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Der Israelit · 1892-01-21 · Heft 6 (21.1.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 6 (21.1.1892)
Date
1892-01-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIII. Aahrgang. Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orlhodoXe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den SL Januar 5652 (1892). Leitender Artikel. Iur Würdigung des SchulchanAruch. Von Bezirks-Rabbiner Dr Ehrmann in Baden (Schweiz). V. In den im vorigem Capitel citirten Stellen aus dem More Nebuchim des Rambam wird aus den Worten Ton hju!? yviip „Ich stelle mir Gott beständig gegenüber", ein Lebensideal entwickelt, dessen vollendete Höhe nur selten erreicht wird, und das außer von den Stammvätern und unserem Lehrer Moscheh vielleicht niemals erreicht wurde. Wenn nun auch in den excerpirten Sätzen sich die Bemerkung findet, daß kein anderer sich zur Höhe dieser Stufe erheben könne, so soll damit gewiß nicht jedem Einzelnen die Möglichkeit abgesprochen werden jene Vollendung zu erlangen, sondern nur die Schwierigkeit veranschaulicht werden, dieses Ziel zu erreichen. Sagt doch Rambam ausdrücklich an anderer Stelle: „Laß in dir nicht den Gedanken aufkommen, dem die Thoren unter den Völkern der Welt und auch viele ungebildete Israeliten das Wort reden, Gott habe nämlich schon über den Menschen bei Beginn seiner Schöpfung bestimmt, ob er gerecht oder schlecht werde; so nicht. Jedermann kann ein Gerechter wie uns er Lehrer Mos cheh und ein Frevler wie Jerobeam werden."') Um nun dieses Ideal auch nur insoweit zu verwirklichen, wie es hier jedem vernünftigen Manne als möglich bezeichnet wird, um das Bewußtsein von Gott nie aus dem Sinne zu verlieren, und das Band zwischen ihm und dem zu ihm cmporblickenden Sterblichen immer inniger zu knüpfen, wird hier nachdrücklichste die gewissenhafte Ausübung aller einzelnen Gebote als das einzige Mittel erklärt, und nachgewiesen, wie dies der ausgesprochene Hilchoth Teschuba V, 2. Zweck aller uns vorgeschriebenen gottesdienstlichen Handlungen ist. Nach dieser Voraussetzung erscheint der ganze Gegensatz hinfällig, den man sonst zwischen den Anforderungen findet, welche das Judenthum an unsere That und andererseits an unser Gedanken- und Gemüthsleben stellt. Jene stehen im Dienste dieser und diese werden von jenen getragen. Um Gott nachzuwandeln, um gerecht, wahr, liebevoll und barmherzig seinem erhabenen Vorbilde gemäß zu werden, muß man dieses Vorbild stets vor Augen haben. Um den Blick von allen weltlichen Zerstreuungen ab- und Gott zuzuwendeu, sind uns Gebet, Zizis, Tefillin, Mesusa und alle jene Pflichten vorgeschrieben, deren gewissenhafte bewußtvolle Aussübrung uns unablässig auf Schritt und Tritt so lange auf Gott hinweist, bis uns die Richtung und Hinneigung zu Gott durch die fortgesetzte Uebung zur Gewohnheit, zur zweiten Natur geworden ist und Gott für unser Denken und Empfinden und dem daraus resultirendeu Wirken die alleinige Norm unseres Thuns und Lassens geworden ist. Was demnach die Verächter des Schulchan Aruch diesem zum Vorwurf machcn, daß er sich lediglich auf die Darstellung der Pflichten beschränkt, welchen wir durch äußere Handlungen zu genügen haben, daß er aber die sogenannten Herzenspflichten, die Lehren von der Einheit Gottes, der Gottesfurcht und -Liebe, kurz alles das, was wir als Moral und Ethik bezeichnen, gar nicht, oder doch nur in sehr spärlichem Maße ausgenommen hat, das erscheint nach allem bisherigen vollständig hinfällig. — Gerade in dieser Beschränkung auf die ni'ffyo mso, auf die durch äußere Handlungen zu erfüllenden Pflichten, hat er deren hohen Werth zur Erfassung und Bethätigung der höchsten Wahrheiten gewürdigt, hat er es bewirkt, daß diese höchsten Ideale, keine Ideale bleiben, indem sie sich in philosophische Speculationen verflüchtigen, sondern daß sie feste Gestalt in dem Leben und Wirken der 'nh ’jd1? iw oyis annehmen, und

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