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Der Israelit · 1892-02-04 · Heft 10 (4.2.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 10 (4.2.1892)
Date
1892-02-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Freund, vermeidet eine Thorheit, verhindert Euren Sohn zu fliehen, denn man würde ihn doch bald wieder finden, da er keinen Paß besitzt und ein solches Vorgehen wäre nur dazu angethan, ihn zu verdächtigen und seine Lage sehr zu verschlimmern." „Ich danke Euch für Euren wohlwollenden Rath", entgegnete Alexei, „und ich werde ihn gewiß befolgen, aber verzeiht mir noch eine Frage, wenn sie vielleicht auch thöricht ist. Ich bin so sehr in Angst um mein geliebtes Kind. Eure Exellenz, man wird ihm doch nichts thun in dem Verhaft, man wird ihn doch nicht etwa knuten um ein Geständniß zu erzwingen, Gott sei davor und behüte uns ewiglich. Er hat ja gar nichts zu gestehen, er hat ja gar nichts Böses gethan, außer dem Besitz jenes unseligen Pistols." Der Gouverneur lachte laut auf. „Ihr scheint noch um fünfzig Jahre zurück zu sein mit Euren Begriffen von der Rechtspflege", rief er noch immer lachend, „so etwas kommt heut zu Tage in Rußland nicht mehr vor. Bereits durch die Verordnungen vom 29. April 1863 wurden die Körperstrafen als ordentliche Strafen vollständig aufgehoben und dürfen nicht mehr von einzelnen Richtern, sondern nur noch von den Collegial-Gerichten und selbst dann nur in den alleräußersten Fällen als Strafverwandlungsmittel angewendet werden. Nur unverbefferliche Soldaten zweiter Klasse, sowie Bauern auf den Spruch der Bauern-Gemeindkversammlung hin werden geknutet. Euer Sohn indessen, weil er eine höhere Schule besucht hat und gar den Doktortitel der Philosophie besitzt, ist von der Körperstrafe absolut exemnirt. In keinem Falle kann dieselbe gegen ihn angewendet werden, eben so wenig wie gegen den Adel und die Geistlichkeit. Das bestimmt ausdrücklich ein kaiserlicher Ukas. Was Ihr aber auch für thörichte Einfälle habt, Alexei Chaimowitsch." Der Gouverneur stand auf und reichte dem Fabrikherrn freundschaftlich die Hand. „Es ist gar kein Grund zu irgend einer Bc- 180 sorgniß vorhanden, Ihr ünd Euer Sohn stehen unter meinem persönlichen Schutze; Ihr könnt Euch auf meine Versicherung verlassen, daß ihm Nichts zustoßen wird, was er nicht wohlgemuth zu ertragen vermöchte." Noch eine freundliche Handbewegung des mächtigen Herrn und fröhlichen Gemüthes entfernte sich Alexei Chaimowitsch. Er war fest überzeugt, daß nun Alles zum Besten geordnet sei, und daß Jakow es nicht nöthig hätte, zu entfliehen. Zu aller Vorsorge aber fuhr er noch zum. Polizeimeister, um von diesem wenn möglich zu erlangen, daß die Verhaftung Jakows nicht ausgeführt werde. Leider war der Polizeimeister nicht zu Hause, doch Alexei hinterließ ihm einen verschlossenen Brief, in dem eine sehr deutliche Schrift geschrieben war. Der Fabrtkherr erlaubte sich, so stand in dem begleitenden Schriftstück zu lesen, hierdurch die 500 Rubel zurückzuerstatten, die jener ihm vor einigen Tagen geborgt hatte. Fröhlichen Herzens kam Alexei Chaimowitsch nach Hause, wo man in höchster Spannung seiner Wiederkunft entgegengesehen hatte. Dort befand sich noch Alles beim Alten, und die aufgeregten Gemüther beruhigten sich. Man glaubte allen Grund zu haben, nun frohgemuth und außer Sorge zu sein, und der Koffer Afka's wurde wieder geleert, denn die beabsichtigte Flucht hatte sich ja als unnöthig erwiesen. In heiterer Stimmung, wie sie ja nach dem Bestehen einer so großen Gefahr natürlich war, setzten sich die Familienmitglieder zum gemeinsamen Mittagstische nieder und dankten Gott für ihre Errettung. So klammert sich das bediückte Menschenherz an jeden Schein der Hoffnung an und ist jederzeit bereit, für eine frohe Thatsache zu halten, was nur ein trügerisches Anzeichen war. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel <tt beziehen bei E. $. Sleinacker, Leipzig, Rastplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Direkte Fraucozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. osterr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, au die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hanptblatt): Reuender Artikel: Hinter den Coulifsen des Antisemiten-Theaters. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Alzey. Berlin. Wreschen. Dessau. — Oesterr.-Ungar. Mon.: Wien. — Griechenland: Korfu. — Egypten: Alexandrien. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Günstling des Czaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lech mann, Dr. phil. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Zur Würdigung des Schulchan Aruch. Von Bezirks-Rabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). (Fortsetzung.) — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Perek Schirah. Fortgesetzt von Liepman Philip Prin 8. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Worms. Alsheim. Lampertheim. Nordstetten. Dresden. — England: London. — Rußland: Moskau. — Bulgarien: Sofia. — Amerika. — Vermischtes. Inhalt der Extra-Beilage: Reue Veröffentlichungen der Verlagsbuchhandlung von Sigmund Mayer in Trier. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierz« drei Beilage«

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