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Der Israelit · 1892-02-01 · Heft 9 (1.2.1892) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 9 (1.2.1892)
Date
1892-02-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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166 getragen, anwendbar sei, was der Talmud (Succoh 28a)' von dem großen Tannaiten Elieser erzählt, der einst, nothgedrungen, seinen Schülern etwas über seinen Studicngang offenbarte, daß ihm niemals Jemand zuvorgekommen in's Lehrhans und Keiner länger dorr verweilt als er, daß ihn trotz Nachtwachen nie Schlaf befallen im Lehrhaus und er daselbst kein profanes Wort über die Lippen gebracht, und er die Worte seiner Lehrer sich so fest eingeprägt, daß er nichts überliefere, was er nicht von Jenen vernommen. Auch dieser, jetzt uns entrissene Elieser, habe mit den herrlichen Anlagen, welche Gott ihm verliehen, eine eiserne Willenskraft und unermüdlichen Fleiß verbunden, bist einer Bescheidenheit, die ihn stets darnach streben ließ, seine seltenen Eigenschaften geheim zu halten; und nur so sei es erklärlich, daß er bereits als 21 jähriger, nachdem er das Erziehungsinstitut in Pfungstadt in's Leben gerufen und 3 Jahre lang geleitet, ein bedeutendes Rabbinat übernehmen und segensreich verwalten konnte. Kein Wunder also, daß die Gemeinde Altona vor 20 Jahren keinen Würdigeren gefunden habe, Nachfolger des großen Rabbi Jacob Ettlinger zu werden, als diesen gottbegnadeten (Elieser) Dr. Löb, und dieser Gemeinde habe er seither mit einer Liebe angehangen, seine Kräfte mit einer Hingabe in ihren Dienst gestellt, die es heute wünschenswert erscheinen ließen, daß er sich mehr geschont und etwas mehr auch an sich selbst gedacht bätte. Mit dem Wunsche, daß der Verklärte seiner Familie ein Fürsprecher und sein Geist der Gemeinde ein Führer sein möge, daß bib nimm '“i *npD' myn by w -«bq sie den rechten Mann finden könne für den verwaisten Posten, schloß der Redner seinen Vortrag, der den Hörern ungezählte Thränen entlockte. Hierauf ergriff Oberrabiner M. Hirsch von Hamburg das Wort. Sein Altonaer College sei aus dem Leben geschieden, als die Woche begonnen, in welcher der Abschnitt Wooro in der heil. Schrift verlesen werde. Zu den ersten Worten dieses Abschnittes jedoch härten die Weisen den bekannten Ausspruch uns hinterlassen ynarw» patn by ^an „Wehe um die, welche ich verloren und die nicht mehr gefunden werden." Abraham, Isaak und Jakob standen vor der allgewaltigen Gottesmachr, der Weltenlenkung voller Widersprüche wie vor einem ungelösten Räthsel, und hätten doch keinen Moment gezweifelt an Gottes Gerechtigkeit und Liebe Tino "srw nmn xb\ Auch die Bahre, welche wir umstehen, erpresse uns den verzweifelnden Ausruf: wehe, was haben wir verloren, ohne Ersatz finden zu können! Und wie habe der Heimgegangene Dulder auch darin den Stammvätern geglichen, daß er niemals irre geworden und gezweifelt an Gottes Gerechtigkeit. Geduldig und freudig habe er das Schwere getragen, das die Vorsehung ihm auferlcgt, nie habe man eine Klage aus seinem Munde gehört darüber, daß Gott ihn so hart prüfe; und noch breche ihm (dem Redner) das Herz, wenn er denke, wie der Schwerleidende vor noch nicht langer Zeit bei der Einführung eines Enkels in den Abrahamsbund den Becher in die zitternden Hände genommen und freudig angestimmt habe mu won -pro, „lasset uns danken Seinem Namen im Kreise der Treuen." Ja, der Verklärte sei ein pn» gewesen in des Wortes ganzer Bedeutung, und auf ihn anwendbar der Spruch der Weisen: der Tod der Zaddikim sei ein Verlust, nicht minder schmerzlich als die Zerstörung des Heiligthums auf Zion. Wenn dieser Ausspruch, der sich eigentlich auf das erste Heiligthum beziehe, schon deshalb erklärlich sei, weil das erste Heiligthum einen Ersatz in dem zweiten gefunden, wenn auch keinen vollkommenen, während es für den Verlust solcher D'pnsf keinen Ersatz gebe, so bleibe aber der Ausspruch doch schwierig, weil er im Widerspruche stehe mit dem nicht minder bekannten Satz: Wenn ein pns der Erde entrückt werde, so sei der Schlag noch härter als die Einäscherung des Tempels. Eine Lösung dieses Widerspruchs erblickt der Redner in dem Wechsel des Ausdrucks: der Tod Ünn’ö) d. h. der naturgemäße Abschluß eines solchen Lebens sei gleichbedeutend mit Zions Fall, aber das Entrücken, up^’D) das vorzeitige Abberufen mitten in der Laufbahn, sei noch härter als des Tempels Sturz. Denn wer könnte ermessen, was ein solcher p'iL mit seiner Kraft nicht noch Alles hätte erreichen können! Das führte den Redner zu der bekannten Midrasch-Stelle von dem König, welcher von den Arbeitern in seinem Schloßgarten Einen nach nur 2stündiger Arbeit zu sich entbieten läßt und mit ihm sich unterhält und lustwandelt, und am Abend ihm doch denselben Lohn verabreicht wie den übrigen, weil er in den zwei Stunden mit so viel Verständniß und solcher Unverdroffenheit gearbeitet hatte, daß seine Leistung die aller andern weit überragte. Auch der Verklärte sei ein solcher frühvollendeter Arbeiter gewesen, der in zwei Stunden das Tagewerk Anderer vollbrachte und nun ist mb “it nn der Traute au§ den Himmelshöhen gekommen ihn zu sich zu rufen. Bei dem Verstorbenen habe sich Alles in dem engen Zeitraum zweier Stunden abgespielt: die Arbeit, die Leistungen, die Freuden in seiner Familie und die Schmerzen in seinem Leiden, die hingereicht hätten ein Leben von 70—80 Jahren damit von Zeit zu Zeit heimzusuchen. Mit paffenden Trostesworten schloß auch dieser Redner. Inzwischen war die zur Aufnahme der Leiche angesetzte Zeit längst erreicht, die unglückliche Wittwe

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