Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1892)
- Date
- 1892-02-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXIII. Jahrgang. Erste Beilage ju M 10 des „Israelit“. Zur Mürdigung des SchulchanAruch. Von Bezirks-Rabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). IX. 'n nnjQi rhy 'di nnmn mtt'jn ,pn 'bi mpyn 'd lab die rmy nor nmo "rrra Npm — run — um) rwom D’o?tsn •■rasa d“iöinP didn ^dn ov ba nnann § 5. „Es ist gut zu lesen den Abschnitt von derAkedah (di e Op ferung Jizch aks), den Abschnitt von Manna, die zehn Aussprüche (den Dekalog), den Abschnitt über das Emporopfer, das Mehlopfer, die Friedensopfer, das Sünd- und das Schuldopfer. Anmerkung. Aber nur dem Einzelnen ist es erlaubt, die zehn Aussprüche täglich zu sagen, aber es ist verboten, sie mit der Gemeinde zu sagen." Paraschat Akedah. Wie bereits am Ende des vorigen Capitels erwähnt, handelt es sich hier nicht um obligatorisch vorgeschriebene, sondern um fakultative, ganz eigentlich durch den Schulchan Aruch und das ihm zu Grunde liegende Werk, Turim, erst aufgenommene Theile des Gebets. Solche Parthien sind aber, wie keine sonst, zur Würdigung des Schulchan Aruch, seiner Anlage, seiner Anschauungsweise und zu seiner ganzen Charakterisirung geeignet. Wenn der Schulchan Aruch das durch Ueberlieferung gesetzlich Gebotene systematisch geordnet uns forführt, so ist er vollständig objektiv und die Objektivität, mit welcher er, ohne Eigenes beizumischen, den weitschichtigen Stoff sondert und schichtet, für und gegen, erleichternd oder erschwerend entscheidet, gestattet keinen Schluß aus Charakter, Geist und Gemüth seiner Verfasser. Würden wir doch auch dem Richter-Collegium eines Gerichtshofes, der seine im Lause der Jahre gefällten Entscheidungen veröffentlichte, ein sehr zweifelhaftes Compliment machen, wenn wir aus den nach dem Geist und Buchstaben des Gesetzes gefällten Urtheilen einen Schluß auf die Persönlichkeit der einzelnen Richter ziehen wollten. Vor der Majestät des Gesetzes tritt die Persönlichkeit seines Lehrers und Vertreters mit allem was ihr Menschliches anhaftet, vollkommen zurück. Was aber nicht bindendes Gesetz ist und von dem Schulchan Aruch aus sich als empfehlenswert gelehrt wird, damit haben wir sein eigentliches innere Wesen und somit den richtigen Maßstab für seine Würdigang vor uns. Es ist gut, Paraschat Akedah zu sagen! lehrt der Schulchan Aruch, unmittelbar nachdem er uns eben an's Herz gelegt hat, wie der rechte Sinn und Gedanke, mit bem Wir ba§ Gebet begleiten, diesem erst seinen wahren Werth giebt. — Wer wollte aber die Fluth der Gedanken und Empfindungen von Leben gestalteten Vorsätzen und Entschließungen auch nur andeuten, welche die tägliche Vergegenwärtigung des Inhalts der Paraschath Akedah in jeder gotttreuen'jüdischen Brust zu wecken geeignet ist! Da ist doch kein Wort, keine Redewendung, welche die große Opferthat des ersten jüdischen Vaters und seines einzigen Sohnes den späten Enkeln täglich vor die Seele führen, die nicht zu unerschöpflicher Quelle herrlichster, ergreifendster Wahrheiten, je nach der Lebensstellung und Schicksalslage jedes Einzelnen sich gestaltete! Da steht der Jude, der betende Jude, ver sich durch sein Gebet für den heißen Kamps ums Dasein rüstet, der mit jedem neuen Tag neu seiner wartet. Wenn er in diesem Kampf nicht untergehen, nicht seine Stellung, seinen Weltberuf, sein Vertrauen auf Gott, der ihn auf diesen Posten gestellt und damit nicht seine heitere, zuversichtliche Ruhe verlieren will, so schürzt er mit jedem neuen Tage einen neuen Knoten in das alte, 4000jährige Band, das'ihn mit seinen frühesten Ahnen verbindet. — Als diese Opfer, die jeder Tag fordert, noch ihren symbolischen Ausdruck in den „beständigen" Opfern des Tempelheiligthums fanden, da erstieg mit jedem Morgengrauen einer aus der die Gesammtheit vertretenden Priester-Schaar die Tempelzinnen und ließ den Blick nach der Grabesstätte unserer Ahnen in Hebron mit den Worten schweifen : ’Kpna und pana» ny mron »jd tmi. „Der Frühstrahl ist da! Der ganze Osten leuchtet bis nach Hebron hin!" um aus dem Gedächtniß der entschlafenen Ahnen Muth und Hoffnung für die Opfer zu schöpfen, die der neue Tag fordert. *) Und nun in einer Zeit, wie es die unsrige ist, die ohne Rast und Ruhe vorwärts und immer vorwärts keucht, in der ein Tag den anderen, eine Erfindung die andere jagt, die über dem „Fortschritt", den sie zur Devise erkoren, den Stillstand und den Rückblick vergißt, der das Errungene überblicken, verwerthen und seiner froh werden läßt! In einer Zeit, die Dampf und Blitz und die in die Ferne sprechende Schallwelle zu geschäftigen *) Joma 28 b. Raschi: -orfr HD ’CDttnT D"£T1D U’SJö' inan paua roat* noi.