Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1892)
- Date
- 1892-01-28
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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153 nährt, liebt sein Vaterland nicht, weil er das Ansehen und die Macht desselben schwächt." England. London. Zur Aufbesserung der socialen und intellektuellen Lage der in London befindlichen rusfischen Inden eben so wohl als zur Anglisirung derselben hat Herr Dr. D. Borkowitz, ein hervorragender russischer, jetzt in England domicilirender Chemiker, (Mansell Street 22, Aldgate), auf eigene Kosten eine freie Bibliothek für russische Juden errichtet. Dieselben erhalten auch unentgeltlichen Unterricht in der englischen Sprache und wird ihnen jede mögliche Gelegenheit geboten, sich mit der englischen Denkweise vertraut zu machen, so daß sie nach Absolvirung der Klassen sich leicht mit ihren englischen Nachbarn werden asstmiliren können. Das Institut wird täglich von 10 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends und am Sonntag von 6 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends geöffnet sein. Die Eröffnung hat am 10. Januar stattgefunden. A r a b i e n. Hemen. Aus Sana, der Hauptstadt Jemens in Südarabien, welche Stadt bekanntlich im Herbste von arabischen Insurgenten belagert wurde, ist uns jetzt ein brieflicher Bericht über diese Belagerung zngegangen. Dieselbe hat nicht weniger als drei Monate, vom 14. Juli bis zum 10. Oktober, gedauert und es hatten sich an derselben etwa 40,000 Insurgenten, darunter auch einige Nomadenftämme ans der arabischen Wüste, brtheiligt. An der Spitze der Rebellen stand der fanatische Mollah Salah Eddin aus der Stadt Saadah, der unter Anderem in einer Proclamation die Juden Uemens anfforderte, unverzüglich zum Islam überzutreten. Die Lage der Stadt war eine furchtbare; denn während die Insurgenten sie ununterbrochen aus ihren vortrefflichen Geschützen beschlossen, herrschte in ihrem Innern eine starke Hungersnot!). — Wagten Einwohner, die Stadt zu verlassen, so wurden ihnen von den Rebellen die Ohren oder die Nase abgeschnitten, worauf man sie splitternackt in die Stadt zurückjagte. Trotzdem auch sie mit Hunger zu kämpfen hatte, hielt die türkische Besatzung treue Wacht auf den Stadtmauern. Endlich traf Samstag den 10. Oktober das von Achmed Feizi Pascha befehligte türkische Entsatzheer von Sana ein, das die Rebellen schlug und zum Rückzüge zwang. Das türkische Heer hielt noch am Abend seinen Triumpheinzug in Sana. vermischtes. Berlin, 2. Januar. Gestern beging die Firma Rudolf Mosse die Feier ihres fünfundzwanzigjährigen Bestehens, aus welchem Anlasse die Chefs eine Stiftung von 100000 Mk. für ihre Angestellten begründeten. Der Bürgermeister von Grätz, der Vaterstadt des Herrn Rudolf Mosse, überreichte dem Jubilar das Ehrenbürger-Diplom der Stadt Grätz. Berlin, 4. Januar. Der vorigen Sonnabend auf dem Mathäi-Kirchhofe beerdigte Professor der Mathematik an der hiesigen Universität Dr. Kronecker, hat bis zu seinem Tode Abgaben für die jüdische Gemeinde bezahlt, hat somit bis zu seinem Tode den Schein zu erhalten gesucht, daß er noch Jude ist. Ratibor. Die diamantene Hochzeit feiert am 2. Februar des Gedalje'sche Ehepaar. Der Jubilar zählt 90, die Jubilarin 93 Jahre. Oppeln. Unser Rabbiner, Herr Dr. Wiener, begeht in erfreulicher Frische und Rüstigkeit am 1. Februar seinen 30. Geburtstag. Aus diesem Anlaß findet, von den Gemeiudcinitgliedern veranlaßt, eine größere Festlichkeit statt. Gleiwitz. Das Stiftungsfest des jüdischen Beerdigungsvereins, welches diesmal auf den 11. Februar fallt und wie immer in Schäfers Hotel gefeiert wird, soll in diesem Jahre ein ganz besonders festliches Gepräge haben, indem mit dem Stiftungsfeste auch noch eine andere Jubelfeier begangen wird. In dieser Zeit find es nämlich 25 Jahre her, daß Kaufmann Plodsker Vorsitzender des Vereins ist. Dem Vernehmen nach werden auch die Nachbarvereine zu dem Stiftung?- und Jubelfeste mit Einladungen bedacht werden. Neustadt a. d. Haardt. Der größte Theil der hiesigen Lehrer hat ihrem in deu Ruhestand tretenden Coüegen, dem isr. Lehrer S. Stern eine würdige und beide Theile ehrende A b s ch i e d s f e i e r bereitet. Angeregt von dem lehrerfreundlichen Lokalschulinspektor Tr. Latz, überreichte das Lehrercollegkum dem Scheidenden ein kunstvoll hergesteUtes Bild «sämmtliche Photographien der Geber unter einem prachtvollen Rahmen.) Die Abschiedsfeier gestaltete sich zu einem Lehrer-Familienfeste, an dem mit schriftlichen Glückwünschen auch die Spitzen der Behörden theilnahmen. Warme, herzliche Ansprachen, pasieude Gesänge und Toaste gaben dem kleinen Feste das Gepräge einer erhebenden Feier und werden dem Gefeierten als würdiger Schlußakt seiner 50jährigen Dienstzeit wohlthuend hinüberleuchten in das Heim seiner Ruhe. Im Jahre 1333 sind zur orthodorcn Kirche in Rußland im Ganzen 15,003 Personen übcrgctreten. Von diesen Uebergctrctenen waren Lutheraner 1000, römisch-katholisch 931, Juden 791, Muhamcdaner 3113. Madame Bliden in Safed (Palästina), Gemahlin dev Herrn Dr. B l i d c n, befindet sich aus einer Reise nach Amerika, um Beiträge für die Errichtung eines jüdischen Waisenhauses in Safed zu sammeln. Dieselbe hat auch die Saseder jüdische Knabenschule und das Krankenhaus (mit Unterstützung der Baronesse Edmund von Rothschild) und die jüdische Mädchenschule gegründet. Druckfehler-Berichtigung. In Rr. 5 Corresp. Nottingham soll es anstatt Abraham Bing — Abraham Levh heißen.