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Der Israelit · 1892-01-28 · Heft 8 (28.1.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 8 (28.1.1892)
Date
1892-01-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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136 keinen härteren Schlag für dieses Volk geben, als der Zusammensturz dieses Gottesheiligthums. Dieser Zusammensturz hat dann vor aller Welt bekundet, daß Israel nicht die Aufgabe erfüllt hat, für die es lediglich ins Dasein gerufen wurde, daß in Folge dieser Versündigung Israels an seinem Lebensberuf, die Schechina keine Stätte im Kreise der Menschen mehr hat, daß sie sich zürnend zurückgezogen und das von Gottes schützender Nähe verlassene heilige Land dem Schwerte der Eroberer, das einst von ihr erfüllte Heiligthum der Verwüstung und Israel selber der Verachtung seiner Feinde überantwortet hat. Wo diese Verachtung sich äußert, wo man Juden schmäht, wo man Juden höhnt, wo man sie verfolgt und wo man sie beleidigt, indem man sie duldet, statt sie als Menschen zu achten, alles Leid und alles Weh fließt aus den Trümmern des zerstörten Gottesheiligthums. So hatte es in seiner Schetdestunde der große erste Führer seinem Volke bereits Jahrhunderte vorher verkündet: \jinxd ’znp 'n |*n d by >6n Ninn ora idni .n^Nn minn „An jenem Tage, an welchem Gottes Zürnen in dem Feuerschein des von Barbarenhand angelegten Tempelbrandes aufloderte, werde ich sie verlassen und mein Antlitz vor ihnen verbergen, es wird zum Fraß dienen und viele Leiden werden es tressen, es selber wird aber an jenem Tage sagen, nur weil Gott nicht mehr in meiner Mitte ist, treffen mich diese Leiden." (V. B. M., 31, 17.) Diese verhängnißvolle, göttliche Verkündigung constatirt, daß die schweren Leiden, welche die Judenfeinde aller Zeiten über Gottes Volk verhängen, in Wükltchkeit nicht Racenhaß und nicht religiösen Fanatismus zum Ursprung haben, sondern bjnb rrm, das Streben, sich durch Aussaugung und Plünderung der Juden zu bereichern. Die gebogenen Nasen, die dunklen Augen und Haare und die absonderlichen religiösen Gesetze sind nur fadenscheiniger Vorwand, sind nur das, was für die Schlange der Geifer ist, mit dem sie ihre Opfer zuerst überzieht, um das Verschlucken glatter bewerkstelligen zu können. Gott läßt dieses schreiende Unrecht zu, um Israel durch diese Leiden das Bewußtsein zu bringen und dauernd zu erhalten, nur weil Gott nicht in seiner Mitte ist, trifft es alles dieses Leid. Wenn aber Gott wieder der Mittelpunkt seines Lebens und Strebens ist, wird keine irdische Macht mehr Gewalt über Gottes Volk haben. Deßhalb trauern die geächteten Zerstreuten über den Zusammensturz des Gottesheiligthums, deßhalb härmen sie sich nach der ihnen verheißenen Wiedererstehung Zions und dem Aufbau Jeruscholajims, nach der liebenden Nähe Gottes und Seiner Thora, damit sie nunmehr ungetrübt und unverlierbar für alle Zeit in ihren Reihen bleibe. Deßhalb erhoffen sie von keiner Zeit und keiner Menfchengunft. sondern nur von ihrem himmlischen Vater allein Trost für das namenlose Weh, das in ihrem Busen wühlt, deßhalb mahnt der Schulchan-Aruch: p-nri by jnit tpd nitc? d*dv nt bib ’wn .«npon no (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Lr. Mainz, 25. Jan. In dem nahen Nieder- Olm tagte verflossenen Samstag eine Antisemiten- Versammlung, in welcher Dr. Böcke! vor ca. 1000 Bauern eine l'/zstündige Rede hielt. Die Tagesblätter bringen Referate über diese Versammlung und der „Mainzer Anz." schließt sein Referat mit den Worten: „Unter solchen Umständen wird man bald andere Dinge erleben, wenn diesem Treiben kein Einhalt gethan wird." Wir schließen uns diesen Befürchtungen an und machen besonders auf die Taktik der Antisemiten aufmerksam, ihre Versammlungen am Sabbat abzuhalten, da sie alsdann sicher sein dürfen, die gemeinsten Lügen unwidersprochen den Bauern aufbinden zu können. Unserer Ansicht nach wäre es Sache der Regierung einem notorischen Hetzer und Aufwiegler, der durch Verbreitung nichtswürdiger Lügen den öffentlichen allgemeinen Frieden zu gefährden droht und zur Verfolgung friedlicher Menschen auffordert, das Betreten des Landes zu verbieten oder ihn im Betretungsfalle unschädlich zu machen. Oder sollte das Reichstagsmandat ein Privileg sein, um ungehindert Zwietracht und Aufruhr säen zu dürfen? Wir wollen uns nicht weiter über die Sache verbreiten, doch wünschen wir, unsere Staatsanwälte möchten die jedenfalls schon abgeschwächten Referate einer genauen Durchsicht würdigen (Neuester Anz. und Anzeiger Nr. 21) um ermessen zu können, was und wie Dr. Böckel gesprochen. Vielleicht würde dieses Ermessen Veranlassung geben, dem gemeingefährlichen Treiben dieses Agitators Einhalt zu thun, ehe es zu spät wird. D’tiöty ’rwjn DnN D’lDNIPn *03. R. Worms. Sie haben im Laufe des vergangenen Sommers berichtet, daß Rabb. Dr. Mayer- Zweibrücken bet seinem Schwiegervater dahier, Hrn. Moses Mannheimer ein Chumesch gefunden habe, das aus dem Wormser Stadtbrande im 16. Jahrhundert noch gerettet und bei Daniel Bömberg in Venedig gedruckt wurde. Außerdem berichtete er

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