Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1892)
- Date
- 1892-01-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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134 Verfalle nahe Gemeindeschule zu ungeahnter Blüthe emporhob, wie er durch zündende Reden und Vorträge Kenntniß der Thora in alle Kreise trug, wie er durch seine scharfsinnigen Deraschoth die dortigen berühmten Lamdonim zur Bewunderung hinriß, wie sein leutseliges Wesen selbst dem Judcnthum Fernstehende zu gewinnen wußte, und noch viele, unzählig viele, glänzende Seiten seiner Wirksamkeit, all das zu schildern, ist unsere Feder zu schwach. Wir glauben ihn nicht besser rühmen zu können, als mit den kurzen bedeutungsvollen Worten: Dr. Löb war ein würdiger Nachfolger Rabbi Jacob Ettlinger's Vst. .msin .bnier nsns in)' ]umn Iur Würdigung des SchulchanAruch. Von Bezirks-Rabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). VII. .ttnpDn rvn p-nn bv wm -wtd »nn* D'ütp nt bib 'lsn S. 3. Es ziemt sich für jeden Gottesfürchtige», daß er sich härme und gräme über die Zerstörung des Tempelhetligthums. Das Gebet um unsere höchsten nationalen Anliegen verweist der Schulchan-Aruch auf die Nacht, aber die Sorge und Trauer darüber beschränkt sich nicht auf diese Zeit, sondern folgt dem jüdischen Mann ins Getriebe des Tages. Eine Trauer wie diese, die das alte, tausendjährige Weh ewig frisch erhält und unablässig einem ganzen Volk den Niedergang seines Gottesheiligthums und die sich daran knüpfenden verhängnißvollen Folgen einprägt, dürfte sich in dieser großartigen Einzigkeit kaum zum zweitenmale wiederfinden. Nicht durch Trauerflor, nicht durch düster ausgeschlagcne Gotteshäuser, nicht durch schwarz geränderte Abzeichen oder dumpfe Glockcntöne äußert sich diese Trauer, sondern sie begleitet jeden Sohn und jede Tochter, denen das Geschick ihres Volkes zu Herzen geht, hinein ins volle, sie umfluthende Leben und verläßt sie selbst in der abgeschiedensten Einsamkeit nicht. Wo in den ungemessenen Jahrtausenden der Zerstreuung seines Volkes ein Jude sich durch Erbauung eines eigenen Hauses dauernd niederläßt, läßt er an einem in die Augen springenden Orte eine Quadratelle große Stelle kahl und unübertüncht, die ihn jeder Zeit an die Unvollständigkeit jeder Freude mahnt, so lang das Gottesheiligthum in Trümmern liegt. *) Treu dem Eid, den die gefesselten Zionssänger einst an den Strömen Babylons geschworen, J) erreicht überhaupt keine Freude mehr ihren Gipfelpunkt. Das Gedächtniß an Jeruscholajtm hat ihn inne und die Zerstreuten mahnen sich durch äußere Zeichen zum treuen Festhalten an diesen Schwur. Jedes Freudenmabl, das sie gesellig vereint, läßt cs an Einer Stelle an irgend etwas fehlen, um das Unzulängliche jeder freudigen Veranstaltung zu bekunden. Selbst die Freude des Bräutigams und der Braut, die sich zusammengefunden, um sich zum ewigen Lebensbunde die Hand zu reichen, wird durch den Hinweis auf die irdische Hinfälligkeit und Gebrechlichkeit gedämpft, welche die zu den Füßen des Brautpaares liegenden Scherben predigen. Seitdem die Krone von Israels Haupt gefallen, schmückt sich keiner seiner Söhne und keine seiner Töchter selbst an ihrem höchsten Freudentage mir dem bräutlichen Kronenschmuck. Der ungehemmte Ausbruch reiner Lebensfreude ist ihnen fremd geworden, das Lied verstummte und die schlichte Einfachheit im öffentlichen Auftreten legt Zeugniß von der Wehmuth ab, welche die trauernden Herzen erfüllt. *) Noch schärfer treten diese Züge der großen Nationaltrauer, welche sich das jüdische Volk für jede Zeit auferlegte, in den Tagen und Wochen hervor, welche ihr spccieü gewidmet sind, in den Wochen nämlich, die zwischen dem Fasten des vierten und dem des fünften Monats liegen. Wirft sonst die Erinnerung an das zertrümmerte Gottesheiligthum und der Gedanke an die gebrochene nationale Selbstständigkeit einen Schatten selbst auf den Frcudentag zur Hausesgründung vereinigter Liebender, so schließt in diesen Wochen überhaupt kein Sohn, keine Tochter Israels einen Bund für das Leben.:}) Selbst die Sorge für das äußere menschliche Auftreten, dem das Gottesgesetz sonst in bedeutsamer Weise bis auf die Pflege des Haarwuchses wiederholt seine Aufmerksamkeit zuwendet, läßt die jüdijche Sitte vor der nationalen Bedeutung dieser Zeit zurücktreten.4) Jede Freude erfährt mit dem Eintritt des fünften Monats eine Schmälerung, aber schon vorher macht sich diese durch die sinnige Vätersitte auferlegte Selbftbeschränkung in wahrhaft ergreifender Weise fühlbar. Selbstquälerische Kasteiung und Ertödtung der Lebensfreude sind keine Charaktereigenthümlichkeiten *) Schulchan Arilck, I 560, £ i. 1) Psalm 137. 2) Sch. A. ibirt. 3) Sch. A. I. 551, 2. 4) ihid. 'di nsrm ,dod ,mi£Dn td'n.