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Der Israelit · 1892-01-21 · Heft 6 (21.1.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 6 (21.1.1892)
Date
1892-01-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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rüstigem Eifer zumDienste des gepriesenen und erhabenen Schöpfers." Diese Sätze sagen in ihrem Zusammenhang: So gewiß es einerseits ist, daß an dem Bewußtsein im Dienste Gottes mit allem Thun und Lassen zu stehen, der Spott und Hohn einer ganzen Welt machtlos abprallt, so gewiß ist es andererseits, daß wir diesen Spott nicht durch ostentatives Zurschautragen unseres Lebenswandels provociren sollen. Daß wir unsere jüdische Lebensaufgabe lösen, ohne Rücksicht auf den Spott und den Beifall unserer Umgebung, das bekundet sich eben in dem zurückgezogenen Lebenswandel, der sich vor Gott und nur vor Gott schämt von dem Pfade der Pflicht abzuweichen, und dem der Beifall und die Anerkennung Gottes so vollkommen genügt, daß ihm das, was andere darüber denken, vollkommen gleichgiliig bleibt. In dieser ausschließlichen Rücksichtsnahme auf Gott liegt auch allein die Garantie einer gewissenhaften Selbstcontrolle selbst für diejenigen Momente, die sich ewig der Kenntniß unserer Umgebung entziehen, die uns selbst auf unserem Ruhelager nicht verläßt, und uns zu dem rüstigen Eifer anspornt, sofort nach dem Erwachen, uns dem Dienst unseres Schöpfers zu stellen. Auch zur vollen Würdigung dieser Sätze ist ein Einblick in die Quelle, aus der sie geschöpft sind, von instruktivem Interesse. Sie findet sich am Eingang des dem Schulchan Aruch zu Grunde liegenden Werkes Turim: „Ben Tema lehrt: Sei fest wie ein Leopard, leicht wie ein Adler, schnell wie ein Hirsch und stark wie ein Löwe, den Willen deines himmlischen Vaters zu vollziehen". — Vier Dinge werden hier für. den Dienst des Schöpfers, gepriesen sei er, hervorgehoben und den Anfang bildet die kühne Festigkeit des Leoparden. Denn oftmals möchte Jemand eine Mizwa erfüllen, aber er läßt sich davon zurückhalten, wegen der Leute, die über ihn spotten; dcßhalb die Mahnung, daß du festen, kühnen Angesichts dich den Spöttern gegenüberstellst, und dich nicht zurückhalten lassest, deine Pflicht zu erfüllen. So hat auch Rabbi Jochanan ben Sackai seinen'Schülern gesagt: „Möchte eure Furcht vor dem Himmel so groß sein, wie euere Furcht vor Fleisch und Blut." Dasselbe gilt auch hinsichtlich der Scham. Manchmal schämt man sich vor Menschen mehr, als man sich vor dem Schöpfer, gepriesen sei er, schämt. Deßhalb die Mahnung, daß du mit kühner Festigkeit die Stirne erhebst gegen die Spötter und dich nicht schämst. So sagt auch David: „Ich will von deinen Zeugnissen vor Königen reden und mich nicht schämen." Obwohl er verfolgt und unter den Völkern flüchtig war, hielt er doch an seiner Thora fest und lernte sie, wenn man ihn deßhalb auch verspottete. — Wer will den Antheil ermessen, den gerade der Schulchan Aruch an der unbeugsamen Festigkeit hat, welche die in seinem Sinne Lebenden, lieber den Hohn und den Spott einer ganzen Welt ertragen läßt, als ein Titelchen ihres Gottesgesetzes den Götzen des Tages preis zu geben! Wie wären wir alle gefeit und erhaben gegen den Spott unserer Feinde, wie vermöchte keine Scham vor antisemitischer Rohheit jüdische Wangen zu röthen, wenn die Scham vor Gott unser Empfinden und Denken beherrschte, wie wären wir unerreichbar für alle Geschosse unserer Feinde, wenn dieser Geist des Schulchan Aruch wieder einzöge in die jüdischen Reihen, und der Verachtung der jüdischen Sache ihren Stachel nähme, unter dem doch gerade die Verächter des Schulchan Aruch am empfindlichsten leiden! (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten and Correfpoudenzen. Deutschland. Mainz, 18. Januar. „Judenthum als Handelsartikel oder die Reform unter sich" könnte man das Lustspiel nennen, das die „Israelitische Wochenschrift, eine allgemeine Zeitung des Judenthnms" diese Woche ihren Lesern vorgeführt hat. Gelegentlich der Kritik eines in Berlin unter dem Vorsitz der Herren Dr. Karpeles, W. Bambus, Dr. Hirsch Hildesheimer, des Predigers der Reformgemeinde Dr. Levin und Rudolf Mosse gegründeten Vereins werden auch die Berliner jüdischen Blätter erwähnt und die allgemeine Zeitung des Pseudo- Judenthums, wollte sagen die Pseudo Allg. Z. d. I. läßt sich über die wirkliche, d. h. erbberechtigte Allg. Z. d. I. wie folgt aus: „Es (das Organ der Berliner Neologie) liebäugelt bekanntlich aus geschäftlichem Interesse mit den verschiedensten Parteien, und darum auch mit der jüd.- nationalen; sein Hauptredakteur hält in den Kreisender letzten: Vorträge nach ihrem Geschmacke. Ob das im Sinne der Männer ist, die das Blatt nach dem Tode Philippson's hierhergebracht haben, scheint mir doch sehrfraglich. Uebrigens ist man es an dem Blatte schon gewöhnt, daß es in allen wichtigen Fragen bald nach der einen, bald nach der andern Seite hin schwankt, bald für, bald gegen Sabbat, bald für, bald gegen das Hebräische in Schule und Synagoge, bald für, bald gegen Speise- und Schlachtgesetze, bald für, bald gegen jüd. Weihnachtsbäume schreibt, daß es nicht Wunder nimmt, wenn die mehrköpfige Redaktion auch in der jüd. Nationalitatssrage keinen festen Standpunkt einnimmt. „In der Festrede zur Makkabäerfeier der Jüdisch- Nationalen Esra'ner — so schreibt uns ein aufmerksamer Zuhörer — hat Herr Dr. Gustav Karp eles allen Nationalen gezeigt, daß sie noch lange zu thun haben werden, um so chauvinistische Patrioten zu werden, wie Herr Dr. K. Er sagte wörtlich: „Erst waren wir or-

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