Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1892)
- Date
- 1892-02-04
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Es bleibt uns nun noch die Bedeutung des zu erörtern. Von diesem sagen unsere Midraschlehrer, er habe seinen Namen aus dem Grunde erhalten Pipa nn tont?, weil seine Wogen mit scharfem, lauten Getöse sich dahinwälzen, oder weil, wie andere meinen, er bpi an scharf und laut dahinströmt, und zum Leichtsinn führt. -pip Warum wälzest du deine Gewässer mit solch' lautem Getöse dahin, fragt man den bpnn Strom und er antwortet jww ^>ip j/ebu „möchte doch „mein lautes Getöse Ersprießliches und Heilsames „zu Tage fördern. Mir geht es jie jenen fruchtlosen Bäumen, deren Blätter gewaltiges Rauschen „erheben, wenn der Hauch des Windes durch sie „fährt, die aber trotz all dem Lärmen und Rauschen „keine Früchte tragen." Fügen wir noch das Wort des Midrasch hinzu: pp n ^pnn Chidekel bezeichnet Griechenland und (versuchen wir den Sinn des Ganzen uns klar zu machen. Diese ^nv-Worte deuten in tiefsinniger Weise uns an, daß der ^piki-Strom uns die philosophische Lebensrichtung uns versinnbildlicht, jene Richtung, deren erste bedeutenden Vertreter im alten Griechenland auftraten und vor deren Lehren und Werken unsere Weisen warnen, indem sie das Studium dieser Wissenschaft das rvjv noan als „gefährlich" für unsere Jugend bezeichnen. — Und doch kann man dem i?p-in entlang den njnn z>p den Baum der Erkenntniß, der im Paradiese gepflanzt ist, erreichen, -wn nonp ^inn nw er fließt im Osten von tibw oder allegorisch aufgefaßt, er ist es, auf deni man dem Glücke entgegengeht und die durch wissenschaftliche Forschung zu erzielende Erkenntniß des Guten und Bösen erreicht; denn schon die Forschung an und für sich zeigt uns die Größe und Bedeutung des Menschen; wie glücklich ist doch der Mensch, daß er mit einem ihm von Gott verliehenen Geiste begnadigt ist, der ihn nicht nur hoch über die thierische Welt, sondern über die ganze Schöpfung erhebt, und ihn zum Herrn und Gebieter des gesammten Alls macht. — Nicht vor Forschung überhaupt warnen uns unsere alten Weisen; wenn im Gottesgarten erst der Baum des Lebens mitten im Garten sich erhebt, wie der Text lautet pn -pna D”nn und an diesen, der Baum der Erkenntniß sich herannaht, — yn wv njnn yy\ — wenn der Mensch erst in seinem Innern die unerschütterliche Ueberzeugung fest wurzeln läßt, daß es einen einzigen Gott im Himmel und auf Erden gibt, der der gütige Schöpfer und liebevolle Erhalter der Welt ist, und daß über die Gesetze und Normen, welche menschliche Weisheit und menschliche Vernunft, menschliche Kraft und menschlicher Schönheistsinn gegeben, ein höheres göttliches Gesetz waltet, eine Ueberzeugung, welche der Jude ans der Geschichte seines Volkes und der Tradition, und alle Menschen aus der Betrachtung der Natur und deren ewigen und unwandelbaren von Gott ihr festgestellten Gesetze schöpfen kann, dann strahle nur auf das Licht der Wissenschaft iw» noTp an der Ostseite des durch das Glück der Forschung begnadeten Menschen, gleich dem Lichte der Sonne im Osten des Horizonts. — Das erwähnte Midraschwort spricht von dem laut tosenden und schäumenden bpnn und bezeichnet damit die Forschungsrichtung derjenigen, welche bei ihrem Forschen zügellos dahin strömen und die Fesseln einer festen innern Ueberzeugung gewaltsam abstreifen, und sie durchaus nicht beachten wollen. In welcher Weise diese Forscher an den njnn yy herantreten, zeigt uns in einfachen klaren Worten unsere heilige rmn. — Der freie Denker wähnt sich erhaben über die Leidenschaft und sinnliche Gier, selbst wenn dieselbe in ihrer Nacktheit als Schlange sich zeigt. — Das schönste Geschöpf der Schöpfung bietet ihm dann die verbotene Frucht, und mathemathisch steht dem Genuß derselben nichts entgegen. Die Verdauungskraft des Menschen ist ihr entsprechend, ppp, mu »a sie ist gut zum Genüsse; der Schönheitssinn behauptet, cn'yp N'n rran »ai sie ist eine erfreuliche Lust für die Augen; und b'jvnb pyn töwi die menschliche Weisheit, der menschliche Verstand hat nichts gegen den Genuß einzuwenden. Sie fragen nicht, ob nicht das göttliche Gesetz den Genuß dieser Frucht untersagt hat, wenn sie auch nach menschlichen Begriffen genießbar, ja deren Genuß angenehm ist. In dem brausenden und lärmenden ^pnii-Strome werden die Philosophen überwunden und finden ihren Untergang. Und doch stimmt auch dieser Strom freudig in das Zukunftslied ein. Der ^pnii-Strom stellt uns die zu erwartende Zukunft im klaren Lichte dar. Blind ist das Auge des forschenden freien Denkers für die Erscheinungen der Natur und des Alls, welche sich laut verkünden als das Werk eines allgütigen Schöpfers; taub ist sein Ohr für die Lehren der Geschichte, welche uns deutlich das Walten der göttlichen, allweisen Vorsehung kund thun; erst dann wird sein geblendetes Auge hellsehend, dann sein Ohr fähig zu hören 7^.1 H2 'd 'n wb, wenn in der Zukunft Gott erscheint, seinen Urtheilsspruch über das Erdenrund zu fällen, dann ja dann rvnrn ujt nnn "in1 mno’ werden alle Ströme jauchzend in die Hand schlagen, die Berge allesammt sich jubelnd freuen. — Das Leben des Menschen gleicht einem Traum. In diesem sehen wir den Strom, den zu befahren wir uns wählen. In unserer Hand liegt es, ihm eine gute oder unheilvolle Bedeutung zu geben,