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Der Israelit · 1892-01-21 · Heft 6 (21.1.1892) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 6 (21.1.1892)
Date
1892-01-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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104 inbrünstige Gebete und die Gemeinde recitirte Psalmen und das O’Vin nVsn für die Wiedergenesung Sr. König!. Hoheit. Leider war cs vom Himmel anders beschieden. Als Abends der Vater des hohen Kranken, Sr. K. H. der Prince of Wales an den Chief Rabbi warme, herzliche Worte des Dankes für das bezeugte Mitgefühl telephonisch richtete, war noch nicht alle Hoffnung verloren, aber am nächsten Morgen verschied der königl. Prinz, der älteste Sohn des Prince of Wales, einige Wochen vor seiner bereits festgesetzten Hochzeit mit Prinzessin May of Teck. Die allgemeine Bestürzung ist unbeschreiblich. Am Mittwoch werden die irdischen Ueberreste des edlen Dahingeschiedenen nach Windsor zu Grabe geführt. Am selben Tage, Nachmittags 4 Uhr, wird in der Dukes Place Synagogue ein feierlicher Gottesdienst abgehalten werden. > Vermischtes. «4 Aus Baden. Bor 3 Monaten fand in Bühl eine Landwirtschaftliche Gauausstellung und am 4. Jan. d. I. die feierliche Eröffnung der Lokalbahn Bühl-Kebl statt. Bei beiden Anlässen wurde der Bez. Rabbiner Dr. Mayer von Großh. Bezirksamt zum Empfang des Großherzogs geladen und von Seiner Königl. Hoheit mit einer Ansprache beehrt. Auch wurde denselben von dem Festcomitö die Ehre einer Einladung zur Fesifahrt auf der neuen Bahn zu Theil. Daß die Unternehmungen des Dr. Böckel zum Besten des Bauernstandes nicht so prosperiren, wie man nach seinen marktschreierischen Anpreisungen annehmen müßte, geht aus einen Cirkular der mit Herrn Böckel eng liirten Firma: Bremer Colonialwaären-Nicdcrlage^ I. A. Struck me her & Eo. Bremen und Marburg hervor. Das vom 1. November 1801 datirte Eirenlar der Filiale Marburg hat folgenden Wortlaut: Es wird wohl schon Ihr Befremden erregt haben, daß wir allen Futterstoffen in letzter Zeit nur geringes Interesse entgegengebracht haben und wird Ihnen vielleicht ein Aufschluß für dieses Vorgehen erwünscht sein. Unser Verhalten ist eine Folge der vielfachen Ueoerschreitung der gestellten Zahlungsfristen, namentlich bei Mais, Reismehl, Kleie u. f. w. und sehen wir uns deshalb heute zu der Erklärung veranlaßt, daß wir in Zukunft alle Futterartikel nur noch gegen Casse, also Zahlung innerhalb 20 Tagen verkaufen werden. Unsere Coulanz im Creditgeben ist seither unverantwortlich viel mißbraucht und ist unsere Absicht, hierin eine Aenderung herbeizuführen, weshalb wir auch unsere verehrte Kundschaft hierdurch ersuchen, uns in Futterartikeln lieber keine Aufträge zu ertheilen, wenn pünktliche Zahlung nicht in sichere Aussicht gestellt werden kann. Wir stellen billigste Preise und liefern nur beste Qualitäten, müssen dann aber auch auf pünktliche Bezahlung sehen, zumal wir Futterartikel auch nur gegen baar einkaufen können. Im Uebrigen stets gern zu Ihren Diensten, grüßen freundlichst und achtungsvoll I. A. Struckmeyer & Co. j Gegen den unchristlichen Geist der antisemitischen Presse wendet sich auch die „Hessische Bolkszeitung", indem sie schreibt: „. . . . Auch in Rr. 467 des „Neichsherold" sinder sich in dem Artikel „Richteramt und Iudemhum" eine Stelle, die unseren lebhaften Protest wachruft. Dort heißt es wörtlich: „Die jüdische Religion ist eben untrennbar von dem jüdischen Bolkscharakter. In ihrer Religion spiegelt sich der Charakter der Juden in seinerganzen wenig löblichen Eigenschaft wieder. Das monistische (allein für sich seiende) Wesen des Iudengottcs, der keine andere Götter neben sich dulden will, ist das jüdische Wesen unter den Völkern. Der einzige Gott, die Inden, sein anserwählres Bolk!" Lwlch' ein Antisemitismus grenzt an Gotteslästerung. Wir protestiren dagegen und hoffen, daß auch Herr Dr. Böckel es an einer entsprechenden Erklärung nicht fehlen lassen wird." Eine naive Aufforderung an Herrn Böckel, sein eigenes Blatt zu desavouiren I „Es wird weiter geschwindelt!" schreibt der antisemitische „Thür. Landbote" in seiner Weihnachtsnummer. Der jüdische Bankier Adolf Alben in Oörlitz soll, wie verlautet, nach Unterschlagung sämmtlicher Depots geflüchtet sein. Albert ist nicht Jude, sondern Christ. Aber von den antisemitischen Blättern wird eben weiter geschwindelt! -- — Die Direktoren der Baseler „Allgemeinen Kreditbank" Wüst und Kling sind durchgebrannt. Beide spekulirren. Sic erlitten durch den Sturz der „Züricher BankvereiuS-Aktien" große Verluste. Einer Drahtnachricht zufolge sind die Ausreißer in Ostende verhaftet worden. Aus Zürich wird nns berichtet: „Gegen den dnrchgcbrannten Bankier Walter von hier, welcher des betrügerischen Bankrottes in bedeutendem Umfange beschuldigt ist, luitröc Vcrhattsbeselfl erlassen." Die Direktoren des Züricher Bankvereins haben demissionirt. Sie wurden wahrscheinlich dazu gezwungen. Das Geschäftslokal der Baseler „Allgemeinen Kreditbank" wird polizeilich bewacht. Die Aufregung in Basel ist groß, lieber den Umfang des Defizits fehlen genaue Angaben. Erft jetzt wird in weiteren Kreisen bekannt, daß Wüst, der dnrchgebrannte Direktor der Allgemeinen Kreditbank, vor einer Anzahl Jahren wegen verschiedener Vergehen zu Basel und Luzern Gefängnißftrafen abgesessen hat. Man glaubt, das Aktienkapital der Berner Bodenkrediranftalt, welche Geschäfte mit der Basler Kreditbank machte, sei vollständig ruinirt. Auch die Direktoren der Bank in Winterthur wurden verhaftet. Es sind die angesehnsten Bürger. Da die „Staatsbürgerzeitung" in Berlin fortwäh. rend die Bankkrache den Juden zur Last legt, so sei erwähnt, daß von den oben genannten Personen nicht ein Einziger Jude ist. Wir machen nicht alle Glaubensgenossen der Verbrecher für deren Thaten verantwortlich, wie es die Antisemiten thun, wenn es sich um Juden. handelt. Palästina. Bei seinem jüngsten Besuche des heiligen Landes gelang es Herrn M. Halevy aus Paris, die Topographie der in der Bibel angeführten Orte mit absoluter Genauigkeit feststellen zu können. Er führt auch an, daß das Grab der Rachel auf dem

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