Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1892)
- Date
- 1892-01-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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124 im (s-in^clnci! ticpriift luorbcu unircii. 21 ndi nur ein flüchtiger Einblick in diese s. g. „Geschichte der Hilden" sagt jedem, der mich mir einigermaßen mit dem Schriftlhum vertrant ist, aus welchem sie geschöpft sein will, daß hier mehr Dichtung als Wahrheit vorliege nnd das Ganze ein leider nicht überraschendes Phantasiestück jener oberflächlichen Eomlünationsmanier bilde, die unsere Zeitgenossen „Wissenschaftlichkeit" nennen. Ich habe seitdem diese Schrift im Einzelnen ans den Cnetteit geprüft und hat sich mir dieselbe, ganz abgesehen von dem religiösen Systeme, das ihr als Grnndanschannng zur Basis dient und dem ihre Ergebnisse als Stützpunkt dienen sollen, — rein von dem Standpunkte der Wissenschaft, als ein Produkt der verwerflichsten Leichtfertigkeit und der leichtsinnigsten llngründlichkeit dargestellt, -so daß es mir als eine heilige Pflicht erschienen, die Ergebnisse dieser Prüfung in nngeschmückter Thatsächlichkeit dem Publikum vorznlegen. Mögen die Redlichen aller Parteien richten, in wie 'i'bVii Vi\ VitHt SchckäZ, Va Wadaftafttcfteit niw GrnnMchkeit gehuldigt worden, welche die Grundbedingung einer jeden wissenschaftlichen Erscheinung bilden und deren Berletznug nie verderblicher sich rächt, als da, wo es sich nicht um die Würdigung der Antignitäten einer bereits abgelebten, geschichtlichen Erscheinung handelt, sondern wo historische Vergangenheit solcher Momente dem zeitgenössischen Bewußtsein klar gemacht werden soll, die mit ihren Eonsegnenzen noch tief in die lebendige Gegenwart hereinragen, ja die noch die wcsenhastcste Basis eines ganzen religiösen Volkslebens mit allen seinen individuellennnd gesammtheitlichen Entwickelungen bilden." Als Antwort holte mein Freund eine jüdische Zeitung hervor, in welcher Prof. Kaufmann in Budapest, Prof. Grätz und seine Geschichte in schwungvoller, begeisterter Weise feiert. Unter dem reichen hier ausgestreuten Lob, fand ich folgende Bemerkung: „Für ihn waren die Einzelheiten, die er fand, „nicht Kostbarkeiten an sich, sondern nur werth- „voll, insofern sie in einen geschichtlich aufschluß- „reichen Zusammenhang sich einreihen ließen, „zwischen denen seine geschäftige Phantasie Fäden „spann, oder Brücken schlug." Diese Stelle hielt ich meinem Freunde mit den Worten hin: nwop rwyj i-jjjd» n6 £ »in Wehe dem, dessen Fürsprecher sein Ankläger wird! — Dieser Satz enthält ja in sorgfältig verzuckerter Weise ganz dieselben Pillen. Er bestätigt fast wörtlich das Verdikt, welches Hirsch über dieses Werk abgegeben hat, wenn er „das Ganze ein leider nicht überraschendes Phantasiestück oberflächlicher Compinationsmanier" nennt! Das verdutzte Gesicht, das mein Freund dazu machte, bestärkte mich in der festen lleberzeugung, daß die schlichte, gerade Wahrheit, wie sie Hirsch dieser Afterwissenschaft gegenüber vertreten, vielleicht leichter und früher die verdiente Anerkennung finden wird, als wir ahnen. Für die Wiederkehr des schmerzlichen Tages aber, an dem uns unser Meister und Führer entrissen worden, giebt es wohl keinen besseren Trost, als die Saatkeime aufgehen zu sehen, die seine wackere Hand gestreut hat. .n213b pHS "Dl Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 7. Januar. Gestern Nacht fand die erste Versammlung eines neu begründeten Vereins zur Bekämpfung der Rassenhetze statt. Ein Dr. Jakobowsky sprach über den Antheil der Juden an Verbrechen. Dabei kam es zu Konflikten mit Antisemiten, die sich unter Leitung ihrer bekannten Führer eingefunden hatten und schließlich zu einer regelrechten Prügelet. Die Antisemiten stießen wie einen Schlachtruf die furchtbare Drohungaus, jedem Juden die Nase abzuschlagen, der sie angreifen werde. Die Polizei schlichtete die Kämpfenden, und die Antisemiten mußten das Feld räumen. Es ist keine Nasesabgeschlagen worden. Königsberg in Pr., 15. Januar. Dem Verwaltungsbericht des hiesigen „Weiblichen Vereins für Israelitische Armenpflege" entnehmen wir, daß sich im verflossenen Vereinsjahre die Mitgliederzahl erheblich vermehrt und deren Theilnahme sich bei freudigen und traurigen Veranlassungen durch reiche Spenden bekundet hat. Infolge der gesteigerten Einnahme war der Verein in der erfreulichen Lage, nicht nur die Lebensmittelvertheilung reichlicher bemessen, sondern auch die Geldgaben um mehr als das Doppelte gegen früher erhöhen zu können. Die Einnahme des Vereins betrug 14893,38 Mk., darunter an Beiträgen der Mitglieder 1715,85 Mk., der Reinertrag des Konzertes mit 775,55 Mk. und an Geschenken 10,903 Mk. Die Ausgaben betrugen an Lebensmittelvertheilung 2306.01 Mk., an Geldgaben 1311 Mk., Verwaltung 87 Mk., für Effekten 10566,85 Mk., so daß am Schluffe des Jahves noch 622,52 Mk. Bestand dem Verein verblieb. Außerdem beträgt der eiserne Fonds am 31. Dezember 1891 rund 21,700 Mark. Der Verein zählt außer fünf verewigten immerwährenden Mitgliedern 325 ordentliche Mitglieder. Die Wohlthätigkeitssoiröe wird wie alljährlich im Laufe des Monats Februar stattfinden. Delitzsch, 12. Januar. Die am vorigen Sonntag im hiesigen Gasthof zum Schwan abgehaltene Versammlung des conservativen Wahlvereins verdient in so fern Beachtung, als sie zeigt, daß man sich im hiesigen Wahlkreise den neuerdings von conservativer Sette geforderten antisemitischen Bestrebungen auch von Partei wegen anschließt. Nach