Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1892)
- Date
- 1892-02-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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183 seits entsprochen wird, entscheidet darüber, ob wir würdige Enkel unserer großen Ahnen sind. — Wenn der Vater, erfüllt von der Sorge um die Zukunft seines Kindes, dieselbe verschlossen glaubt, sobald sein Kind nicht das Lebensgesetz seines Gottes Übertritt, wenn er auf der andern Seite alle Wege geebnet, alle Pforten zu einer gesicherten Lebensstellung geöffnet findet, sobald sein Kind z. B. nur den großen Troß der Sabbatentweiher um einen vermehren will, so mag zaghafte Bedenklichkeit für Augenblicke die väterliche Ruhe und Besonnenheit trüben. Aber, wenn Paraschat Akeda mit ihrer ganzen Innigkeit und Tiefe zu ihm spricht, so erblickt er sich, sein und seines Kindes Leben in einem ganz anderen Lichte, Gott verlangt wie vom ersten Juden so auch von ihm sein Theuerstes, sein Einziges zum Opfer. Der Altar ist der Sabbat. Auch der Verführer fehlt nicht. Während er aber einst nach der sinnigen Darstellung der Weisen erst die Gestalt eines Greises annahm, um den Vater zu berücken, und dann als Jüngling auftrat, um den Sohn von der steilen Moriahöhe fortzulocken, übernehmen heute umgekehrt die klugen Alten, die Onkel und Tanten, die Schwäger und Vetter, die Jugend- und Altersgenossen die Rolle des Verführers. Selbst den Strom, dessen Gestalt der Verführer damals annahm, um Vater und Sohn den Weg zu verlegen, finden wir in der ganzen Strömung der Zeit wieder, die sich denen entgegenstellt, die jede menschliche Regung Abraham und Jizchak gleich unterdrücken, um den steilen gottgebotenen Pfad der Pflicht zu wandeln. — Wie schwer, wie dornenvoll dieser schmale Pflichtpfad ist, darüber giebt sich kein jüd. Vater, kein jüdischer Sohn einer Täuschung hin, und wenn sie dennoch alle Hindernisse überwunden, so war es ihnen vielleicht selber unbewußt, das Gedächtniß der Väter und das^Verdienst der Väter, das ihnen zur Seite gestanden, das uns vielleicht nirgends in so unmittelbarer Frische entgegentritt, als eben in Paraschath Akedah. Dieses Gedächtniß der Väter, mit all seinen herrlichen Folgen, zählt zu den schönsten Blüthen, die der Geist des Schulchan Aruch in den Reihen der jüdischen Zerstreuten gezeitigt. Der Gedanke an die Väter macht die spätesten Enkel noch zu Brüdern und schlingt die zarten Bande der Bruderliebe um so inniger um jeden Einzelnen des verlassenen Bruderstammes, je mehr die nichtjüdische Welt mit ihrer Menschenliebe knickert und sie gerade den ältesten Priestern der Humanität hartnäckig versagt. Ein Blick auf ihre Väter, ihr Geschick und die Art und Weise, wie sie es ertrugen, feit noch die spätesten Enkel gegen alle Unbill und Böswilligkeit, die ihr Schicksal sie auf ihrem Lebenswege finden läßt. Nicht geringschätzig denkt daher der Jude von der Vergangenheit seines Volkes und ihren Trägern. Die Pietät, mit welcher er zu ihnen aufblickt, ist ebenfalls ein spezifisch jüdisches Charakteristikon, das man in den Kreisen der Verächter des Schulchan Aruch vergeblich sucht. Seine Ideale liegen in der Vergangenheit und seine Hoffnung, die er an die Zukunft hat, faßt er in die Bitte: o-ipo w bhfi, diese Vergangenheit wieder neu zu beleben. Sein Abraham, Jizchak und Jakob sind ihm keine mystische Gestalten, trotz der Jahrtausende, die zwischen ihnen und der Gegenwart liegen. Aus der Geschichte dieser seiner Väter hat er Gottes Waltung kennen lernen, wie sie sich in dem Leben eines jeden Einzelnen, als 'w pnjp 'x ümax 'h^>x 3py’ bekundete, tote romon \r\ p nnxn, das Leben der Väter die greifbarste Offenbarung des göttlichen Eingreifens in menschliche Geschicke zum Ausdruck bringt, weil eben seine Väter jeden Schritt ihres vrüfungsreichen Lebens von Gottes Willen beherrschen ließen. — Dieser Gedanke macht wtox 'x jederzeit zu Und wenn wir auch nicht dem Ideal der Väter entsprächen, wenn wir weit ab wären von der sittlichen Höhe, aus der die leuchtenden Gestalten der Ahnen zu uns herniederschauen, gerade das nnx tot steht uns bei, zu ringen und zu kämpfen und das Ziel sicher zu erreichen d\32 yngnn tom Jede Liebesthat, die sie geübt, kommt noch ihrem spätesten Sprößling zu Gute, der bloße Aufblick zu ihnen gereicht ihm zum Segen und rechtfertigt die Weisung des Schulchan Aruch, täglich diese Wahrheiten in unmittelbarer Frische neu aus Paraschat Akedah zu schöpfen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondeuzeu. Deutschland. Mainz, 3. Febr. Die Thora mit ihren heiligen Gesetzen bleibt allewiglich unwandelbar, und trotzdem kann man nicht leugnen, daß die neue Zeit, mit ihrem Fortschritt, ihren Erfindungen und Entdeckungen auf unser religiöses Leben nicht nur nicht ohne Einfluß geblieben, sondern auch in mancher Beziehung tiefeinschneidend auf dasselbe gewirkt hat. Wie würden unsere Altvorderen sich erstaunen, wenn sie heute wiederkämen und erführen, daß z. B. Butter nur dann zu genießen erlaubt ist, wenn man sich vorher davon überzeugt hat, daß sie unter strengster, zuverlässigster Aufsicht bereitet ist, ja daß man bei Nichtbeachtung dieser Vorsicht unter Umständen eines unserer strenssten Verbote unserer heiligen Thora den ma wx begehen kann. Oder würden sie uns glauben, wenn man ihnen sagen würde, daß man am Sabbat in ein neuerfundenes