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Der Israelit · 1892-01-28 · Heft 8 (28.1.1892) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 8 (28.1.1892)
Date
1892-01-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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142 Rabbi Elieser ben Samuel Halevi (gest. 1357 in Mainz) richtet in seinem Testament an seine Kinder die Bitte, „in dem Verkehr mit den Menschen, Juden und Nichtjuden, rechtschasfen und gewissenhaft, freundlich und gefällig zu sein." Der Verfasser des kleinen „Buches der Frommen" (um 1473) schreibt wörtlich in seiner herrlichen Sittenschrift: „Hat dir ein Nichtjude etwas aus Treu und Glauben geliehen und er hat es vergessen, hat er dir etwas verkauft, und er hat vergessen, daß du ihn noch nicht bezahlt hast, so erinnere ihn und bezahle ihn. Hast du ein Pfand von ihm in Händen, so rechne ihm nicht mehr Wochen an, als verlaufen sind, um den Zinsenbetrag zu erhöhen, und übe gegen' ihn keinerlei Betrug und Lug, denn das ist eine schwerere Sünde, als S ch w ei n efleisch essen. Das ist nur einmal verboten, jenes an vielen Stellen, zu geschweige, daß man einem N i ch t judeu nicht das Geringste rauben noch stehlen darf. Hat dir ein Nichtjude eine Gnade oder eine Gefälligkeit erwiesen, so beeile dich, es ihm zu vergelten. Thust du es nicht, so vergilt es ihm Gott in dieser oder jener Welt und zieht dir an deinem Lohne ab, was du dem Nichtjuden an Entgelt vorenthalten." Das sind so einige jüdische Sittenlehreu über Christen. Die Verfasser waren streng orthodoxe Rabbinen, ihre Werke sind hebräisch geschrieben. ihre Lehren nur für ein jüdisches Publikum berechnet, ja, fast nur für die Kinder in Testamenten, in letzten Willensakten niedergeschrieben, geschrieben im finstersten Mittelalter, geschrieben in einer Zeit, da der schwarze Tod wüthete, da die Anklagen auf Brunnenbergiftung sich erhoben, da Ströme jüdischen Blutes flössen. Aber der sterbende Rabbi, dem vielleicht sein Weib geschändet, dem Kinder gemordet sind, zuckt nicht mit der Wimper und schreibt an den überlebenden Sohn, auch die C h r i st e n zu achten und zu ehren. Sollen wir noch hervorheben, daß der Schulchan Aruch dieselbe Toleranz durchweg gegen die Bekenner des christlichen Glaubens zum Ausdruck bringt? Sollen wir die Urtheile späterer orthodoxer Rabbiner aus ihren hebräischen Werken citiren? Sollen wir wiederholen, was R. Mose Könitz, Rabbiner zu Altofen, in seinem Werke Sepher Ha-Ojen (Wien 1796) schreibt: „Die Völker, unter denen wir jetzt leben, sind vollkommen den Israeliten gleichzuachten, so daß alle die Gebote „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!", Du sollst nicht rauben — nicht morden" — „Lege Steinern Bruder feine WucherZinsen auf" und andere ebenso ihnen, wie unseren Glaubensgenossen gegenüber zu beobachten sind." Sollen wir wiederholen, was Rabbi Elia Pinchas den Me'ir in seinem Werke Sepher Habrit schreibt: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" — darunter ist nicht bloß der Israelit verstanden, denn es heißt doch nicht: „Liebe Deinen Bruder wie Dich selbst" . . . vielmehr ist Jeder Dein „N ä ch st e r", der e i n M e n s ch i st w i e Du und in der Welt nützlich ist wie Du." Sollen wir wiederholen, was Rabbi Israel L ipschütz in Danzig in seinem berühmten Mischnacommentar Tipheres Jisroel zu Baba Kama IV, 3 schreibt: „Selbst bei einem Heiden ist uns verboten zu stehlen, ihn zu täuschen, die von ihm verlorenen oder aus Jrrthum empfangenen Sachen zu behalten. Wenn das schon bei den Heiden der Fall war ... um wieviel mehr Pflichttreue haben wir gegen diese unsere Brüder-Völker, die den einzigen Gott erkennen, dessen Thora als „heilige Schrift" verehren, die sieben (noachidtschen) Gebote getreulich erfüllen, uns nicht einmal ein Haar krümmen lassen, ja sogar unfern Armen Wohlthaten erweisen und sie durch milde Spenden ernähren. Dürfen wir, Gott behüte, diese Wohl« thaten verkennen, ohne mit Joseph zu sprechen: „Wie kann ich ein solch' großes Uebel thun und wider Gott sündigen?" Diese Aeußerungen anerkannter rabbinischer Autoritäten ließen sich bekanntlich um das Zehnfache vermehren, und Angesichts solcher Aeußerungen erfrecht sich die Hetzgesellschaft zu behaupten, die jüdischen Religionsqnellen gestatten, den Christen zu belügen und zu betrügen. Mögen jene Dunkelmänner weiter Ränke schmieden, uns soll es genügen, die Werkstätte ihrer Verleumdungen mit der Fackcl der Wahrheit zu beleuchten. Wir wollen unbeirrt weiter wie bisher in Frieden mit unseren christlichen Mitbürgern das Gute erstreben, wir wollen nach den Geboten wahrer jüdischer und christlicher Nächstenliebe uns gegenseitig achten und ehren, wir wollen uns auch fürderhin merken das liebeerfüllte Wort, mit welchem R. B e ch a i ben Ascher, ein Weiser aus dem l3. Jahrhundert, das biblische Gebot: „Gerechtigkeit, Gerechtigkeit e rst r e b e!" commentirt, nämlich das Wort: „Gerechtigkeit erstrebe gegen Juoen, Gerechtigkeit er st rede gegen C h r i st e n!" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 24. Januar. (A n t i s e m i t e n u n t e r si ch!) Das „Antisemitische Volksblatt" des Reichstags-Abgeordneten Werner schreibt: „Ein Antisemitismus, in dem die Engherzigkeit, Großmäuligkeit und Beschränktheit Trumpf sind, kann zum Teufel gehen. Ehe gewisse Elemente in der antisemitischen Bewegung nicht lernen den Mund halten, einfach Ordre zu pariren und sich in die sub-

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