser kann sich durch Einsichtungen der vollständigen Erklärung Raschis z. St. überzeugen. — Diese kleinen Ausstellungen können jedoch nichts an dem Uriheil ändern, daß die Schrift eine vorzügliche ist und hiermit bestens empfohlen wird, - ntpjö j n betitelt sich eine kleine Schrift von M. Großb erg (Berlin 1892. Jtzkowski), die fünf Abhandlungen verschiedenen Inhalts enthält, die alle von dem großen talmudischen Wissen des Verf. Zeugniß ablegen und deren erste nach längerer Untersuchung zu dem Resultate gelangt, daß eine Kolonisation Palästinas auch für unsere Zeit die Erfüllung eines Gebots bedeute. Die Unterscheidung zwischen attrr und •>"« mn ist recht scharfsinnig. — Das Religionsbuch des Predigers Lion Wolff ,,'t »ijmd. Die Festtage Israel s" (Frankfurt a. M. 1892. I. Kauffmann), liegt in vierter, vermehrter und verbesserter Auflage vor uns. Wie schon der Titel sagt, beschränkt sich dieses Buch nur auf einen Theil des Religionsstoffes, auf die Feier-, Fest- und Gedenktage. Was hier geboten wird ist gut, allerdings kurz, aber in dieser Kürze alles dazu Gehörige in Betracht ziehend, und das Buch sei deßhalb aufs wärmste empfohlen. — Im blühenden Stil und zu Herzen sprechend ist die im Sonderabdruck erschienene Rede von Bernhard Königsberger „Menschliches Wirken" (Kattowitz 1891. Selbstverlag.) Wie das Judenthum die Humanität gepflegt wissen will, wird hier schön beleuchtet. — Wiederum ist eine neue Sammlung des „Purim Al man ach", herausg. von A. Goldschmidt (Hamburg 1892. A. Goldschmidt) erschienen. Derselbe enthält^ zwei Purimspiele und Deklamationsstücke, die zur Aufführung in heiterer Purimgesellschaft sich eignen. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Berlin, 1. Februar, »» 'n anx. Ein schönes Beispiel echt patriotischer Gesinnung hat am 27. v. M. als am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers, die unter Leitung Sr. Ehrw. Herrn Dr. O. Lipschütz stehende Religionsschule der Lipmann Tauß-Synagogengemeinde gegeben. Im A

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