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Der Israelit · 1892-01-25 · Heft 7 (25.1.1892) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 7 (25.1.1892)
Date
1892-01-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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125 einem einleitenden Vortrage des Pastors Werne r- Hohenthurm über „christliches Volksleben" sprach Oberlehrer Dr. F ö r st e r über „die deutsch-socialen Grundsätze und Forderungen". Nach einer sehr lebhaften Besprechung, an der sich außer dem offenbar zu diesem Vorstoße besonders hergekommenen Abg. Lieber mann v. Sonnenberg auch unser Landrath tr Ra uchhaupt betheiligte, wurde folgende Resolution angenommen: „Die heute in Delitzsch tagende conscrvativc Versammlung beschließt, die dentschconservative Pnrtcilcitnng zn bitten, das Programm der Partei durch wirthschaftliche und sociale Forderungen dahin zn erweitern, daß vor Allem im bürgerlichen Gesetzbuch dem christlich-germanischen Nechtsbewnßtsein Recht wird. Außerdem erscheint, eine Reform der Börse, eine Einschrenknng der Differenzgeschäfte mit Nahrungsmitteln und eine befnP.'.sE ViWVt christlich-deutschen Volkslebens dringend nothwendig." Schnaittach, 20. Januar. Gestern ist Herr I. Lichten ft ädtec, Cultusvorftand hier, nach Nürnberg übergesiedelt und wird der Verlust dieses Mannes hier allgemein empfunden und bedauert. Herr L. ist ein non D’Dff ny int eigentlichen Sinne des Wortes, er war pnrvnrw an den beiden Tagen Rosch-Haschono und Jom-Kipur und wußte sowohl durch seine (klangvolle) Stimme, als auch durch seine r6enn mo die Andacht bei seinen Zuhörern zu erwecken. Seit bereits 26 Jahren war er Cultusvorftand und Vorstand des P^y n\3 bw b'b* und versah diese Aemter mit großer Umsicht, Gewissenhaftigkeit und in selbstloser Weise. Durch Klugheit, Offenheit und unparteiisches Vorgehen ist es ihm gelungen, den Frieden in der Gemeinde während seines Amtes als erster Cultusvorstand aufrecht zu erhalten. Sein Bestreben war auch, eine Kasse für durchreisende Arme zu errichten; die Armen waren seine Hausgenossen, denn umsonst fragte selten ein Hungriger bei ihm an, stets verließ der Dürftige gesättigt sein Haus. Bei all diesen guten Werken stand ihm seine, seit bereits 1*/, Jahren in Gott ruhende, fromme und biedere Gattin als treue Gehilfin zur Seite. Daß er aber auch bei den nichtjüdischen Mitbürgern in hoher Achtung stand, beweist, daß er schon seit vielen Jahren in das Gemeindekollegium und später als Magistratsrath gewählt wurde. Möge es Herrn Lichtenstädter gegönnt sein, seine Tage ow hnd ny in seinem neuen Domizil in steter Gesundheit und Zufriedenheit zu verleben und stets recht glücklich zu sein. Karlsruhe, im Januar. Die hiesigen Konservativen haben eine große That vollbracht, von welcher sie der „Kreuzztg." auch sofort per Draht Kunde gegeben haben. „In einer zahlreich besuchten Versammlung", so lautet die Meldung des genannten Blattes, „erörterte der konservative Verein Karlsruhe eingehend und beschloß einstimmig eine Resolution, dahingehend, die deutschkonservative Parteileitung in Berlin zu bitten, einen allgemeinen Parteitag einzuberufen, um das 1876er Programm zu erweitern, und zwar bezüglich seiner wirthschaftlichen und sozialen Forderungen. Verlangt wird: Beschränkung der römischen Rechtsgrundsätze, eine Reform der Börse, Verbot des Differenzengeschäftes in Nahrungsmitteln, staatliche Beaufsichtigung der Effektenbörse, Stellungnahme zur Judenfrage. Die Emanzipation der Juden hat die gehegten Erwartungen nicht erfüllt. Den Juden soll lediglich Fremdenrecht zugewilligt werden. Juden können weder Beamte noch Lehrer im christlichen Staate Griechenland. Corfu. Auf der Insel Corfu herrscht eine neue Gährung gegen die Juden. vermischtes. Berlin. Herr Ad. G insb erg hat für das Handwerkerr'khrliiigs-Haus in Pankow 5000 M. gespendet. Zug (Schweiz), 5. Januar. Bor dem Strafgericht stand dieser rage ein Hochstapler Edmund Hugo Remiuar (vorehelicher Sohn des «grasen Nemithy aus Ungarn) unter der Anklage der Urkundenfälschung, des Betruges im Betrage von ca. 50.000 Syr. und des leichtsinnigen Falliments. Der Angeklagte entpuppte sich als ein mehrfach (wegen leichtsinniger o'rida, Betrugs, Urkundenfälschung. Pfanddefraudation) zu Gesängniß resv. Zucbthaus bestraites Individuum. Er war früher Privatdozent in Wien, außerordentlicher Professor der Mineralogie in Innsbruck, dann in Wien Redacteur der antisemitischen „rribüue", desselben Blattes, in welchein Professor Rohling eine „Antwort au die Rabbiner" veröffentlichte. Im Verlage des Vereins zur Abwehr des Anlisemitismils in Wien ist eine Broschüre erschienen, in der die Frage erörtert wird, ob der gläubige Katholik Antisemit sein könne. Die Broschüre führt den Titel: „Der Antisemitismus vonr katholischen 'Ttandpnnkte utlsISünde vernrtheilt." Der Verfasser gibt eine historische Darstellung des Verhältnisses des Ehristeitthuins znm Indenthnme feit den ältesten Zeiten der Kirche und citirr zahlreiche Aussprüche hervorragender Päpste, Kirchensürsten und Theologen, ans denen hervorgeht, daß die katholische Kirche als solche ein feindseliges Verhalten der Katholiken gegen die Inden oder eine Verfolgung derselben des Glaubens wegen nie gebilligt habe. Wochen - Kalender. Freitag. 29. Januar, 29. Thebet. Sabbat-Anfang 4 Uhr 20 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 30. Januar, 1. Schebat. stHn K'N“) 1 1 Sabbat-Ausgang 5 Uhr 35 Min. (Mainzer Uhr.) Briefkasten der Redaetion. A. B., Frankfurt a. Mairi. Wir ziehen nähere Erkundigungen ein und kommen auf die Sache zurück.

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