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Der Israelit · 1892-01-25 · Heft 7 (25.1.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 7 (25.1.1892)
Date
1892-01-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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117 übernehme und daß man doch den Viehmarkt wieder beschicke. So muß es kommen. Ratibor, 17. Januar. Die Auslassung des Lehrers B a ch e n h e i m e r in Nr. 4 d. Bl. in Bezug auf den sog. „Fr eitag-Abend-Unterricht" in der hiesigen Gemeinde, veranlaßt mich zu folgenden Bemerkungen. Auch ich würde einen regelrechten Unterricht am Freitag-Abend, zumal in größeren Städten, nicht für empfehlenswertst halten, da die Kinder durch denselben der häuslichen Sabbatfeier allerdings entzogen würden, doch hier handelt eS sich gar nicht um einen solchen Unterricht, sondern nur um den von mir gestatteten Versuch, die Kinder der Volksschule während der kurzen Winter-Freitage unmittelbar nach dem Gemeinde- Gottesdienste auf ein halbes Stündchen zu versammeln, ihnen eine kurze Inhaltsangabe des Wochcnabschntttes zu geben und mit ihnen — was ich ausdrücklich von dem um meine Erlaubniß nachsuchenden Lehrer forderte — das Abendgebet Wort um Wort Hebräisch und Deutsch zu beten. Etwas anderes bezweckt dieser „Freitag-Abend- Unterricht" nicht, und ich bedauere, daß der Sache durch die erste Mittheilung eine Bedeutung gegeben wurde, die sie in Wirklichkeit nicht besitzt. Die Kinder gehen nach diesem halben Stündchen frohgemuth nach Haus und feiern dort bei ihren Eltern, soweit diese selbst es thun, den Sabbat, wie das Gesetz es gebietet. Es ist keine Rede davon, daß diese Abendgebete irgend welchen Ersatz für den Religionsunterricht oder das Familienleben bieten sollen, doch so gar zwecklos scheint mir die Einrichtung nicht zu sein. Wenn nun gar Herr Bachenhetmer die von der orthodoxen Adaß-Jisroel in Berlin bis zur freiesten Gemeinde eingerichteten und durchweg als vorzüglich anerkannten Jugendgottesdienste als „Surrogat", als „Feigenblatt zur Bedeckung der Blößen" bezeichnet, so zeugt zwar diese Behauptung von dem umfangreichen Selbstvertrauen des Herrn Bachenheimer, sie braucht aber dcßhalb noch nicht erwiesen zu sein. Bei solchen Dingen muß man heutzutage fragen: „Kann es d er Sach e s chad en 2" Nun, ich möchte wissen, was cs schaden könnte, wenn israelitische Kinder, welche in der Woche ihren ausreichenden hebräischen und Religionsunterricht genießen, aber am Sabbat-Vormittag das Gotteshaus fast nie besuchen können, wenn diese Kinder am Sabbat-Nachmittag in die Synagoge geführt werden, dort Mincha laut beten, die Responsen üben, die B'rocho über die Thora sprechen, vielleicht auch selbst aus der Thora lesen oder gar vorbeten, Worte religiöser Belehrung hören und wenigstens eine Stunde am Sabbat im Festtagsgewande und! in weihevoller Stimmung an der ihnen heiligen I Stätte verbleiben. Daß daß religiöse Beispiel des Hauses an Werth den gesammten Religionsunterricht zumeist überwtegt, ist allerdings wahr, doch allein macht es das Haus auch nicht mehr. Schule und Haus müflen Hand in Hand gehen, soll das Werk gelingen. Wenn schließlich Lehrer Bachenheimer erklärt: „Die Herren Rabbiner müssen zur Erstarkung des jüdischen Geistes beitragen" — so mag Herr Bachenheimer ganz unbesorgt sein! Jeder gewissenhafte Rabbiner wird auch ohne die wohlwollende Mahnung des Herrn Bachenheimer wissen, waS seines Amtes ist. Rabbiner vr. Blumenthal. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Pefth, 19. Januar. (Ruhestörungen.) In Kaschau fanden während der Anwesenheit des Justizministers Szilagyi antisemitische Ruhestörungen statt. In einer israelitischen Schule und in einem Tempel wurden die Fenster eingeschlagen. In Sarospatah kamen gleichfalls Ausschreitungen vor, wobei eine Person getödtet wurde. Der resormirte Caplan wurde tödtlich verletzt, mehrere Studenten erhielten gefährliche Verwundungen. Kleinpeft. Die israelitischen Familien der Gemeinde Kleinpest haben sich zu einer Religionsgemeinde vereinigt und wollen nunmehr zum Bau einer Synagoge schreiten. Die Gemeinde Kleinpest hat den erforderlichen Baugrund unentgeltlich zur Verfügung gestellt und das Ministerium des Innern hat unter Z. 69,386 gestattet, daß zur Verwirklichung der hehren Projektes die Sammlung freiwilliger Spenden eingeletter werde, da die materiellen Kräfte der neuen Gemeinde nicht ausreichen, um die Kosten des Tempelbaues zu decken. Der Vorstand der Gemeinde wendet sich nun vertrauensvoll an die Glaubensgenossen mit der Bitte um hochherzige Spenden, sowie mit dem Ersuchen, die ausgegebenen SubskriptionSbogen im Kreise von Verwandten und Freunden möglichst zu verbreiten. Die Namen der edlen Spender werden in einem Gedenkalbum verewigt werden. Ein SubskriptionSbogen wurde auch uns zngesendet und liegt in unserer Redaktion auf. Temesvar, 21. Januar. Minister Graf Albin C s a k y empfing heute eine Deputation der Temesvarer israelitischen Gemeinden unter Führung des Districts-Präsidenten Ignaz Eisenstädter de Buzias. Auf die Ansprache des Dr. Moritz Löwy, welcher auch die Frage der Reception berührte, sagte der Minister : Die Juden haben durch ihr Talent und ihre Intelligenz jene Vorbedingungen selbst geschaffen, auf Grund welcher sie die gesetzliche Gleichberechtigung fordern dürfen. Jeder liberale Patriot, zu denen auch der Minister sich zählt, werde daher ihren diesbezüglichen Wünschen zu-

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