Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 9 (1.2.1892)
- Date
- 1892-02-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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169 und andere berufene Redner nicht mehr zum Worte. Der Sarg ward zur Gruft getragen und dem Schooße der Erde übergeben. n'zixan C. Berlin, 31. Januar. Das neueste Mamiöver des Antisimitismus ist die Absicht eine Millionen-Adresse an den deutschen Kaiser um Aufhebung der Emanzipation der Juden zu richten. Wer die Geschichte der antisemitischen Bewegung in Deutschland kennt, der weiß, daß eine solche Adresse bereits vor etwa zehn Jahren kolportirt wurde. Sie wurde an den Fürsten Bismarck gerichtet, der aber, wie es schien, im letzten Augenblick den Kolporteuren entschieden abgewinkt hat. Der Haupt-Kolporteur, Dr. Bernhard Förster, ging darauf nach Paraguay, und die Adreßangelegenheit verlief im Sande. Wenn nun die Antisemiten nach diesen Erfahrungen noch einmal dasselbe Mittel versuchen wollen, so muß man wohl annehmcn, daß sie erstens kein anderes gefunden haben, um ihre Schaaren festzuhalten, und daß sie zweitens diesmal an einen besseren Erfolg glauben. Zinn denn, wir fürchten nicht einen Augenblick diesen Erfolg! Wür würden uns geradezu eines Majcstätsverbrechens schuldig machen, bemerkt ein hiesiges Blatt sehr richtig, wenn wir eine solche Furcht hegen wollten. Unsere Leser werden gern auf. die Wiedergabe des Wortlauts dieser Petition verzichten. Sie enthält die alten, seit Jahrtausenden gegen uns gerichteten Anklagen, die uns in wenigen Wochen wie alljährlich aus der Megilla entgegentönen. Wie diese es gewesen sind, so werden auch jene uns ein Sporn sein, in dem Bemühen, unser Leben zu einen! immer edleren und besseren zu gestalten, im Dienste des Höchsten und Seiner Lehre. Dann können Menschen uns nichts anhaben, dann ist Gott mit uns! Berlin. Auf das Treiben des Antisemitismus wirft ein bezeichnendes Licht eine von dem vormaligen Chef-Redakteur des antisemitischen „Leipziger Tagesanzeigers", Herrmann Lucko verfaßte Broschüre: „Ein Jahr im Centrum der Deutsch-sozialen Partei. Ein offenes Wort." In derselben werden auch Stellen aus Briefen des bekannten Antisemitenhäuptlings Wilhelm Marr veröffentlicht. In einem ans Hamburg vom Juli 1891 datirten Schreiben dieses Herrn heißt es: „Der moderne Antisemitismus — recte Fabrik-Geschäftsschwindel-Antisemitismus ist für n ich „gegenstandslos" geworden. Er belügt sich selbst, um andere zu belügen und zu beschwindeln." In einem anderen Schreiben heißt es: „Ich bin ein alter Parteigänger, aber nie habe ich mehr Erzschelmenbande gefunden, als unter den heutigen Geschäfts-Antisemiten. Das aber dürfen Sie privatim erklären, daß ich nach 30jährigem Judenkrieg mich mit Ekel bis zum Erbrechen abwende von dem ganzen heutigen Geschäftsschwindel-Antisemitismus. Ich werde diese Behauptung nicht widerrufen. — Herr Marr kennt seine Leure. Man kann ihm in Bezug auf die Antisemiten glauben, was er sagt. Wir werden in einer der nächsten'Nr. einige Auszüge aus dieser den Antisemitismus in seiner ganzen Verworfenheit und Fäulniß getreu zeichnenden Broschüre eines Antisemiten bringen. MU" H n | c i fl e «. “WM w Für den folgenden Theil ist die Redaetion nicht ver antwortlich. S. Salomon Stettin. \r!‘",'lLs'f!"',',<'fU!’ 7 7 gegründet 1859, ertlieilt zuverlässige, discrete, ganz detaillirte Auskünfte über Gesammt-Verhältnisse u. Vorleben von IO Hk. an. einer von Hirsch Wcstheimer BZittwe Henriette (Hindle) geb. Kassel '”>1' zu Darmstadt gegründeten Stiftung kann alle drei Jahre ein von den Urgroßeltern der Stifrerin oder ihres Ehegatten abstammendes Mädchen eine Aussteuer bei seiner Heirath erhalten. Dermalen ist solche zu vergeben. Bewerbungen darum sind bis längstens zwanzigsten März 1892 bei Herrn Rabbiner Dr. Selber zu Darmstadt persönlich oder schriftlich unter Vorlage urkundlicher Nachweise über die zum Bezug berechtigende Verwandtschaft und rechtsverbindlicher Eheverträge einzureichen, widrigenfalls darauf bei Vergebung keine Rücksicht genommen werden kann. Darmstadt, 30. Januar 1892. (625 wird ein Lehrling für eine Lederhandlung, Samstags geschlossen (in einer größeren Stadt) bei 3jähriger Lehrzeit, per Monat M. 20.— Vergütung Offerten unter Nr. 632 an die Exped. dss. Blts._ ur Pflege meiner Frau suche ich zum sofortigen Eintritt ein Mädchen, welches gut kochen kann. Offerten unter J. A. 646 an die Exped. dss. Blts. ür ein j. gebild. Mädchen, (Norddeutsche) suche ich in einem streng jüd. Hause baldigst Stellung als Erzieherin od. Stütze der Hausfrau. Frau L. Zimmer, Fürth in Bayern 630) Theaterstraße 22. in gewandtes, junges Mädchen, für ein Colonialwaaren- und Delicatessengeschäft gesucht. Nur solche, welche Branchekenntnisse besitzen, wollen ihre Offerten mit nur guten Referenzen unter Nr. 639 an die Exped. d. Bl. einsenden. Auskündigung einer Neligionsschulstelle. Die isr. Relig ionsschul-, Vorsängeruud Schächter stelle in Baierthal, Amts Wiesloch, ist auf 1. März l. I. neu zu besetzen. Das Einkommen besteht in 600 M. Gehalt und etwa 400 M. Gefällen. Für einen ledigen Mann ist freie Wohnung vorhanden. Schulkandidaten belieben ihre mit Zeugnißabschriften ^versehenen Meldungen behufs deren Uebermittelung an die Bezirks- Synagoge Heidelberg einzureichen bei dem 626) Synagogenrath in Baierhal. ^dur Beseitigung des Bartes liefert an- «O erkannt bestes Enthaarungsmittel nebst Gebrauchsanweisung per Flayon 50 Pfg. Bei größerer Bestellung billiger. Serger, Würzburg, 658) Hirsch-Apotheke.