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Der Israelit · 1892-02-04 · Heft 10 (4.2.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 10 (4.2.1892)
Date
1892-02-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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177 die ihren Ursprung allein in politischen und kommerziellen Interessen gehabt hätten. Man habe nämlich durch Aufstachelung der niedrigen Volksletdenschaften die Juden zur Auswanderung zwingen wollen, um sich so um billiges Geld in den Besitz ihrer Habe zu setzen. Was den angeblichen Ritualmord betreffe, so handele es sich um ein? infame Lüge, denn es sei heute erwiesen, daß die ermordete Rubin« Sarda ein Judenkind war! Der famosen corsiotischen Polizei wies der Untersuchungsrichter nach, daß sie, statt den Brand zu dämpfen, absichtlich Oel ins Feuer gegossen, die Exzesse zu bestimmten egoistischen Zwecken ausgenutzt und die Justiz durch freche Lügen irre geführt hat, — eine Darlegung, die vom Staatsanwalt Apostolides mit den Worten bestätigt wurde: „Die Corsiotische Polizei habe, wie es scheine, aus lauter Spitzbuben und Verräthern des Vaterlandes bestanden!" Auch der in der Folge vernommene Vice-Jnspektor der Polizei von Korfu, Maritza, erklärte auf das Bestimmteste, Rubtna Sarda sei Jüdin und der Ritualmord eine einfältige Tendenzlüge gewesen; was indessen die Polizei betreffe, so könne man ihn nicht für die Machinationen seiner Vorgesetzten verantwortlich machen. Da sich die Zeugen vielfach in Widersprüche verwickelten und namentlich die Polizei-Agenten offene Lügen vorbrachten, so wurde der Prozeß bis Mai vertagt. Im zweiten Prozeß, der dem ersten auf dem Fuße folgte, handelte cs sich um den Mordversuch, den zwei griechische Fanatiker, Nicandro und Balambacco, an der Jüdin Misan begangen hatten. Die letztere war, als sie Hilfe suchend nach der Polizeiwache eilen wollte, unterwegs ohne jeden Grund von den beiden Antisemiten mehrmals angeschossen und schwer verwundet worden. Auch in diesem Prozesse zeigte sich der Staatsanwalt Apostolides durchaus seiner schwierigen Aufgabe gewachsen; er erklärte die Antisemiten für.Feinde der Verfassung, da in Griechenland jeder Konfession volle Toleranz gewährleistet fei, verurtheilte von Neuem das schnöde Treiben der Hetzer von Korfu und ihrer Hintermänner und verlangte für die beiden Angeklagten das höchste Strafmaß von 12 bezw. 10 Jahren Zuchthaus, ein Antrag, dem das Gericht sofort vollständig entsprach. Der zwar etwas spät, aber doch nicht allzu spät gekommene Gerechtigkeitsakt gereicht den Geschworenen von Patras, die nicht, wie die Corsioten, von engherzigen und egoistischen Absichten erfüllt sind, zur Ehre. Zu wünschen ist nur, daß auch die Regierung auf die Zustände in Korfu ferner ein wachsames Auge haben möge; denn die Insel ist, was man auch sagen möge, noch keineswegs vollständig pacifizirt. So konnten sich beispielsweise bet den letzten Gemeinderaths- und Bürgermeister- Wahlen die durchweg zur Partei Delyannis gehörigen Juden noch immer nicht aus dem Ghetto hervor und zur Wahlurne wagen, weil sie in diesem Fall sicherlich das Opfer neuer Pöbelexzesse geworden wären, ein Zustand, der den tricupistischen Kandidaten natürlich zu Statten kam und ihren Sieg in der Stadtverwaltung bestimmte. Von einer definitiven Wiederherstellung der Ordnung auf Korfu sprechen zu wollen, wäre darum kaum etwas anderes, als Optimismus. Egypten. Alerandrien, 25. Januar. Schon vor 14 Tagen wollte ich Ihnen einige Nachrichten über die von Herrn Paul Friedmann unternommene Expedition mittheilen, wollte aber den traurigen Gerüchten, die mir von halb verläßlicher Quelle zukommen, keinen Glauben schenken. Diese Gerüchte, welche ich in Kürze skizziren null, haben sich leider vollinhaltlich bestätigt; und da Sic eine mit Namen Alfred Kaiser ans Wadi Bedr-Sinai, 1i>. Dezember datirte Mittheilnng in Ihrem den jüdischen Interessen gewidmeten Organe Raum gaben, erlaube ich mir, diese in vielen Punkten zu berichtigen, da eine so günstige Nachricht nur geeignet wäre, unsere schwergeprüften russischen Mitbrüder irre zu führen. Es ist wahr und richtig, daß Herr Paul Friedmann einige zwanzig Israeliten acgnirirt hat mit dem Versprechen, in Midjan eine Eolonie zu gründen, welche später einige Hundert russ. Familien anfnehmen und Letzteren bei Betrieb von Ackerbau und Handwerk ein ruhiges Heim bieten wird. Mit diesen zuerst in Krakau anfgenommenen Leuten machte .Herr Friedman» eine Reise in verschiedene Städte Enropa's, besuchte viele Rabbinen, angesehene Gemcindemitgliedcr, entwickelte sein philantropisches Unternehmen, welches von den Meisten gebilligt, aber auch von Manchem getadelt wurde, weil Arabien, aber vorzugsweise der Boden von Midi n schwer zu bearbeiten und kein gutes Trinkwast'er vorhanden ist. Die Zusage ,xriedmann's, daß seinen jüdischen Eolonisren die Beobachtung ihrer rituellen Vorschriften frcistcht, p, daß er eigens für diesen Zweck zwei Schächter ansnehme, beseitigte jedwede Bcsorgniß. Von den sich hier seit Monaten befindlichen russ. Einkgrantcu schlossen sich auch mehrere der Friedmann'- schen Expedition an und so gingen diese Mitte November v. I. ans der eigens hierzu ausgerüsteten Dampt- Zachr „Israel" voll Hoffnung und Freude dem Lande unserer Väter zu. Zwei Monate lang, vom frühen Morgen bis späten Abend haben unsere unglücklichen Brüder militärische Excreitien gemacht, lvürdcn es noch heute zu thun bemüßigt sein, wenn sich nicht ein Fall unerhörter Grausamkeit und Gewalt ereignet hätte. Ein 20jähriger Jüngling Namens Rosnovskn aus Odessa, den Friedmann in Alexandrien ausgenommen hatte, brach aus Mattigkeit beim Exercieren zusammen.

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