Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 9 (1.2.1892)
- Date
- 1892-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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160 niß geltend machen können, ihr bloßes Rccitiren sei an und für sich ein gottgefälliges Welk, deßhalb leitet gerade sie der Schulchan-Aiuch mit der Mahnung ein: .nana «Vn ma*ino navas cnunn dj/ö wu _tFortsetznng folgt.)_ Zeitungsnachrichten »rnd Correspvndenzen. Deutschland. R. Frankfurt a. M., 26. Jan. Die dem ehrenden Gedächtniß des großen unvergeßlichen Vorkämpfers für Judenthnm und Glaubenstreue, Samson Raphael Hirsch W gewidmeten Aufsätze in der vorjüngsten Nummer dieser Blätter, haben sicherlich in weitesten Kreisen Ihrer Leser ein mächtiges Interesse wachgerufen und die Erinnerung an die Wirksamkeit dieser bedeutenden Geistesgröße — wenn es überhaupt einer solchen bedürfe — von Neuem geweckt. Wir möchten bei dieser Gelegenheit die Anregung geben dasjenige Werk, welchem Hirsch seine letzten Kräfte und sein letztes Wirken weihte, und das zu vollenden ihm nicht mehr vergönnt war, wieder in Angriff zu nehmen und im Geiste der übrigen Werke des großen Mannes zu vollenden. Wir meinen die Uebersetzung und Erklärung der Tefilloh, die Hirsch bei seinen Lebzeiten schon begonnen, doch nicht zu Ende führen konnte. Ein solches Werk würde, wie kein Anderes, einem längst gefühlten Bedürfniß entsprechen und in weitesten Kreisen mit hoher Befriedigung ausgenommen werden. Ist ja die Tefilloh die stete, unzertrennliche Begleiterin des Inden, eine Freundin und Gefährtin in ernsten und trüben Stunden des Lebens, und selbst dem ungebildeten, unwissenden Inden das werthvolle Band, das ihn mit seinem Glauben und seinem Gotte verbindet. Sein im populären Sinne geschriebener Comrncntar zu den täglichen Gebeten würde daher von unberechenbarem Werthe und Segen sein. Vielleicht entschließt sich der Nachfolger Samson Raphael H i r s ch ' s Vs? Herr Rabbiner Dr. Breuer ’"a, der in den Geist der Hirsch'schen Exegese mit großem Erfolge einqedrungen ist, und derben segenvollen Spuren seines großen Vorgängers zu folgen mit hingebungsvollem Streben bemüht ist, das von Hirsch begonnene Werk — die Tefilloh — zu Ende zu führen. Sicherlich wäre ihm der Dank all' der zahlreichen Verehrer der Hirsch'schen Werke sicher. Wir gestatten uns auch bei dieser Gelegenheit die Aufmerksamkeit auf den Neudruck von Rabbiner Hirsch's Pentateuch zu lenken. Schon vor Jahren ging durch die Blätter die Mittheilung, daß das Erscheinen einer billigen Volksausgabe gesichert sei und noch heute wartet man auf dieselbe. Es müßte doch zu ermöglichen sein, Druck und Correkturen längstens innerhalb eines halben Jahres zu besorgen, und dürfte diese Bemerkung vielleicht die Veranlassung werden, daß an maßgebender Stelle für Wiederaufnahme der Arbeit gesorgt wird. E. Lübeck, 24. Jan. Die hiesige H a s ch k o m o h- Chewroh hat es sich zur Aufgabe gestellt, neben der Vereinigung ihrer Mitglieder zum Gottesdienste unter diesen auch das Verftändniß für die große Vergangenheit unseres Volkes zu wecken und die Kenntniß unserer heiligen Religion innerhalb der hiesigen Gemeinde zu mehren. Bereits im vorigen Jahre hatte unser allverehrtcr Rabbiner Dr. Ea rl eb a ch in einer Reihe von Vorträgen die für uns hochinteressante Geschichte der hiesigen Gemeinde und ihrer Vorgängerin in Moisling auf Grund des reichen, in den Gemeindebüchern vorhandenen Materials auf das gründlichste geschildert und Herr Lehrer G o l d s ch m i d t aus dem Gebiete des Erziehungswesens uns Belehrung gegeben. Den ersten der diesjährigen Vorträge hielt am vergangenen Mittwoch der Dozent am Berliner Rabbinerseminar, der durch seine Verdienste um die jüdische Geschichts- und Literaturforschung gefeierte Gelehrte, Herr Dr. A. Berliner, Unsere Erwartungen über den Erfolg des Abends wurden weit übertroffen, da Herr Dr. Berliner es anf's trefflichste versteht, mit tiefster Gelehrsamkeit das auch ein größeres Laienpublikum Jnteressirende zu verbinden, seine Ausführungen mit dem Hauche der Begeisterung zu erfüllen und so den Zuhörer durch die Erkenntnis; der Vergangenheit mit Kraft und Ausdauer für die Stürme der Gegenwart zu wappnen. Das gewählte Thema „Jüdische Stimmen ans dem alten Rom" war mehr wie irgend ein anderes geeignet, die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu fesseln. Ist doch die jüdische Gemeinde Roms die älteste des Abendlandes, spiegelt sich ja in ihrer Geschichte die der Gesamuttjudknheit wieder l Mit bewunderungswürdigem Geschick entrollte der Redner an der Hand der Grabschriften in den jüdischen Katakomben Roms das äußere und innere Leben der Gemeinde und ließ durch eigene Forschungen manch helles Streiflicht auch noch auf unerforschte Gebiete fallen. Möge cs dem Redner noch lange vergönnt sein, auf dem Gebiete der jüdischen Geschichtsforschung gleich hervorragendes zu leisten, und mag er versichert sein, daß seine Ausführungen hier einen l leibenden Eindruck hervorgcrufcn haben. Ein gemüthliches Beisammensein, das sich zu Ehren des Gastes dem Vortrage anschloß, ließen uns auch in dem Gelehrten einen nicht minder angenehmen und liebenswürdigen Gesellschafter erkennen. Den nächsten Vortrag hält Herr Dr. Stern ans Kiel über Bilder und Eiudrücke aus Italien.