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Der Israelit · 1892-01-21 · Heft 6 (21.1.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 6 (21.1.1892)
Date
1892-01-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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96 thodox-religiös, dann reformerisch-assimilatorisch, beides warenJrrthümer: jetzt sind wir bewußt jüdisch-national!" Zehn Wunder geschahen regelmäßig unseren Vätern zur Zeit, da der heilige Tempel noch stand. Eines davon war, daß nicht Einer zum Andern sagte: Der Ort ist mir zu eng, ich kann nicht in Jerusalem übernachten. Kämen aber, was Gott verhüten möge, „Jüdisch-Nationale" nach der heiligen Stadt, ohne „orthodox-religiös" zu sein, wie oft würden wir dann den Ruf vernehmen müssen:! DlpOH h 1L * Darwstadt. In der heutigen Zeit, wo man an manchen Orten durch den Verfall des religiösen Lebens in Gemeinde und Schule wieder die dringende Nothwendigkeit einer Besserung und einer Wiedereinführung der althergebrachten Kultusverhältnisse betont, verdienen solche Korporationen, welche schon seit vielen Jahren die Grundpfeiler der jüd. Orthodoxie, die Zierden der jüdischen Gemeinden bilden, um so mehr der lobenden Erwähnung. Zu diesen zählt auch der „Talmud Torah- Verein" der hiesigen Israel. Religionsgesellschaft, welcher die hohe Aufgabe min piü zu sein, einerseits durch eifriges Studium der heiligen Lehre, andererseits durch thatkräftige llnterstützung jüd. Unterrichtsanstalten und strebsamer junger Leute, welche sich dem gleichen Ziele widmen, zu lösen bestrebt ist. Daß das Interesse für diese heilige Aufgabe bei allen Mitgliedern noch mehr als je ein ungemein reges ist, davon legte der Abend des verflossenen Sonntag (raun 'j m»), an welchem der Verein das Fest seines 20jährigen Bestehens beging, ein beredtes Zeugniß ab. Nach Verlesung des Jahresberichtes ergriff Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Marx, der hochverehrte Gründer und das verdienstvolle Ehrenmitglied unseres Vereins, das Wort, um unter Zugrundelegung der Midrasch-Stelle: vh ntrns^ nnn n*< *]r6yrD nttns hdddj nob .ptpon ns D’pr6 ntPö rvte die Bedeutung des Vereins und seine Aufgabe zu kennzeichnen. In geistvoller Weise schilderte Herr Rabbiner das Wesen der wahren npn», welche sich sowohl als pnan npny, als auch als nvo npiy äußert. Ersprießlicher und segensreicher wirkt die nm npny, die Wohlthätigkeit vermittelt durch den Geist, deren Thätigkeit nie begrenzt oder beschränkt wird, durch welche unser Glaube gestärkt und gefestigt wird, durch welche jeder Einzelne, ohne Unterschied des Standes und Vermögens sich reiches Verdienst um die Verbreitung jüd. Denkens und Wissenserwerben kann, durch welche das kleinste Haus in Israel zu einem vpv snpa geschaffen wird, wenn der Vater seinem noch lallenden Kinde die Worte: rwB wb ms min cinprägt, während der {innn npix dem „Wohlthun" mit Geld und Gut, sowohl in materieller, als auch in temporärer Beziehung endliche Schranken gesetzt find. Alle Kräfte und Mittel der selbstlosen Betätigung einer nm npns zu weihen, darin bestehe die erhabene Aufgabe unseres Vereins, welcher nicht nur durch eifrige Pflege des Thorastudiums derselben gerecht werde, sondern auch durch die Gewährung finanzieller Mittel, die in der idealen Anlage zu Gunsten der Verbreitung religiösen Wissens wiederum in den Dienst einer nra npny treten. Welch' mächtigen Widerhall die trefflichen Ausführungen des Herrn Rabbiners in den Herzen aller Festtheilnehmer erregten, bewies der allseitige Wetteifer, welcher sich in der Vertheilung der Stipendien in der beträchtlichen Summe von nahezu 700 Mk., sowie in dem Interesse an dem wackeren Streben, der mit denselben bedachten jungen Leute, bekundete. Doch auch dem Wunsche aller Mitglieder, durch eigenes, eifriges Streben im Thorastudium der idealen Aufgabe auch ferner gerecht zu werden, gab Hr. Kantor Leb er mann Ausdruck, indem er, von der Nothwendigkeit der bestmöglichen Ausbildung der religiösen Anlage ausgehend, dem Vereine empfahl, sein Programm durch Förderung der jüd. Religionsschule, sowie durch die Sorge für die religiöse Fortbildung jener zahlreichen jungen Leute, welche der Schule entwachsen und in die Lehre zur Vorbereitung für den künftigen Beruf übergetreten sind, zu erweitern. Nur dadurch wird das religiöse Bewußtsein, dessen gewaltige Macht und hohe Bedeutung die miin-Tage so herrlich dokumentiren, wieder das feste Bollwerk für den Bestand unseres unveränderten, unverfälschten Ritus, und nur dadurch wird die künftige Generation gewappnet zum Kampf gegen innere und äußere Feinde. — Die Notwendigkeit der von dem Redner betonten Forderungen wurde allgemein anerkannt und vom Hr. Rabbiner Dr. Marx eifrigst befürwortet. Die demnächst unternommenen Schritte zu deren Verwirklichung werden beweisen, daß es dem Verein ernst ist mit der Erweiterung und unentwegten Verfolgung seiner Aufgaben. Bis in die späte Nachtstunde vereinigte ein solennes Festmahl alle Mitglieder, und als man sich trennte, gaben sich die Eindrücke des wohlgelungenen Festes in dem allgemeinen Vorsatze kund, der Sache des Vereins neue Anhänger und Gönner zuführen zu wollen, damit derselbe unter Gottes förderndem Beistände noch mehr erblühe und erstarke zur Erhaltung eines echt jüdischen Lebens in unserer Gemeinde, zur Pflege eifrigen Strebens im Studium der heiligen Lehre, sowie zur Bethätigung und Verbreitung wahrer Humanität.

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