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Der Israelit · 1892-01-28 · Heft 8 (28.1.1892) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 8 (28.1.1892)
Date
1892-01-28
Page
– (sequence 20)
Language
German
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152 mit großem Erfolg gewiiki. Was aber ganz besonders hier hervorgehoben werden soll, ist die sympathische Stellung, welche der Kölner Erzbischof dem menschenfreundlichen Unternehmen gegenüber einnimmt. Herr Rabbiner Dr. Frank besuchte dieser Tage den Oberhirten der Kölner Diöcese, um denselben gleichfalls um seine Unterschrift für den demnächst zu erlassenden Aufruf zu bitten. Aus Gründen, die hier unerörtert bleiben müssen, die aber ihre volle Berechtigung haben, konnte derselbe seine Unterschrift nicht geben, richtete aber am anderen Tage folgenden Brief an den Rabbiner: Köln, den 10. Januar 1892. Indem ich Ew. Ehrwürden den Aufruf des Berliner Eentral-Eomites zur Unterstützung der in Rußland gegenwärtig hart bedrückten Juden ergebenst zurücksende, nehme ich um so herzlicheren Antheil an dem traurigen Loose Ihrer dortigen verfolgten Stammcsgcnossen, als wir Katholiken die unablässige grausame Bedrückung unserer polnischen und rutheuischeu Glaubensgenossen dortselbst aus das Schmerzhafteste empfinden. Ich kann den edlen Bestrebungen der Eomites, welche den aus ihrer Heimath indirekt Vertriebenen ein anderweitiges Unterkommen zu beschaffen sich bemühen, nur den besten Erfolg wünschen. In hochachtungsvoller Ergebenheit Dr. PH. Kramen tz, Erzbischof von Köln. An den Rabbiner der jüdischen Gemeinde Herrn Dr. Frank Ehrwürden Hier. Sicherlich wird jeder Glaubensgenosse über diese menschenfreundliche Theilnahme eines so hochgestellten katholischen Kirchenfürsten aufrichtig erfreut sein. Hinzugefügt sei noch, daß derselbe auch einen materiellen Beitrag zu der guten Sache dem Rabbiner in Aussicht gestellt hat. Ulm, 13. Januar. Aus dem Bouquet der Strafanträge, die hier die antisemitische Verhetzung bereits gezeitigt hat, ist wiederum eine Blume — und zwar eine recht eigenartige — herausgefallen. In der „Ulmer Schnellpost" erschien Anfangs September ein „Eingesandt" von einem Landwehrmann, in dem die übliche Verdächtigung der Feigheit gegen jüdische Armee-Angehörige erhoben und gesagt ward, der Einsender würde seine Haut nicht gern einem hebräischen Offizier anvertrauen, trotzdem er keiner von denen sei, die Angst haben „wie ein Jude." Als Antwort hierauf erschien in der „Ulmer Zeitung" ein „Eingesandt" von einem jüdischen Reserve-Unteroffizier, in dem behauptet ward, die „Schnellpost" fordere zur Insubordination gegen jüdische militärische Vorgesetzte auf und schädige die Disziplin im Heere. Da angenommen ward, daß der Verleger Eugen Rübling der Inspirator der bekanntlich von den hiesigen städtischen Behörden scharf verurteilten Jndenhetze sei, so wurde die Haltung der „Schnellpost" in offenkundigem Gegensatz zu der Haltung Rüblings als Landwehr-Offizier gebracht. Daraufhin stellte das hiesige Landwehr- Bezirks-Kommando Klage gegen den Verfasser des Eingesandt in der „Ulm. Ztg.R. A. Moos, und gegen den verantwortlichen Redaktenr, C. G. R. O e s e r. Die Verhandlung verzögerte sich, da — wie es hieß — der Fall anläßlich des Thronwechsels mit zur Begnadigung eiugercicht, eine solche aber abgelehnt wurde. Das Landgericht hat nun nach einer Mitteilung des verfolgten Blattes die Einleitung eines Hauptverfahrens abgelehnt, da in der Rübling'schen Zeitung unzweifelhaft der charakterisirte Angriff enthalten war und die Angeschuldigten in Wahrnehmung berechtigter Interessen (nämlich zum Zwecke der Wahrung der Stellung der jüdischen Offiziere und Unteroffiziere in der deutschen Armee) gehandelt haben, auch eine beleidigende Absicht weder aus der Form ihres Artikels, noch aus den Umständen, unter denen er geschrieben ist, hervorgehe. Die „Ulmer Ztg." weist in nicht unberechtigter Weise auf das Auffällige hin, daß das Kgl. Landwehr-Bezirks-Commando Ulm Strafantrag gegen ihr „Eingesandt" stellte, sich aber nicht gegen das darin kritisirte Verhalten des Rittmeisters der Landwehr-Kavallerie Rübling wandte. Nachdem nun gerichtsseitig festgestellt ward, daß diese Kritik eine unberechtigte nicht gewesen, darf man neugierig sein, wie sich das Commando gegen einen ihm unterstellten Offizier verhalten wird, der in seinem Blatte „die Disziplin im deutschen Herr gefährden und zur Insubordination gegen (jüdische) militärische Vorgesetzte auffordern" ließ. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 16. Januar. Das Wiener Militärvcteranenkorps hat den Plan gefaßt, die Gründung eines Veteranenverbands für ganz Oesterreich anzustreben, dessen Hauptzwecke die militärische Organisation der einzelnen Körperschaften und die erhöhte Tauglichkeit zum Landsturmdienste sind. Die Vertreter der Veteranenvereine legten in einer Audienz dem Kaiser den Entwurf eines Organisationsstatus vor, der letzteren mit vollstem Interesse entgegennahm. Während nunmehr die vorbereitenden Arbeiten zur Gründung dieses Reichsverbandes zu Ende geführt werden, beginnt von gewissen Seiten eine antisemitische Agitation gegen denselben, welche den Kommandanten des Wiener Militärveteranenkorps, Adolf F e r l e s, veranlaßt, einen Aufruf an sämmtliche Veteranenvereine Wiens zu erlassen, in welchem es u. A. heißt: „Die Zwecke des Veteranenwesens sind die Pflege der Vaterlandsliebe, der Kameradschaft und der Humanität, und derjenige, der des Unterschiedes in der Nationalität oder Konfession halber die Zwietracht unter seinen Mitbürgern

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