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Der Israelit · 1892-01-21 · Heft 6 (21.1.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 6 (21.1.1892)
Date
1892-01-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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97 K. Wiesbaden Laut Meldung Wiesbadener Blätter, hat der dortige, Offiziere und Mannschaften des Beurlaubtenftandctz umfassende Militär- Verein, der über 611 Mitglieder zählt, den Herrn Offiziersaspiranten und Wachtmeister Dr. Jonas Lehmann zu seinem Ehrenrichter erwählt. Ehrenpräsident ist Sr. Exellcnz Herr Generallieutenant z. D. von Gebauer. — Sollte der neue Cours auch in militärischer Hinsicht für die Juden bessere Tage bringen? . * Hamburg, 17. Januar. Der Sohn unseres hochverehrten Oberrabbiners, Herr Dr. Isidor Hirsch wurde, ohne sich darum beworben zu haben, zu einer Gastpredigt am letzten ro» in Boscowitz (Mähren) eingeladen und von der Vertretung und der Gesammtgemeinde einstimmig zum Bezirksrabbiner für Boscowitz, Zwittau und Umgegend mit dem Amtssitz in B. gewählt. B. ist eine angesehene, streng conservative Gemeinde mit über 200 Familien. Es war der Rabbinatssitz des Landesrabbiners psn Abraham Pla^ek Möge es Herrn Dr. Hirsch vergönnt sein, das Licht der Thora in immer weitere Kreise zu tragen. n. Aus C'lsaß-Lothriugen. Wer die diesseitigen Verhältnisse über Juden und Judenthnm seit längerer Zeit zu beobachten Gelegenheit hat, dem kann die Erfahrung nicht entgangen sein, daß es hier allgemein an einem echt jüdischen Geiste, an regem Interesse für unsere Sache und unsere Bestimmung fehlt. Wir meinen hier nicht Kämpfe nach außen, gegen unser Feinde, gegen den Antisemitismus, die etwa geführt werden sollteil. Denn in dieser Hinsicht gebührt wohl den Reichslanden der höchste Ruhm unter allen deutschen Staaten, Rassen- und Klasscnhaß findet hier keinen fruchtbaren Boden. Wohl aber ist es ein Erstarken, eine Kl äftginng im - eigenen Lager, das allenthalben sehr noth thut. Wir begegnen hier oft einer Gleichgiltigkeit in relig. Hinsicht, die auf wenig Begeisterung für unsere heilige Sache schließen läßt. Wer trügt nun die Hauptschuld an dieser Erscheinung? Außer den Gemeindemitgliedern selbst, denen in vielen Fällen ein tiefes, relig. Bewußtsein abgcht, sind es hauptsächlich die Eultnsbeamten, die Religionslehrer, die oft wenig Interesse für das Gedeihen, das Wohl und Wehe unseres Volkes besitzen. Es geht ihnen meistens eine genügende Bildung in den jüd. Fächern ab, da Anstalten zur Heranbildung jüd. Religionslehrer nicht vorhandeu sind. Die meisten Gemeinden glauben, ihre Schuldigkeit gethan zu haben, wenn sie einen Eantor anstellen, der mit guter Stimme begabt ist. Ob derselbe aber auch qualifizirt ist, den Kindern Religionsunterricht zu ertheilen, ist ihnen vollkommen gleichgiltig. Und in den meisten Fällen ist es der Eantor nicht, ist er doch selbst in den Religionsfächern nicht ausgebildet worden. Glaubt man etwa, daß es mit dem „bischen Oren" heutzutage gethan ist? Jetzt, wo der relig. Leichtsinn so erschi eckend Platz greift, muß das wette Gebiet der Religion allseitig und gründlich bearbeitet werden. Da sollten doch Leute, die Religionslehrer sein wollen, sich bei Rabbinen oder sonstigen Kundigen, thätigen Männern wenigstens einigermaßen im Jüdischen auszubilden suchen, wenn sie eine jüd. Lehrerbildungsanstalt in Deutschland nicht besuchen wollen. Sie würden viel mehr Achtung und Ansehen bei der jüd. Bevölkerung gewinnen als es thatsächlich der Fall ist! Es sollte jeder ungeprüfte anzustellende Religionslehrer vor einer jüd. Prüfungskommission seine Befähigung als solcher zuerst Nachweisen müssen, wie es unseres Wissens in Altdeutschland eingeführt ist. Es kann doch nicht genügen, die no'iw rra^n z. B. in deutscher Sprache auswendig zu lernen, da man den jüd. Text zu lesen nicht versteht, oder als im bns rvn einige O'pios zu übersetzen und selbst dabei noch Fehler zu machen. Vielleicht könnte diesem Uebelstande Abhilfe geschaffen werden, wenn die Cultusbeamten selbst z. B. durch Conferenzen oder Vereine sich gegenseitig anregeu würden, etwa daß sie sich an ihre altdeutschen Eollegen anschlössen, die im Laufe der Zeit in dieser Hinsicht so schöne Erfolge erzielt haben, oder in eigenen Conferenzen ihre Lage besprechen und zur Besserung schreiten! Also ein wenig mehr Thätigkeit, Wirken und Schaffen wäre sehr nöthig.! uoy "ijn füNi prn pi Mögen diese Zeilen den ersten Anstoß dazu geben, und diesbezügliche weitere Vorschläge in diesen Blättern besprochen werden und zur Ausführung gelangen! Oeste r r. - Unga r. M o n a r ch i e. Budapest, 18. Januar. In der Theresienstadt sprach gestern Graf Julius Andrassy, der Eandidat der liberalen Partei, vor einer außerordentlich zahlreichen Versammlung. Der Redner sagte unter Anderem, der Rechtskreis jedes Glaubensbekenntnisses müsse geschützt werden, ebenso aber auch der Staat gegen religiöse Uebergriffe. Der vollste Liberalismus sei hierin sein leitender Grundsatz. Deßhalb komme er der vollständigen Gleichberechtigung der jüdischen Eonf e s s i o n mit vollster Sympathie entgegen und werde dieselbe im Abgeordnetenhause unterstützen. Damit folge er nur den Traditionen seiner Familie: denn auch die Emancipation der Juden sei unter der Regierung seines Vaters gesetzlich ausgesprochen worden. Er werde dies um so lieber thun, als

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