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Der Israelit · 1892-01-28 · Heft 8 (28.1.1892) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 8 (28.1.1892)
Date
1892-01-28
Page
– (sequence 19)
Language
German
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151 Spital und Arzt rc., die gewonnenen Bodenproducte sollen von Agenten der Gesellschaft aufgekauft und direct an ihren Markt gebracht werden, so daß also auch der Zwischenhandel auf ein Minimum rednzirt wird. Sollte, wie das nach den früher gemachten Auseinandersetzungen wahrscheinlich ist, sich eine große Rentabilität des Unternehmens erzielen lassen, so wird der Ucberschnß dem Fonds zngewendet und auch alle Zinsen dienen demselben Zwecke. Bei diesem Schema ist soviel klar, daß dessen practische Durchführbarkeit zunächst von der Qnalification der Ginwanderer abhängt, und wollte man mit dem besten, sorgfältig ausgewählten Materiale beginnen, das dann später der Lehrmeister für die anderen Eolonisten bilden kann. Die anfänglich unvermeidlichen Fehler werden sich durch die gemachten Erfahrungen bei jedem neuen Zuzuge vermindern. Die Auswanderer, welche in Rußland fortwährend unter dem Schwerte des Damokles zu leben hatten, finden in diesen' freien Lande zum erstcnmale ein relatis gastliches Heim, und wenn auch die Beschwerden der Uebcrfahrt, die Angewöhnung an ein neues, aber nicht allzustrenges Glima und die Schwierigkeiten der anfänglichen Arbeiten und Lasten hart sind, sie müssen sic ertragen und wissen wenigstens, daß von ihrer Thatkrast allein es abhängt, freie und unabhängige Grundbesitzer zu werden und werden schon, weil sie keinen anderen Ausweg haben, arbeiten und sich an Arbeit gewöhnen. Wenn der Zweck dieser großartigen Unternehmung nur halbwegs erreicht wird, wenn nur ein Theil der in Rußland nvthleidenden Elemente in ihrer neuen Heimath prosperirt, so wird von selbst eine große Masse ihrer Glaubensbrüder aus dem Zarenreich ihnen nachströmen, auch wenn man in der Zwischenzeit in Rußland mildere Saiten ausziehen sollte. Herr Baron von Hirsch aber hat sich durch seine großartige philantropische Unternehmung einen Platz unter den ersten Wohlthätern der Menschheit erworben und kann sich mit Fug und Recht sagen: „E x e gi monuinentmn aere p erenn ins.“ Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 18. Januar. Einen braven und wackern Manu haben wir heute ans dem Friedhofe der Gemeinde Adaß-Jisroöl zur letzten Ruhe bestattet. Herr Meschulam Goldschmidt schied in den besten Jahren nach einer längeren Krankheit aus dem irdischen Leben, um in einem bessern Dasein die Früchte eines gottesfürchtigen Wandels zu genießen. Der Verblichene war Schüler des ehrwürdigen Rabbiners Dr. Hildesheimer n, dessen Jeschiba er s. Z. in Eiscnstadt frcqnentirte. Nach seiner Verhcirathung ließ sich der nunmehr Verewigte in Glogau nieder, doch konnte er daselbst nicht seinen streng religiösen Grundsätzen gemäß leben, was ihn zu einer Uebersiedclung nach Berlin veranlaßte. Hier lebte er in strengster Treue an seinen Principien fcsthaltend, bis der allmächtige Wille seinem Wirken ein Ziel setzte. An der Bahre gab der Rabbiner der Gemeinde dem tiefen Schmerze der zahlreichen Trauei Versammlung beredten Ausdruck D. Brandenburg a. H. Jüngst ereignete sich hier ein Vorfall, der für weitere Kreise Interesse haben dürste. Unser Cantor, Herr Ziegelroth, hatte auf dem hiesigen Schlachthof einen Ochsen geschlachtet und denselben für koscher erklärt. Doch kaum hatte er dem Fleisch die Siegel angeheftet, als der Schlachthausinspektor die polizeilich vorgeschriebene Untersuchung vornahm und das Fleisch als für die Gesundheit schädlich verwarf. Der Fall erregte in den betheiligten Kreisen um so größeres Aussehen, als man bisher angenommen hatte, daß das für koscher erklärte Fleisch vollständig gesund sei. Herr Cantor Ziegelroth hatte das Bewußtsein, sich streng an die religionsgesetzlichen Vorschriften gehalten zu haben und unterbreitete deßhalb die Sache unserem Rabbiner Herrn Dr. Rosenberg. Auf Grund des mitgetheilten Thatbeftandes erklärte sich dieser ganz mit seinem Urtheil einverstanden und behauptete, daß jenes Fleisch unmöglich der Gesundheit schädlich sein könne und daß somit der Bescheid des Schlachthausinspektors ein unrichtiger sein müsse. Der Vorstand sah sich daher veranlaßt, dem betreffenden Fleischer den Rath zu ertheilen, sich mit dem Erkenntniß des Schlachthausinspektors nicht zu begnügen und eine abermalige Untersuchung durch den Kreisthlerarzt von der Polizeibehörde zu verlangen. Es wurde diesem Verlangen auch insofern stattgegeben, als ein hiesiger Oberroßarzt mit der nochmaligen Untersuchung betraut wurde. Nach dessen eingehender Prüfung stellte sich denn heraus, daß das Fleisch völlig unschädlich und ganz gesund sei, und wurde jetzt dem Fleischer der uneingeschränkte Verkauf desselben gestattet. Es ist dieses Vorkommniß um so beachtenswerther, da gewöhnlich der jüd. Schächter etwas für „trcfe" erklären muß. was vom Fleischbeschauer als gesund befunden wird, hier aber ein umgekehrter Fall vorliegt. Köln, 12. Januar. Im Anschluß an das Berliner „Central Comitö für die russischen Juden", das unlängst einen interconfessionellen Ausruf erlassen hat, hat auch das hiesige Provinzial-Comitö sich bemüht, ein interconfessionelles Comitö zustande zu bringen. Es hat in der That die hervorragendsten Staats- und bürgerlichen Beamten und Männer ausgezeichneter socialer und gesellschaftlicher Stellung hiesiger Stadt für die gute Sache zu gewinnen verstanden. Ebenso haben die Local-Comites in Düsseldorf, Crcfeld u. A., die sich dem hiesigen Pro- Vinzial-Comittz angeschlossen hatten, in gleichem Sinne

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