Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1892)
- Date
- 1892-01-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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wurde, verdanke ich dem Hirsch'schen Commeutar zu i, 17,5 zu Cap. 49,24 mit all den fruchtbaren Anregungen, welche das jedesmalige Vertiefen in diesen Gedanken für mich zur Folge hat. Und nun sehen Sie, wie Grätz in dem I. Bd. seiner Geschichte (Note I, S. 370) das Wort tun erklärte: „Zunächst stößt uns das Wort auf, „(auch zuweilen — Es hat im Hebräischen „die Bedeutungen-Es ist also so „gut wie gemäß, da y a n ursprünglich Apis bedeutete. Die Israeliten haben „lange dem Ochsen Verehrung gezollt, haben „Gottes Ehre mit einem Gras fressenden Thiere „virtauscht, kurz haben den Apis verehrt.- „Falsch ist die Ableitung desselben von maw „Flügel, Taw. sich aufschwingen. Es hat mit „■va« nichts gemein. Am w^-Apis haben wir „ein sicheres Argument rc. rc." Niemals werde ich den Eindruck vergessen, den diese Worte auf mich machten, als ich sie zum ersten Male las. Das Wort yux, an dem ich mich jeden Freitag Abend über alles Niedere und Kleinliche der Woche emporhob, von dessen Schwungkraft ich den Flügelschlag in der eigenen Brust zu fühlen glaubte, nichts als ein egyptischer Götze, als der Apis der Egypter! Von lax und Yn^n kann es nicht abgeleitet werden, warum? Ich weiß dafür keinen anderen Grund, als weil sonst „die Spuren egyptischer Sprachelemente im Hebräischen" ihr bestes Argument verlieren würden! Als ich am nächsten Freitag Abend wieder dem Wort begegnete, mußte cs sich über jene Verirrung mehr hinwegheben und es gelang ihm auch. Aber immer ist es mir der Merkstein geblieben, für den unversöhnlichen Gegensatz zwischen dem alten, redlichen Geist unserer Thora und der modernen Afterwissenschaft und ihren beiderseitigen Vertretern. Der Geist, auf den ein Hirsch das tobte Wort belebt, hebt diejenigen, welche sich ihn aneignen, hoch empor über das Niedere der Alltäglichkeit, der Sinn dagegen, den ein Grätz in die jüdische Wissenschaft hineinbringt, zieht das Göttliche hinab in das Bereich der Götzen, indem es unsere höchsten Ideale in heidnische Idole umwandelt. Mein Freund wollte das nicht gelten lassen. Grätz sei eine so ideal angelegte Natur gewesen, daß ihn dieser Vorwurf nicht treffe. Aus meinen Argumentationen ließe sich sogar gerade das Gegeutheil, eine hohe Anerkennung für die Wahrheitsliebe von Grätz folgern. Ob die eine oder andere Erklärung des Wortes tun die richtige sei, könne man einmal einen Augenblick dahin gestellt sein lassen. Jeder vertritt die Erklärung, die er für wahr hält; wenn nun Grätz der Wahrheit die Ehre giebt, ob¬ 122 wohl sie für sein Volk gewiß nichts Schmeichelhaftes enthält, so ist dies doch doppelt anzuerkennen. Dagegen erinnerte ich an die Geschichte von jenem Wunderrabbi, der sich Plötzlich erhob und den in diesem Augenblick eingetretenen Tod eines 50 Meilen entfernt wohnenden großen Gelehrten verkündete. Als der todt Gesagte, 14 Tage später sich gesund und munter bei seinem Unheilsverkünder einfand, rettete ein Anhänger des Wunderrabbi das Prestige desselben durch die Bemerkung: „Es ist wahr, der Meister hat nicht richtig gesehen, aber daß sein Auge aus eine Entfernung von 50 Meilen reicht, das ist und bleibt immerhin ein Wunder, wenn er auch die Details nicht so genau in der großen Ferne unterscheiden konnte." Ganz ähnlich verhält es sich mit Grätz. Kein Mensch zweifelt daran, daß er seine Hypothesen, Phantasiegebilde und offenbare Wahrheitswidrigkeiten für Wahrheit hielt, sonst hätte er sie nicht dafür ausgegeben. Daß er aber die Wahrheit dort sucht, wo er sie gefunden zu haben glaubt, das ist es, was ihm zum Vorwurf gereicht. Daß er, das was die Schwungkraft Israels bedeutet, seiner Abstammung nach, für einen egyptischen Apisstier hält, halten kann, und von der Wahrheit dieser Annahme überzeugt ist, das zeugt dafür, daß ihm die erste Voraussetzung für eine wahrheitsgemäße Darstellung der jüdischen Geschichte fehlt, denn es beweist, daß ihm vielleicht nie eine Ahnung von der Ungeheuerlichkeit und Unmöglichkeit dessen aufgedämmert ist, was er da als ganz selbstverständlich hinftellt. Das hat Niemand besser dargelegt, als Rabbiner Hirsch, dessen Kritik der Grätz' scheu Geschichte bis auf den heutigen Tag nicht widerlegt wurde, weil sie nicht zu widerlegen ist. Heute, wo nach dem Tode von Grätz mit dessen Geschichte ein noch größerer Cultus als früher getrieben wird, scheint es mehr als je geboten, aus diese Kritik aufmerksam zu machen, die sich in den ersten Jahrgängen des „Jeschurun" findet. Eine Separatausgabe dieser Kritik wäre sehr erwünscht. Meinem Freund aber las ich die folgenden Stellen vor, mit welchen Hirsch seine Kritik eingeleitet hat: „Ich hatte einen taubstummen, jungen Freund. Er war ein ziemlich beliebter Maler in einer deutschen Residenz. Alle seine Portrnits waren ähnlich. Aber sie waren auch wiederum nicht ähnlich. Er hatte, wir nannten es seinen Tik, die Manieren, alles in collossalen Dimensionen aufznfassen. Seine Bilder waren alle übernatürlich groß und hatten dadurch ein fremdartiges, geisterhaftes Ansehen. Alan erkannte sogleich, daß der und der zu seinem Portraits gesessen. Man konnte aber nicht sagen: Der ist's! Das Erkennen war nicht