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Der Israelit · 1892-01-28 · Heft 8 (28.1.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 8 (28.1.1892)
Date
1892-01-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIII. Jahrgang. M 8. Der Israelit. Ein Gentrat-Grgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 28. Januar 5652 (1892). Leitende Artikel. Oberrabbiner Dr. Cliefrr Md Mainz, 27. Januar. Zwei Jahrzehnte sind kaum vergangen, seitdem die Trauerkunde: Rabbi Jacob Ettlinger.^, der Altonaer Raw, ist der Erde entrissen worden, die gesetzestreuen Juden allüberall erschütterte. Und schon wieder erhebt sich von Altona aus der Klageruf: Dr. Löb, unser Raw, der würdige Nachfolger des großen Rabbi Jacob, weilt nicht mehr in unserer Mitte. Raw Hunna sagte, wen Gott liebt, den prüft er durch Schmerzen. Dieses Wort Raw Hunna's drängt sich uns auf die Lippen, wenn wir uns einerseits die Lichtgestalt des Großen und Edlen in Israel vergegenwärtigen, den wir jetzt beklagen, und andererseits umflorten Blickes zurückschauen auf das schmerzensreiche Krankenlager, an welches der Edle seit Jahren gefesselt war. Vor mehr denn vier Jahren war es, als ein Schlaganfall dem sonst so thatkräftigen Manne Kraft und Gesundheit raubte. Seit dieser Zeit führte er das Leben des Dulders. Thränenden Auges bewunderte oft seine Umgebung die seltene Standhaftigkeit und Gottergebenheit, mit welcher er alle Qualen und Schmerzen, als vom Höchsten gesandt, entgegennahm. Eines war es aber, das ihn mehr peinigte, als alle körperlichen Leiden, das war der Gedanke, daß er durch seine Krankheit nicht mehr wie vorher als unermüdlicher Leiter und Lehrer seiner Gemeinde wirken konnte. Und als das Leiden zunahm und immermehr die Hoffnung schwand, daß er je wieder zu voller Thatkraft zurückkehren werde, zog er sich vom Amte zurück und bat die Vorsteher der Gemeinde, ihm einen Nachfolger zu suchen. Wer ein Musterbild eines von Erfolg gekrön- *) Das Portrait des Dahingeschiedenen werden wir in nächster Nummer s. G. w. unseren geehrten Lesern vorführen. ten, im Dienste unserer heiligsten Güter rastlosen Lebens zeichnen will, der erzähle die Lebensgeschichte Rabbi Löb's. In unserem engeren Vaterlande, in Pfungstadt an der Bergstraße geboren, zog er, ein Jüngling noch, nach Darmstadt, um sich dort, wo er zugleich das Gymnasium absolviren konnte, von dem damals schon weit berühmten Rabbiner Dr. B H. Auerbach in die Hallen der Thora einführen zu lassen. Mit dem bewundernswerthen Fleiße, der ihn stets ausgezeichnet hatte, gab er sich seinem Studium hin und galt bald als der Lieblingsschüler seines großen Lehrers, dessenLSchwiegersohn er später wurde. Nachdem er in noch jungen Jahren die Universitätsstudien vollendet hatte und mittlerweile zu einem tüchtigen Lamdon geworden war, widmete er sich zunächst dem Lehrerberufe und gründete in seiner Vaterstadt die altbekannte, noch heute blühende Lehranstalt. Doch bald entzog ihn die ehrenvolle Berufung zum Rabbiner in Jchenhausen seiner Lehrthätigkett in dem anmuthigen Gebirgsstädtchen. Zwölf Jahre wirkte er segensreich in Jchenhausen. Unvergessen ist^dort heute noch der Eindruck seiner anziehenden, gewinnenden Persönlichkeit, aber mehr noch als dieses, auf Schritt und Tritt begegnen wir daselbst den Spuren seines Wirkens. Die Institutionen für Thora und Abodah, die er schuf, die Lernvereine, die er gründete, der Geist des echten Judenthums, den er seinen Schülern einflößte, all dies trägt dazu bei, daß in Jchenhausen altjüdisches Gemeindeleben blüht. Wie beliebt und geachtet der Dahtngeschiedene in genanntem OrU war, zeigte'sich, als er vor einer Reihe von Jahren von Altona aus seinen ehemaligen Wirkungskreis besuchte. Juden und Nichtjuden, Hoch und Niedrig, das ganze Städtchen wetteiferte in glänzenden Ovationen, den ehemaligen Leiter und Mitbürger zu ehren. Was Dr. Löb erst der Gemeinde Altona war, wie er dort in herrlichster Auffassung des Rabbinerberufs durch Wort und That unerschrocken und unermüdlich für das echte, unverfälschte Judenthum wirkte, wie er die dem

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