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Der Israelit · 1892-02-04 · Heft 10 (4.2.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 10 (4.2.1892)
Date
1892-02-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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176 jüdischer Eigenthümer befinden, der konsevativen Sache dienen. Dieses ist z. B. bet dem „Bern bürg er Wochenblatt" der Fall, wogegen wir an und für sich auf Grund obiger Voraussetzungen nichts zu bemerken haben. — Wenn aber das genannte Blatt auf Grund seiner konservativen Tendenz sich genöthigt glaubt, für Herrn Stöcker einzutreten, und bei einer von ihm erfolglos versuchten Mohrenwäsche Handlangerdienste zu leisten, so braucht man nicht erst Jude zu sein, um das Widerwärtige eines solchen Auftretens zu empfinden. Das „Anhaltische Tagblatt" giebt dieser Empfindung zutreffenden Ausdruck, wenn es schreibt: „Im deutschen Volksverein zu Bernburg hielt kürzlich Hr. Pastor Bartels einen Vortrag über das interessante Thema: „Stöcker als Antisemit." Es wird wohl wenige jüdische Mitbürger geben, welche sich der Aufgabe unterziehen möchten, den Antisemitismus des Herrn Stöcker in Abrede zu stellen oder auch nur zu beschönigen. In diese schmerzliche Nothwendigkeit ist nun aber — dank seiner konservativen Richtung — das „Bernburger Wochenblatt" versetzt. Es dürfte auch für weitere Kreise von Interesse sein, in welcher Weise sich das im Besitz einer achtbaren jüdischen Firma befindliche Bernburger Blatt mit der peinlichen Aufgabe abzufinden sucht. In seinem Bericht über jenen Vortragsabend heißt es: „Den Hauptgegenstand der Tagesordnung bildete der Vortrag des Hrn. Pastor Bartels über das Thema: „Stöcker als Antisemit", in welchem Redner nach seinen eigenen Worten den Hauptzweck verfolge, nicht etwa hier am Orte einen antisemitischen Verein zu gründen und hiesige Christen gegen hiesige Juden aufzuhetzen, sondern den Beweis zu liefern, daß Stöcker nicht der fanatische Judenhetzer ist, wie ihn die gehässige Presse immer noch darstellt, sondern der echte, deutsche, königstreue und durch und durch christliche Mann, der aus reiner, glühender Liebe zu seinem Volke dasselbe vor allem Schaden, er drohe von welcher Seite cs sei, bewahren möchte. Wir behalten uns vor, auf den Vortrag, dessen Wortlaut uns vorlicgt, eventuell noch eingehender zurückzukommen." „Möglicherweise mag sich nun ein Abonnent des „Bernd. Wochenblatt" mit diesem etwas wunderlichen Rechtfertigungsversuch des großen Antisemiten Stöcker nicht recht einverstanden erklärt haben, denn das Blatt sieht sich veranlaßt, in derselben Nummer folgende Briefkasten-Notiz zu veröffentlichen: „Abonnent K. hier. Als Herr Stöcker s. Z. das erste Mal hier sprach, hat er die sogenannte „Judenfrage" gar nicht berührt. Seine auf ganz anderen Gebieten sich bewegenden Ausführungen hatten damals einen solchen oratorischen Erfolge daß cs schon die Pflicht der Gerechtigkeit und Objektivität gebot, diesen auch im Lokalblatte, das selbst auf gerechte Beurtheilung Anspruch erhebt, zu konstatiren und anzuerkennen. Die Confession des jeweiligen Redakteurs hatte und hat mit der Erfüllung solcher publizistischen Pflichten nichts zu thun." Nun, man wird das „Bernd. Wochenbl." um diese seine, aus der selbstgewählten konservativen Richtung entsprießenden „politischen Pflichten" zum mindesten nicht zu beneiden brauchen." Oe st er r. -Ungar. Monarchie: Wie», 1. Februar. Wir empfangen das nachstehende Schreiben: „Ein hier etablirtes „Literarisch-Artistisches Bureau", welches sich mit dem Vertriebe von Portraits des Herrn Baron Hirsch befaßt, versendet Prospekte und veröffentlicht in Blättern Ankündignngen, in welchen die „Israelitische Allianz zu Wien" mit diesem Unternehmen in Zusammenhang gebracht wird. Im Interesse der Aufklärung des Publikums ersuchen wie Sie, in Ihrem geschätzten Blatte unserer Erklärung Raum geben zu wollen, daß die „Israelitische Allianz zu Wien" diesem Unternehmen vollständig fern steht. Die Jsr. Allianz zu Wien. Griechenland. Korfu, 18. Jan. Vor den Assisen von Patras haben soeben zwei ProzZse gegen die Helden der korsiotischen Judenhetze stattgefunden, und zwar deshalb in Patras und nicht in Korfu, weil die Stimmung auf der letztgenannten Insel, wo die antisemitische Partei Tricupis dominirt, noch immer nicht völlig ruhig geworden ist. Der erste der beiden für die trikupistisch-antisemitische Partei geradezu vernichtenden Prozeß betraf die am 12. Mai erfolgte meuchlerische Ermordung zweier jüdischer Arbeiter. Als der Anstiftung zum Morde verdächtig hatte der Staatsanwalt die reichen Brüder Damiri, einflußreiche Oelhändler, verhaften lassen; die eigentlichen Mörder aber, darunter vor Allem der frühere Galeeren-Sträfling und spätere Antisemit Stini, waren, dank dem Geld und dem Einflüsse ihrer Auftraggeber, ins Ausland entwischt, und zwar soll ihre Flucht insbesondere von gewissen griechischen Firmen in Alexandria begünstigt worden sein, um zu verhindern, daß die Werkzeuge der Antisemttenpartei vor Gericht reden und vielleicht noch weit höher gestellte Leute als die Brüder Damiri kompromittiren könnten. Der als Belastungszeuge vernommene Corsiotische Untersuchungsrichter Farsi brandmarkte denn auch mit höchster Entrüstung die Vorfälle von Korfu,

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