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Der Israelit · 1892-01-25 · Heft 7 (25.1.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 7 (25.1.1892)
Date
1892-01-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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119 sichten der russischen Regierung in Betreff der Verfolgung der Juden zu erforschen und zu untersuchen, ob in der hierdurch verursachten Masseneinwanderung derselben in den Ver. Staaten nicht eine Verletzung des Vertrages der letztern mit Rußland liege. Feuilleton. Z)er Hünstkirrg des Hzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Bon Jon. Lehmann, Dr. phil. (11. Fortsetzung.) VII. Alexei Chaimowitsch war der Erste, der seine Fassung wieder erlangte; er befahl sofort, daß das Wohlthätigkeitswerk durch die entfernteren Verwandten und die Diener weiter geführt werde, er selbst forderte durch eine stumme Bewegung seine Frau und Kinder, sowie den Fürsten Michail auf, sich mit ihm in das Innere des Hauses zu begeben, wo man wiederum, wie nun schon so oft in der jüngsten 'Zeit, in dem entlegensten Winkel des Hauses, zu einer geheimen Berathung zusammenschritt. Hier berichtete Michail in dürren Worten, was er vom Gouverneur hinsichtlich der Absichten der Synode vernommen hatte und diese Nachrichten konnten nicht dazu beitragen, die Zuversicht der Familie zu erhöhen. Was war hier zu tf)un? Wenn man den Günstling des Czaren nicht empfing, so mußte er sich beleidigt fühlen, da er doch sicherlich wußte, daß die ganze Familie gelegentlich des Wohlthätigkeitsaktes im Hause versammelt war. Wenn man ihn aber empfing, wer sollte ihn empfangen? Rosa mußte vor Allem seinem Blicke entzogen und in Sicherheit gebracht werden, es war aber zweifellos, daß er nach ihr verlangen würde und man mußte mit wohlüberlegten Ausflüchten und gewandter Parirung seiner Fragen bei der Hand sein. Afka war jedenfalls zu heißblütig und zu stürmisch,"als^daßZ eine Begegnung zwischen ihm und dem Fremden nicht hätte leicht gefahrvoll werden können; auch hielt man es für das Beste, wenn er an der Seite seiner . Braut blieb, um sie, im Falle es nothwendig wäre, vor einem Angriffe zu schützen. Frau Horwitz befand sich in einem zu aufgeregten Zustande, als daß man überhaupt mit ihr hätte ruhig verhandeln können; sie jammerte und wehklagte in einem fort und befürchtete das Schlimmste und so mußte sie sich in ihr Zimmer zurückziehen. Alexei Chaimowitsch wäre wohl der Mann gewesen, dem Eindringling entgegenzutreten. Doch — sollte man es ihm verübeln, wenn ihm das Herz in die Schuhe sank, da er, der geknechtete, unterdrückte Jude einem so mächtigen Mann feindlich gegenüber treten sollte. Und daß es zu irgend einer Auseinandersetzung kommen würde, das war vorauszusehen, denn Ostftone würde zweifellos verlangen, Rosa zu sehen und zu sprechen und das, darüber waren Alle einig, konnte man ihm in keinem Falle gewähren, selbst wenn er das Haus mit seinem Zorne bedrohen würde. Der übermüthige, rohe Mensch, würde er sich nicht einem alten Juden gegenüber leicht zu schlimmer Gewaltthat Hinreißen lassen, wenn dieser es wagte, seinem Willen entgegen zu treten? War doch der Czarengünstling nicht gewohnt, daß irgend ein Wunsch ihm versagt blieb. Alexei mochte diese Gründe, die ihm in seinem Inneren klar waren, vor dem Fürsten nicht aussprechen und so machte er denn geltend, er befinde sich nicht in einer Toilette, in der er den vornehmen Mann empfangen könne und er wolle erst gehen, sich so schnell als möglich umzukleiden. So blieb denn nur Fürst Michail übrig, und man fragte ihn gar nicht lange nach seiner Meinung, man hielt es für selbstverständlich, daß er, der weltgewandte junge Mann dem Hause diesen Dienst erweise. Was hätte auch er, ein russischer Fürst aus hochangesehener Familie, zu befürchten gehabt? Ihn mußte Iwan in jedem Falle höflich behandeln. So begab sich denn Michail in den Empfangssalon, während die Mitglieder der Familie Horwitz sich in den entferntesten Gemächern des Hauses verbargen. Fürst Michail saß und wartete. Er pflegte sehr langsam zu denken und erst hier, da er genügend Zeit und Ruhe zur Ueberlegung hatte, fing er an die Situation sich klar zu machen. Es war doch eigentlich recht unschicklich, daß er, der dem Hause trotz seiner Freundschaft für dasselbe, immerhin ein Fremder blieb, einen so eigenartigen Besuch empfangen sollte. Was sollte Iwan Alexandrowitsch von ihm denken, wenn er ihm hier entgegentrat? War es nicht eine Verletzung der gesellschaftlichen Pflichten, daß kein Mitglied der Familie gegenwärtig war? Oststone mußte das unbedingt übel nehmen; es hatte fast den Anschein, als ob Alles vor ihn geflohen wäre. Vielleicht verband er mit seinem Besuch überhaupt gar keine schlimme Absicht und' erst durch die unschickliche Art, wie man ihm begegnete,

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