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Der Israelit · 1892-01-18 · Heft 5 (18.1.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 5 (18.1.1892)
Date
1892-01-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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78 seine hervorragenden edlen Geister zu Sendboten, zu Bahnbrechern des Göttlichen im Kreise der Menschheit geweiht, zu D’:&in -,wN D'pHSJ, die durch ihre beispiellose Hingebung an Gott, so lange und so eindringlich der ganzen Menschheit, die Größe Gottes, für den sie ein Martyrium sondergleichen ertragen, nahe legen, bis ihnen alle Enden der Erde Heeresfolge leisten. Um ein solches Höheziel zu erreichen oder auch nur anzustreben genügt es freilich nicht das „Gott beständig vor Augen zu haben" als schöne philosophisch-theologische Redefloskel zu behandeln. Mit seinem Wort ist Gott tatsächlich selber von seinen Himmelshöhen in den Kreis sterblicher Menschen herniedergestiegen. Nicht in ungeahnten Himmelshöhen, sondern bei uns, um uns, in uns waltet Gott. Er steht mit den ihm dienenden Sterblichen auf einem und demselben Boden, und 'i 'nw Tön hjiÄ heißt wörtlich: Ich habe Gott, mir gegenüber, auf das gleiche Nievau gestellt — beständig. Ton ist die Consequenz von »mw. Ist Gott factisch da. wo ich bin, dann bin auch ich beständig vor Gott, dann vollziehen sich mein Schlafen und Erwachen, mein Denken und Fühlen, selbst die gewöhnlichsten, sinnlichsten Verrichtungen, wie dke höchste, edelste That vor Gott, uns hat Gott zum Zeugen, und alles hat sich nach seinem Willen zu vollziehen. — Dann begreift sich die Consequenz. welche aus dieser Thatsache mit folgenden Worten nun gezogen wird: [vtp Nim vpoyi vniyuni dinh nw 1'N '2 ramm rai n^i 5ru Nim rpoyi rmyuni ira'L"2 ■pen nara vanpi lma ’iwn dj? Nim uisro vs iL'N rrapn ■pcrw iat> \n cinh nwun p» “löNjty loa vtpyra riNim vby nciy maa jnNn?a n?d iPn JPJ’ to 'n dnj unin N> *jni cnnDoa L"N inv' EN .Tön ücö inBnai n"’pn "iriEn njranm hnth „Das Sitzen, die Bewegungen und die Thätigkeiten eines Menschen sind anders, wenn er sich allein in seinem Hause befindet, und anders vor einem großen König. Anders ist das Reden und sebft das bloße Oeffnen des Mundes bei seinen Hausgenossen und Verwandten und anders das Reden vor einem König. Wenn man sich nun ganz zu Herzen nimmt, daß der große König, der Heilige gelobt sei er, von dessen Herrlichkeit die ganze Erde voll ist, daß er über jedem steht nnd seine Handlungen sieht, wie es gesagt ist: „wenn sich Jemand in den geheimsten Orten verbergen wollte, würde ich ihn dann nicht sehen, ist der Spruch Gottes?!", dann gelangt man sofort zur Furcht, zur Zerknirschung und Scheu vor Gott, gesegnet sei sein Name und man schämt sich vor ihm — beständig." Wenn man die Bedeutung dieser Sätze in ihrer ganzen Tiefe würdigen will, muß man sie an der Quelle, aus der sie geschöpft sind, aufsuchen. ES ist dies der More Nebuchim, dessen Ausführungen hier wörtlich im Auszuge folgen mögen *): „Ich habe erklärt, daß die Vernunft, welche Gott auf uns ausströmt, das Band zwischen uns und ihm bildet. Bet dir steht es aber, dieses Band zu befestigen, und bei dir steht es, dasselbe allmählich zu schwächen, daß es sich auflöst. Befestigt wird dieses Band, wenn du dich desselben bedienst zur Liebe Gottes, und nach ihr strebst, wie wir erklärten. Geschwächt wird es, wenn du deine Gedanken auf etwas außer Gott richtest. Wärest du nun (merke dir) von allen Menschen der einsichtsvollste in der wahren göttlichen Erkenntniß, so hast du doch, wenn du deine Gedanken auf irdische Dinge wendest, z. B. auf Speise und Geschäfte, das Band zwischen dir und ihm aufgelöst, und du bist ihm und er dir nicht mehr nah. Denn das Verhältntß zwischen dir und ihm wurde in diesem Augenblicke thatsächlich aufgehoben. Darum haben sich die frommen Männer die Zeit genau zugemessen, in welcher sie nicht an Gott denken könnten; ermunterten dazu und erklärten den Vers (3. B. M. 19. 4.) Lasset Gott nicht aus euren Gedanken. Auch David sagt (Psalm 16. 8.): „Ich habe mir Gott beständig vor Augen gestellt, denn er ist meine Rechte, und ich kann nicht wanken," d. h. ich wende meine Gedanken nicht von ihm weg, er ist mir gleichsam die rechte Hand, deren der Mensch wegen der Leichtigkeit ihrer Bewegung keinen Augenblick vergessen kann, darum wanke ich nicht, d. h. ich gehe nicht zu Grunde. Merke dir ferner, daß alle gottesdienstlichen Verrichtungen, als das Lesen im Gesetze, das Gebet, und die Ausübung der übrigen Verordnungen keinen anderen Endzweck haben, als daß man durch die Beschäftigung mit den göttlichen Geboten den Geist von weltlichen Dingen abziehen soll. Du mußt dann gleichsam mit Gott selbst umgehen und die Gedanken von jedem andern Gegenstände wegwenden. Wenn du daher betest, zwar mit bewegten Lippen und mit nach der Wand zugekehrtem Gesichte, und denkst an Kauf und Verkauf; oder wenn du das Gesetz liesest mit deinem Munde, während du ohne Aufmerksamkeit auf das Gelesene mit deinen Gedanken bei deinen Gebäuden bist, oder wenn du jedes Gebot bloß mit deinen Gliedern vollziehst, wie man beim Graben einer Grube oder beim Holzfällen im Walde die Handlung ohne Rücksichtsnahme thut weder auf den, der sie geboten, noch auf den Zweck, der beabsichtigt ist-, wenn du, sage ich, so verfährst, so glaube nicht, daß du den 1) III. Th. Cap. 51. u. 52.

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