Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 9 (1.2.1892)
- Date
- 1892-02-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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168 strebmigen auf Erden, seine Gerechtigkeit ziehe ihn voran, Gottes Herrlichkeit nehme ihn auf. Tief ergriffen stattete dann Dr. Hildesheimer den tiefgefühltesten Dank in seinem und des ganzen Curatoriums Namen dem Heimgegangenen Mit- Curator des Rabbinerseminars ab, dessen Rath und That viel zur Blüthe dieses Znstituts beigetragen habe. Die Geburts- und Jugendzeit des Verklärten falle noch in die Periode, welche den falschen Wahn gehegt und genährt habe, als ob Bildung und Thauroh, Judenthum und Humanität sich feindlich gegenüberständen, gegenseitig ausschlössen. Der Verewigte habe durch sein Beispiel im Verein mit den Gesinnungsgenossen für alle Zeit diese Fabel vernichtet und habe in diesem Geiste auch seine Schüler herangebildet, die von Alton aus die Rabbinerschule bezogen. Die von dem Seminar ausgestellten Jünger gehörten mit zu seinen (des Verstorbenen) Kindern und so habe er mitgewirkt, daß auf die jetzige Zeitströmung anwendbar sei der Schluß der miasn der jüngsten rrnD „so spricht Gott zum Hause Jacobs, jetzt wird nicht mehr (wie noch vor 50 Jahren) das Haus Jacobs beschämt werden, und sein Angesicht erbleichen. Denn er schaut hin auf seine Kinder, seine Jünger, wie sie (in zahlreichen Gemeinden) heiligen den Hort Jacobs und den Gott Israels verherrlichen." Jetzt kam Rabbiner Dr. Bähr aus Prenzlau an die Reihe. Derselbe hatte als 2. der zu Probepredigten berufenen Candidaten am Sabbat zuvor in der Synagoge gesprochen und konnte jetzt, obschon mit dem Verstorbenen nicht von früher her näher bekannt, Zeugniß ablegen von der seltenen Anhänglichkeit der Gemeinde an ihr verschiedenes Oberhaupt, wie sich das in dem einmüthigen inbrünstigen Gebet der Gemeinde für den im Todeskampf liegenden Rabbiner documentirt habe. Als letzter Redner sprach Rabb. Dr. Carlebach aus Lübeck. „Das Traurigste," so führte dieser Redner aus, „in diesem Todesfall liege mit darin, daß der Tod nicht so recht traurig stimmen könne, seine Bitterkeit verloren habe und als ein Erlöser begrüßt ward. Denn Dr. Löb sei nicht jetzt, sondern schon vor fünf Jahren gestorben. Die Jammergestalt, welche wir seither gesehen, sei nur ein schwacher Abglanz der bereits untergegangenen Sonne gewesen, des geistsprühenden und kraftstrotzenden Oberrabbiners von Altona. So tiefschmerzlich das auch sei, ein solch edles Gebilde aus des höchsten Bildners Hand wie werthlose Scherben zerschmettert zu sehen, so habe sich doch auch darin Gottes unendliche Gnade und Liebe gezeigt. Denn so wie in Seiner Hand die Wunde selbst zum Mittel der Heilung werde, so nehme Er den Schmerz, um mit dem Schmerz den Schmerz zu bekämpfen. Der Arme, welchen Leiden auf's Krankenbett werfen, fühle sich doppelt unglücklich und ahne nicht, daß Gottes Liebe ihm die Krankheit vielleicht nur darum geschickt, um ihn die Armuth vergessen und ungeahnte Freuden genießen zu lassen. Nachdem es in des Allweisen Plan bestimmt worden, daß er die Last der Armuth tragen solle, würde er vielleicht immer mit den Seinen unter diesem Verhängniß geseufzt haben. Jetzt schickt Gott die Krankheit. Vergessen ist alle Noth, nur für das treue Leben wird gebangt und gebetet. Und wie reich fühlt sich die arme Hütte, wenn die Gefahr beseitigt und wie zieht mit jedem Tag, welcher einen Schritt weiter geführt zur Besserung, immer, neuer Jubel in die Herzen ein. Die Armen sind arm geblieben, wie sie waren, und doch hat Gottes Güte sie gleichsam über ihre Armuth hinweggetäuscht. So habe auch Gott rV's bei dem Entschlafenen durch Schmerzen den Schmerz erträglich gemacht. Denn war Dr. Löb bis zur Todesstunde der herrliche Mann, als den wir ihn kannten, wäre diese Sonne, wie es nun einmal beschlossen war in Gottes Rath, am hellen Mittag untergegangen, daun hätte der Schmerz um solchen Verlust Re Familie und Re Gemeinde wahrhaft betäuben müssen. Darum habe der Allgütige das Furchtbar^ allmählich geschickt. Wenn aber der Redner, ein treuer Freund des Heimgegangenen, eine Schilderung Dr. Löb's geben solle, daun ergehe es ihm, wie jedem Kinde, dem man eine Belohnung angeboten, wenn es sagen könne, wo Gott ist, worauf das Kind dem Fragesteller die doppelte Belohnung versprochen, wenn er angeben würde, wo Gott nicht ist. Wolle man schildern, wer Dr^ Löb war, welche Tugenden und Vorzüge ihn geziert, welche Leistungen ihn emporgehoben hätten über seine Mitmenschen; dann müsse man eigentlich den umgekehrten Weg einschlagen und fragen, wo gab es eine Tugend, die er sich nicht angeeignet, eine auch nur von ferne an seinen Lebenslauf angrenzende Wissenschaft, in der er nicht Meister gewesen, ein gott- und menschenerfreuendes Streben, dem er sich nicht gewidmet hätte? Und nun ging der Redner alle die verschiedenen in seltenem Maße bei dem Verewigten vereinigten Vorzüge einzeln noch einmal durch, um auch seinerseits mit einigen Trostesworten zu schließen." Die Uhr war 2J/2 Uhr geworden. Unterdessen hatte die Trauerversammlung ausgeharrt, trotz der bei solch ununterbrochener Aufmerksamkeit schließlich unvermeidlichen Ermüdung, und trotz der eisigen Kälte, die sich der Füße auf den steinernen (nicht mit Matten bedeckten) Fließen bemächtigte. Länger durfte der Akt nicht ausgedehnt werden, und darum kamen Rabb. Dr. Hannover aus Wandsbeck