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Der Israelit · 1892-01-18 · Heft 5 (18.1.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 5 (18.1.1892)
Date
1892-01-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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79 Zweck erreichst, gehörst vielmehr eher zu denen, von welchen es heitzt: (Jer. 12. 2.) „Ihrem Munde bist du nah, ihrem Sinne aber weit entfernt." — Nunmehr will ich dir einige Lehren mittheilen, bei deren Anwendung du zu dem erhabenen Zwecke gelangen kannst. Den Anfang sollst du damit machen, daß du beim Lesen des Schma oder beim Gebet deine Gedanken von jedem Gegenstände ablenkst und diese Sammlung des Gemüths keineswegs auf den ersten Vers des Schma oder den ersten Segensspruch des Gebets beschränkst. Und wenn du dich durch vieljährige Uebung daran gewöhnt hast, sollst du dann deine ganze Geisteskraft dazu verwenden, daß du alles, was du in dem Gesetze liesest, oder was du aus demselben hörest, genau und gründlich verstehest.-Wenn du diese gottesdienstlichen Handlungen mit geläutertem Geist vollziehst, d. h. wenn du es dahin gebracht hast, daß du während ihrer Ausübung deine Gedanken von allen weltlichen Bestrebungen rein hältst, dann lasse es dir auch angelegen sein, daß die Erringung der Bedürfnisse oder gar der entbehrlichen Genüsse deine Seelenkraft nicht allzusehr in Anspruch nehme.- Hingegen während der Ausübung der gesetzlichen Handlungen soll sich dein Geist mit nichts anderem als mit diesen beschäftigen, wie wir bemerkten. Ebenso wenn du in der Einsamkeit bist oder wachend auf deinem Bette ruhst, laß es dein angelegentlichstes Bestreben sein, daß in diesen kostbaren Stunden nichts anderes deine Gedanken, als jener geistige Gottesdienst beschäftigt, nämlich das Streben dich Gott zu nähern und mit ihm in Verbindung zu treten, was nur auf dem wahren, von mir angegebenen Wege, nicht vermittelst Trugbilder der Einbildungskraft zu Stande kommen kaun. Zu diesem Ziele, vermag nach meiner Ansicht jeder vernünftige Mann auf dem erwähnten Wege der Gewöhnung zu gelangen. Wenn es aber ein einzelner unter den Menschen durch die Erkenntniß der Wahrheit und die heitere Stimmung, in welche ihn dieselbe versetzt, dahin bringt, daß er selbst in der Zeit, in welcher er sich mit den Menschen unterredet und seine körperlichen Bedürfnisse besorgt, mit dem ganzen Geiste bei Gott ist, und mit dem Herzen beständig bei ihm weilt, obwohl er dem Körper nach unter den Menschen ist, wie es in den Gleichnisfen des hohen Liedes heißt, die darauf Hinweisen-so ist dies keineswegs die Stufe aller Propheten, sondern die unseres Lehrers Moscheh.-Auch war dies die Stufe der Väter, Abraham, Jizchak und Jakob, welche in eine so innige Verbindung mit Gott traten, bau durch sie der Name Gottes bekannt wurde. Und weil sie auch mit der ganzen Kraft ihres Geistes nach Erkenntniß Gottes strebten, schloß Gott mit einem jeden von ihnen einen besonderen Bund. Denn es ist bekannt durch das Zeugniß der Schrift, wie diese vier Männer, die drei Stammväter und Mosche unser Lehrer, sich ganz Gott widmeten und wie ebenfalls die Gottheit über sie und ihre Nachkommen mit besonderer Fürsorge waltete. Nun hatten sie zur Berufsaufgabe die Regierung über Menschen, die Verwaltung ihres Vermögens, ihrer Viehheerden und die Behauptuug ihres Ansehens. Dies dient mir zum Beweis, daß sie diese irdischen Beschäftigungen blos mit dem Körper verrichteten, während ihr Herz und ihre Gedanken sich nicht von der Gottheit abwendeten. -Zur Höhe dieser Stufe aber kann sich kein anderer empors.'chwingen, sondern nur die jStufen erreichen, die wir vorher erwähnten und zwar durch beharrliche Vorbereitung und durch flehentliches Gebet zu Gott, daß er die Scheidewand wegräume, welche uns von ihm trennt, obwohl diese sich größtentheils durch unsere eigene Schuld aufthürmt.- -Das Sitzen, die Bewegung und die Handlungen des Menschen sind anders, wenn er sich allein in seinem Hause befindet und anders wenn er vor einem großen Könige erscheint, anders ist sein Reden und das bloße Oeffneu seines Mn «des, deren er sich bet seinen Hausgenossen und Verwandten bedient, und anders, die er in Gegenwart eines Königs gebraucht. Wer daher nach der wahren menschlichen Vollkommenheit und nach der Würde eines wahren, göttlichen-Namens strebt, der möge, erwachend von dem Schlafe, in den er versunken, beherzigen, daß die Majestät des Königs, die ihn beschützt und stets in seiner Nähe weilt, die aller irdischen Könige, selbst die Davids und Salomos überstrahlt.- -Beherzige sehr diese Lehre und merke dir ferner, daß ebendieselbe den frommen Männern auch die Gefühle der Demuth, Ehrerbietung und Gottesfurcht eiuflößt, so daß sie mit wahrer, nicht aber eingebildeter Scheu vor Gott erfüllt werden und sich im geheimstet!, geschlechtlichen Verkehr sich zu demselben ehrbaren Anstand verpflichtet halten, den sie öffentlich in der Gesellschaft der Menschen beobachten.-Auch weißt du, wie sie uns warnen, vor dem Einherschreiten mit hoch empor gereckten Halse, weil es heißt: „die ganze Erde ist voll seiner Herilichkeit." (Jesaja 6. 3.) Durch diese Handlungen sollten die Menschen sich einprägen die Wahrheit der von mir dargestellten Lehre, daß wir stets vor Gott und in der Gegenwart seiner Majestät wandeln. — —

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