Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1892)
- Date
- 1892-01-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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118 stimmen. Er selbst werde dieselben in seinem Wirkungskreise gerne unterstützen. England. London. Der Umstand, daß eine große Zahl der jüdischen Auswanderer ihren Weg nach Amerika über England nehmen, hat seit längerer Zeit verschiedenen Agitatoren Anlaß gegeben, diese Thatsache so hinzustellen, als handele es sich um eine wirkliche Einwanderung der Ausländer in England, und es ist diesen Leuten leicht gelungen, die Abneigung des britischen Arbeiters gegen die Fremden unter Hinweis der ihm daraus erwachsenden Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkte zu der wenn auch nur gelinden Art des Fremdenhasses anzufachen. Der jüngst von dem Handelsamte veröffentlichte Bericht über die Auswanderung zeigt aber nicht nur, daß der vergrößerten Einwanderungsziffer eine gleichgroße Zahl der Emigranten fremder Nationalität gegenübersteht, sondern daß die rein englische Auswanderung im Vergleich zum vorigen Jahre thatsächlich um 2000 Personen zurückgegangen ist. Von 334,451 Emigranten waren mehr als 112,000 fremder Herk nft. Der Rest vertheilt sich auf England mit 141,000, Schottland mit 22,000 und Irland — welches in Folge der Kartoffelkrankheit eine kleine Zunahme aufweist — mit 58,000. London. „Darkest Russia" veröffentlicht über die Judenverfolgungen in Rußland Meinungsäußerungen hervorragender Persönlichkeiten, welche von Interesse sind. Das interessanteste Schriftstück ist zweifellos ein Brief des unlängst dahingegangenen Emile de Laveleye, worin dieser vorschlägt, die ganze Frage der Verfolgung Andersgläubiger im heiligen Rußland einem Riesentribunal, bestehend aus »t0U8 168 1iomw68 eonnu8 Ü68 pays civilises“, zur Begutachtung zu überweisen. Das Blatt scheint sich diesen guteu Rath zu Herzen genommen zu haben, da es in derselben Nummer außer dem Briefe Laveleye's ein charakteristisches Schreiben des berühmten Kanzelpredigers Spurgeon, sowie die Zusage eines namhaften Beitrages zum Hilfsfonds durch den Bischof von Liverpool bringt. Rußland. Petersburg, 19. Januar. Wegen zunehmender Krawalle gegen die Juden ist zur Ergänzung des Strafgesetzes ein besonderes Gesetz erlassen worden, welches alle aus religiösen Motiven begangenen Exzesse strenger bestraft. In solchen Fällen ist auf Deportation nach Sibirien oder Zwangsarbeit zu erkennen. Warschau, 1. Januar. Als Folge einiger minder glücklichen Erfahrungen, welche man mit der gegenwärtigen Art der Durchführung der Kolonisation der russischen Juden in Argentinien gemacht hat, soll die von Baron Hirsch eingesetzte oberste Leitung beschlossen haben, der russischjüdischen Studentenschaft, welcher ihrer Konfession halber alle höheren Lehranstalten in der Heimath verschlossen sind, durch Stipendien, die in größerer Zahl systemisirt werden, die Ausbildung zu ermöglichen, doch mit der engern Bestimmung, daß die Stipendisten dem Studium der landwirthschaftlichen Lehrfächer sich zuwenden. Vornehmlich sind die höheren landwirthschaftlichen Lehranstalten Oesterreichs in Aussicht geuommen, in denen die russischjüdische Intelligenz ihre fachliche Ausbildung erwerbeu soll, um dieselbe dann zum Nutzen der Stammes- und Leidensgenossen zu verwerthen. Diese jungen, theoretisch und praktisch gebildeten Oekouomen würden dann die direkte Leitung in den Kolonien übernehmen. Amerika. Buenos-Aires, 21. Dezember. Wir erhalten folgende Zuschrift: In der Beilage zu Nr. 88 Ihres geehrten Blattes vom 12. November 1891 veröffentlichen Sie einen „Nothschrei" aus Argentinien, welcher von Herrn Eugen Sonnenfeld im Namen von 17 russischen Juden an Sie gerichtet worden ist. Sie fügen zwar in richtiger Erkenntniß der Sachlage hinzu, daß Sie „diesen ungeheuerlichen Anklagen keinen rechten Glauben zu schenken vermögen." Da aber in dem Artikel der Name des Baron Hirsch und der meinige genannt sind, und da Ihre europäischen Leser weder die Qualität noch die Glaubwürdigkeit des Herrn Eugen Sonnenfeld kennen können, so sehe ich mich zu der sonst unnöthigen Erklärung veranlaßt, daß die aus dem Berichte citirten Thatsachen von A bis Z erlogen sind. Prof. Dr. Wilhelm Löwenthal, Leiter des Baron Hirsch'schen Colonisationswerkes in Argentinien. Wir haben dieser Erklärung nichts hinzuzufügen, als daß unsere geehrten Leser durch die Mittheilungen unseres Mitarbeiters, des Argentinischen Konsuls Herrn Dr. A. Rosenau bereits genügende Aufklärungen über die Lage der russischen Juden in Argentinien erhalten haben. (Red.) Washington, 6. Januar. Bereits am Dienstag machte sich im Repräsentantenhaus ein Widerstand gegen die auf Grund der Botschaft des Präsidenten vom Senat gefaßte Resolution zu Gunsten einer Unterstützung der Nothleidenden in Rußland bemerkbar. Heute erneuerten sich die Debatten über den Antrag und schließlich wurde die Resolution des Senats sine die vertagt, was einer Ablehnung gleichkommt. Während der Debatten wurde beantragt, den Staatssecretär zu beauftragen, die Ab-