Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 5 (18.1.1892)
- Date
- 1892-01-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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84 erkauft und Mancher ist ihnen schon zum Opfer gefallen. Es sind eifervolle Leute, gegen die ich nicht gerne agitirend austrete. „Besteht aber diese Judendirne alle Gefahren des weiten Weges und kommt sie krank und erm üdet nach Hause, so wird ihr sicherlich dadurch alle Lust vergangen sein, vor meinem Herrn davon zu laufen und er wird endlich ihren Widerstand besiegen." So dachte jener Biedermann, und seine Rechnung erwies sich als richtig. Die Qualen, die das edle, junge Mädchen auf dem Wege zu erdulden hatte, waren furchtbar; aber mit ihrem natürlichen Muth, ihrer Tapferkeit und Entschlossenheit hatte sie alle Schrecknisse der Nacht glücklich überwunden und war in das Haus ihres Pflegevaters zurückgelanat. Theils von dem Gutsverwalter, theils von Rosa selbst erfuhren nun die Familien giicder all' das Entsetzliche, das sich auf dem Dorfe ereignet hatte. Kam doch auch noch an demselben Vormittage Kolascheff in das Haus der Juden, um sich seine Rubel zu holen, die er durch die gelungene Befreiung der Pflegetochter des reichen Mannes so wohl verdient hatte. Beträchtlichen Lohn gab ihm sowohl Alexci, als namentlich Afka; denn Kolascheff sagte, daß ihn nur die bekannte Freigiebigkeit des Fabrikherrn dazu vermochte, jenes gefährliche Wagestück zu unternehmen. Der brave Mann zeigte sich dankbar für das Packet Geldscheine, das ihm die Juden übergaben, und erzählt ihnen schreckliche Dinge von der Rohheit und Gemeinheit jenes Starosten. Er verwarnte sie nachdrücklich, um des Himmels und aller Heiligen Willen, Rosa nicht mehr aus dem Hause zu lassen, denn bei der jetzigen Trunkenheit und Lüsternheit der Bauern sei eine solch' schöne, junge Dame überall in Gefahr, aus welchem Dorfe sie sich auch immer befinden möge. Rosa sei nirgendwo besser aufgehoben, als in der Stadt, wo die Männer des Hauses sie stets zu bl wachen vermöchten und wo der edle Gouverneur ihr - gewiß den vollen Schutz angedcihcn ließe, dessen sic bei ihrer Schönheit so sehr bedürftig wäre. Alexei sowohl als Afka sahen vollständig ein, wie wohlbedacht der Rath jenes braven Mannes war, der den Muth gehabt halte, das geliebte Wesen aus solch' grauenhafter Gefahr zu retten. Sie beschlossen, von nun ab Rosa überhaupt nicht mehr aus dem Hause zu lassen, außer in ihrer eigenen Begleitung; denn das hatten sie nun wohl gemerkt, daß die so sehr Geprüfte nirgendwo sicherer gegen Nachstellung sein könne, als in dem Wohnhause bei den Lipki. Noch an demselben Tage zog Alexei Chaimowitsch Gcsellschaftskleiduug an und fuhr, mit reichlichen Geschenken versehen, zu dem Gouverneur. Dieser empfing ihn zwar sehr ungnädig, dennoch aber versprach er gegen den übermüthigen Starosten von Slobotka Untersuchung zu führen und die Pflegetochter Alexei's auch in der Stadt vor allen Nachstellungen zu schützen, falls sie nicht selbst durch freches und kokettes Benehmen die Herren geradezu herausfordern würde. In der That wurde schon nach einigen Tagen eine Verhandlung gegen den Starostcn eingeleitet mrd es schien, daß ihn schwere Strafe wegen dieser unerhörtcnUeberschrcitung seiner Amtsgewalt bedrohe. Nach kurzer Zeit war Rosa wieder genesen und nichts Verdächtiges hatte sich in den zuletzt vergangenen Tagen gezeigt. In der unendlichen Freude, nun wieder vereint zu sein, gab sich das Brautpaar dem Glücke der jungen Liebe hin und Ruhe und Frieden schienen endlich ihre Rückkehr in das Haus der Juden zu halten. So war der Vogel wieder im Neste, der vornehme Jäger hatte seinen Falken abgerichtet und die wilde Jagd konnte beginnen. (Forts, folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags nnd Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland nnd Oesterreich 12 Reichs Mark, für s Ansland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vicrteljährig. Alle Bnchhandlnngcn nnd Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel In beziehen bei E. F. Stcrnacker. Leipzig, Doßplvh 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaitene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Eours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., sür's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Zur Würdigung des Schulchau Aruch. Von Bezirks-Rabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). (Fortsetzung.) — Zeitung snachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Aus Baden. — England: London. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Günstling. 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