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Der Israelit · 1892-01-21 · Heft 6 (21.1.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 6 (21.1.1892)
Date
1892-01-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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94 alle Volkskreise zur Nacheiferung des Beispiels seiner hervorragenden Männer begeisterten. Daß diese Anschauung aber keine willkürlich in den Schulchan Aruch hinein interpretirte ist, daß sie seinen Verfassern als das von ihnen angestrebte Höheziel vorgeschwebt hat, das bezeugt eben die Uebeischrifr Ten hji^> tpup und die daran gereihten Ausführungen des Moreh. Während aber dort die Erreichung dieses Höheziels, das gänzliche Aufgehen in Gott, nur wenigen Ausgewählten zugetraut wird, steht es hier als Wegweiser an dem „Weg des Lebens" ausnahmslos für alle, die ihn zu wandern berufen sind. Er nennt sich „den Weg des Lebens", den Weg, der zum wahren Leben führt. Jede einzelne Mizwa, deren gewissenhafte Erfüllung uns darin gelehrt wird, bringt uns einen Schritt jenem höchsten Leben näher. Und diejenigen, welche sich der Aufgabe unterzogen, uns diesen Weg anzulegen, sollten das Leben nicht gekannt haben, dessen Erreichung das einzige Ziel ihres Unternehmens war? Wahrlich es braucht Jemand noch nicht auf dem Niveau der Verächter des jüdischen Pflichtenlebens zu stehen, dessen einzelne Bestimmungen der Schulchan Aruch lehrt, es kann Jemand sogar aufrichtig bestrebt sein, allen seinen Anforderungen gewissenhaft zu entsprechen, ohne die Gedankentiefe und die Höhe der Lebensanschauung zu ahnen, welche in diese schlichten Worte niedergelegt ist, mit welchen hier die Conscquenzen aus dem Satze "von nab ‘i Tmp uns entgegen treten, liegt doch selbst zwischen der Kenntniß dieser Wahrheiten und ihrer Anerkenntniß, zwischen ihrem Wlssen und dem ernsten Vorsatz sie nun auch im eigenen Leben verwirklichen zu wollen, eine weite, tiefe Kluft. Es kann Jemand Jahre, Jahrzehnte, ein ganzes Leben lang, gehört, gelernt und gelehrt haben, daß es einen Gott giebt, daß er allgegenwärtig, allmächtig und allwisiend ist, cs kann Jemand die sublimsten Sätze der Moral und Ethik an den Fingern herzählen, und das allts kann wie ein todter, unfruchtbarer Schatz unverwerthet, ohne Einfluß auf unser Thun und Lassen in einem entlegenen Herzenswink.l daliegen. Aber wenn mitten unter den Pflichten, für deren Elsüllung wir Hand und Fuß rühren und unsere ganze Energie entfalten müssen, die philosophische Wahrheit von dem persönlichen Gott alles metaphysischen Beikrams entkleidet, uns in ihrer ergreifenden Wirklichkeit, in schlichter Form und Sprache entgegentritt, wenn uns gesagt wird, Gottes Majestät steht vor dir, neben dir, über dir, sie ist Zeuge jeder Bewegung, jeder Hantierung, jedes gesprochenen, und jedes zurückgehaltenen Wortes, dann ergreift einen erst in Wahrheit die Gottesfurcht, die Unterordnung unter und die Scheu vor Gott und man schämt sich schlecht zu sein, und schlecht zu handeln. Der Gedanke ist unwiderstehlich für jeden, der ihn einmal in seiner ganzen Tiefe erfaßt hat; der Augenblick, in welchem er in einer Menschenbrust lebendig wird, bedeutet einen Wendepunkt für das ganze Leben. Als uns eben das Gesetz Gottes gereicht worden war und sein Besitz uns hoch als Wahrzeichen für die gesammte Menschheit über dieselbe hob, mit dieser Erhebung aber auch der Neid und der Haß einer ganzen Welt gegen uns rege wurde, damals wurde uns gesagt, daß wir diesen Wahn nicht zu fürchten hätten, so lange die Furcht Gottes vor unserem Angesicht derart sei, daß wir nicht sündigen. oan« moj naya^ ’d urrn ha nyn ntrn -idn’i .‘Ntsnn ’r6:6 ds’jd by id.xt n\-in “naym 'an *o (II. B. M. 20. 17.) Diese Furcht vor Gott, die wie ihr Name rwn* besagt, Gott immer vor sich sieht — w tdd nub — wurzelt, wie die Weisen anmerken, nicht in der Aussicht ans himmlischen Lohn, nicht in dem Gedanken auf eine strafende Vergeltung, sondern in der Scham vor Gottes Blick schlecht zu sein. Diese Scham führt zur Sünden-Scheu, diese Scham adelt den, den sie erfüllt, von ihr beherrscht fehlt so leicht keiner, sie ist specifisch jüd. Stammeseigenthümlrchkeit vom Sinai her, wo Gottes Herrlichkeit der ganzen Gesammtheit sichtbar wurde. ,w&nn ’rto nana n ,oays by wto* rrnn maya ('n 'a tnu) 'oi nss yoo Nun nm’ n Wie die Gottesfurcht jede Menschenfurcht ausschließt, so hebt der Adel der Gesinnung, welcher sich in der Scham vor Gott bekundet, uns über den Spott derjenige!», die diese ganze auf Gott gerichtete Lebcusanschaunng als überspannte Thorheit belächeln. So lange wir uns unserer Obliegenheiten vor spottenden Menschen noch schämen, so lange erfüll! uns die Scham vor Gott nicht. — An die Mahnung Ton udd manai der beständigen Scham vor Gott knüpft daher der Schulchan Aruch die daraus abgeleitete Conscquenz: v'rn rrnaya □yytan d-in ya yso »«an» >6i »in ’o ysV y-p laapo by laraci ru^ yjana oj .r6ym -pan» ltnia rrray1? mma mp' iruffo “ny’tto tdi „Man schäme sich nicht vor den Menschen, die einen verspotten bei dem Dienste Gottes, gepriesen sei er. Aber auch hier beobachte man einen zurückgezogenen Wandel. Selbst wenn man auf seinem Lager ruht, wisse man vor wem man daliegt und sofort, wenn man vom Schlafe erwacht, erhebe man sich in

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