Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1892)
- Date
- 1892-01-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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116 Mainz, 25. Januar. Der Telegraph bringt uns soeben die schmerzliche Kunde von dem Ableben des Herrn Rabbiner Dr. L o e b y"j in Altona. In Pfungstadt, im Großhe-zogthum Hessen, geboren, begründete er daselbst das heute noch in großer Blüthe unter der Leitung des Herrn Dr. Barnaß bestehende Knaben-Jnstitut; einige Zeit danach folgte er dem Rufe der Gemeinde Jchenhausen in Bayern, um daselbst eine lange Reihe von Jahren den Rabbinatssitz einzunehmen. Nach dem Tode des unvergeßlichen Rabbi Jacob Ettlinger y"*i erwählte ihn die Gemeinde Altona zu ihrem Oberhaupte, welches Amt er bis vor anderthalb Jahren, da ihn ein Schlaganfall auf das Schmerzenslager warf, verwaltete. Der Dahingeschiedene, ein Schwiegersohn von Rabbi Benjamin H. Auerbach war einer der eifrigsten Vorkämpfer der gesetzestreuen Judenheit. Wir werden mit Gottes Hülfe in nächster Nummer das Leben dieses bedeutenden Mannes eingehend zu schildern uns bemühen. Hannover, 20. Januar. In der Klagesache: Oberrabbiner Dr. Igel und Genoffen in Czernowitz gegen den Redakteur Leuß wurde letzterer wegen Verbreitung nicht erweislich wahrer Thatsuchen, welche den Kläger, Oberrabbiner Dr. Igel in Czernowitz herabzusetzen geeignet sind, der öffentlichen Beleidigung, begangen durch Verbreitung von Schriften, als schuldig, vom Schöffengericht zu 500 Mk. Geldstrafe event. 100 Tagen Gefängniß vcrurtheilt. Dem Kläger wird die Befugniß ertheilt, das Urtheil zu veröffentlichen. Der Thatbestand ist folgender: In Nr. 39 der antisemitischen „Hannoverschen Post" (vom 15. Februar 1891) erschien unter Ä „Zudenherrschaft in der Bukowina" ein Artikel, worin mit Hinweis auf das verderbliche Treiben der Judeu in der Bukowina zunächst bemerkt wird, daß letztere die volle Herrschaft über die Bevölkerung und die Regierungsbeamten erlangt hätten. Weiter wird dann berichtet, daß der Oberrabbiner in Czeronwitz, gegen den das Verfahren wegen Fälschung eingeleitct gewesen fei, sich mit anderen Juden an der Bestechung der Richter, die dem Gelde zugänglich waren, betheiligt und daß er, trotzdem er schuldig war, vor dem Bezirksrichter seine Unschuld mit einem heiligen Eide betheuert habe. Das Endresultat des Prozesses sei danach für den Rabbiner ein günstiges und glückliches gewesen. Der Angeklagte will nicht die Absicht zu beleidigen gehabt haben, von der Wahrheit des Inhalts des ihm eingesandtcn Artikels überzeugt, habe er denselben ausgenommen; da es sich aber um einen Jrrthum gehandelt und später die Unschuld des Oberrabbiners sich herausgestellt habe, so sei sofort die nöthige Berichtigung erschienen. Uebrigens sei die Klage nicht von Dr. Igel ausgegangen, sondern von Vertretern der jüdischen Gemeinde in Ezernowitz. Dagegen geht das Gericht von der Ansicht aus, daß der Angeklagte unzweifelhaft gewußt habe, daß der Kläger durch den fraglichen Artikel sich sehr beleidigt fühlen mußte, weil die demselben gemachte Beschuldigung eine sehr schwerwiegende war. Der Angabe des Angekagten, daß er wider besseres Wissen gehandelt habe, und daß er von der Richtigkeit der Berichte des Einsenders des Artikels überzeugt gewesen sei, könne keine Folge gegeben werden. Von einer Gcfängnißstrafe ist Abstand genommen, weil es sich um eine Persönlichkeit handelt, welche außerhalb unseres Staates stehend, nur zufällig von dem Artikel Kenntnitz bekommen hat. Aus Württemberg. Wie in Heilbronn wurde auch in StuttgartRechtsanwalt Kanlla als Stellvertreter des Vorsitzenden im Bürgerausschusse gewählt. Nunmehr ist vom Ministerium das Bezirksrabbinat H e il b r o n n zur Bewerbung ausgeschrieben. Meldungen innerhalb drei Wochen bei der isr. Oberkirchenbehörde. Brette» (Baden), 13. Januar. Vorgestern Nacht war hier ein großer Skandal, der damit endigte, daß jüdischen Einwohnern die Fenster cingeworfen wurden. Es handelt sich also wieder um eine Heldenthat der Antisemiten. Die Polizei hat Erhebungen gemacht, deren Ergebniß man mit Spannung entgegensieht. Dieses bedauernswerthe Ereigniß ist nur eine Wiederholung von Rohheiten der hiesigen Antisemiten, welche sich im vorigen Monate bei einem Viehmarkte abwickelten. Die Folge davon war, daß wie bereits berichtet, die fremden jüdischen Viehhändler beim gestrigen Vichmarkle vollständig fehlten, so daß der Bekehr zum großen Aerger der hiesigen Geschäftsleute ein sehr schwacher gewesen und die Bahnverwaltung fast keinen Transport zu machen hatte. Und das geschieht in Breiten, wo vor zwei Jahren ein jüdischer Bürger bei einem ausgebrochenen Brande sich so hervorthat, daß der Unglückliche, der kurz vorher sich erst verheirathet hatte, sein Leben dabei einbüßte. Es ist noch in Jedermanns Erinnerung, wie damals der Großherzog der Wittwe des Verunglückten seine Theilnahme aussprcchen ließ. So schnell vergessen die Antisemiten die edlen Thaten ihrer jüdischen Mitbürger. — Inzwischen erfahre ich, daß der Bürgermeister von Breiten an verschiedene jüdische Vorstände geschrieben und sie gebeten, ihren Gemeinden doch mitzutheilcn, daß er für die Folge jede Verantwortung