Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 4 (14.1.1892)
- Date
- 1892-01-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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67 Conüt6 in dem Sitzungssaal der jüdischen Cultus- Gemeinde eine allgemeine Versammlung cinberufen, zu der mehr als 500 Personen erschienen. Nach längerer Discussion, an welcher sich auch der Reichstags-Abgeordnete Moriz Wahr mann, der Präsident der jüdischen Gemeinde zu Budapest, zustimmend betheiligte, wurde aus Vorschlag des Präsidenten, Advocatcn Dr. Moriz Mezci, beschlossen, ein Actions-Comittz zu entsenden, welches auf Grund eines in der Versainmlnng zur Verlesung gelangten Memorandums die betreffende Petition auszuarbeiten haben wird. Von verschiedenen Rednern wurde betont, mit der im Jahre 1867 beschlossenen Emancipation der Juden sei die Frage d-er Gleichberechtigung 'ins Stocken gerathen und, trotzdem die Israeliten Ungarns sich den verschiedenen nationalen und culturcllen Bestrebungen aufs innigste angeschlossen haben und den zahlreichsten Factor der Magyarisirung bilden, mutzten sie es sich bisher gefallen lassen, ihre Confession blos als eine geduldete ausehen zu lassen. Die Aufnahme in die Reihe der recipirten Religionen hat auch wichtige rechtliche Folgen. In den verflossenen Jahren, so wurde hervorgehoben, inmitten der reartionären Strömung, wäre es inopportun gewesen, diese Bewegung einzuleiten; jetzt aber sei die rcactionäre Strömung vorübergerauscht und die höchste Zeit, die Frage der Recipirung in Fluß zu bringen. Das entsendete Comitö wird sich durch geeignete Kräfte ergänzen. Die Agitation wird nunmehr im ganzen Lande organisirt werden. Auch in Loso n cz hat eine Versammlung der dortigen Juden stattgefunden, welche denselben Zweck hatte. Es wurde einstimmig eine Resolution angenommen, daß die Juden während der bevorstehenden Wahlen nur solchen Candidateu ihre Stimmen geben werden, welche erklären, daß sie Anhänger der Religionsfreiheit sind und für die vollständige Gleichstellung sümmtlicher Eonfessionen im Eherecht, in der Gemeinde-Organisation und in Bezug auf den Uebertritt von einem Bekenntnisse zum andern ihren ganzen Einfluß auf bieten und für diese Forderungen stimmen wollen. Die Resolution fordert die Abschaffung der Gesetze, welche den Uebertritt vom Ehristenthum zum Judenthum verbieten. A r a b i e u. Wadi^Bedr, Sinai 16. Dez. Ter Unterzeichnete, ein -xhurganer, christlicher Religion zog voriges Jahr nach dem Sinai, um hier eine Station für naturwissenschaftliche Forschnngsreisende zu gründen. Gelegentlich mache ich kleinere und größere Exkursionen ans die Sinaihalbinsel und komme so heute z. B. gerade vom Ras Mohamed zurück. Ter „Israelit" ist mir durch meine jüdischen Frennde in der Schweiz bekannt und muß ich Ihnen über diese letztere Exkursion einige Notizen einsenden, denn was ich dort gesehen, ist zu in- ■ teressant, als daß cS nicht veröffentlicht werden sollte. , Bor vier Tagen, am 15. Dezember, ritten meine Frau und ich nach der Südspitze der Sinaihalbinsel, um einige Tage zu botanisiren. Nach ermüdendem Ritte kanten wir am 16. Dezember bei Scherm an, und stießen hier ganz unverhofft auf ein europäisches Lager, in welchem wir bald nach unserer Ankunft freundschaftliche Aufnahme fanden und uns llm so heimischer fühlten, als da deutsch gesprochen wurde. Es lag ein kleiner Dampfer vor Anker, und zwei arabische Segelschiffe waren zur Ausbesserung ans dem Fahrwasser gebracht. Am Strande waren sechs große Zelte aufgeschlagen, und eine Unmasse von großen Kisten, Ballen und kleinen Gepäckstücken, die neben dem Lager sich befanden, ließen mich gleich crrathen, daß wir cs mit einer Touristengesellschast zu thun hatten. Ter Kapitän des Dampfers sah uns aureiten und erfuhr dann durch anwesende Beduinen, daß wir Germanen wären. Kaum hatten wir das Feuer angefacht, um unser Mittagbrod im Sande zu backen, als die Herren Kapitän und erster Steuermann auch schon zu uns heraukamen und sich als deutschsprechende Triestiuer vorstellten. Nach kurzer Unterhaltung baten uns die Herren, ihnen ins Lager zu folgen, wo wir alsbald dem Unternehmer und Führer der Expedition, einem Herrn Fricdmann vorgestellt wurden. Die Mannschaft mußte sofort ein Zelt für uns aufschlagen, cs folgte eine fürstliche Bewirthnng und der Ehef der Expedition, Baron von Seebach, stellte uns neben allem möglichen Komfort selbst einen Diener zur Verfügung. Im Lause des Gespräches erkundigte ich mich vorerst über den Zweck der Expedition und erfuhr dann Folgendes: Herr Friedmann, norddeutscher Protestant von jüdischer Abstainmnng, beabsichtigt für die in Rußland ansgewiesenen Inden an der Nordküste von Arabien eine neue Heimath zu suchen. Er will mit den dortigen Bedninenschechs in Unterhandlung treten und diese gegen Verabfolgung von angemessenen Geschenken um Protektion der armen Inden sowie um Abtretung kleiner Landstücke ersuchen. Wenn dieses erreicht wird, wird Herr Friedmann etwa fünfzig solcher russischer Juden mit Mitteln versehen, sich Häuser zu bauen und Gewerbe zu treiben. Die Art und Weise wie Herr Friedmann zur Erreichung seiner Ziele vorgcht, ist eben so nachahmnngswürdig, wie feine Menschenfreundlichkeit. Er warb zwei deutsche Soldaten an, die mehrere Jahre in Ostasrika gedient und hier viele Feldzüge mitgemacht hatten, denen also ein heißes Klima nichts mehr anthun wird, und die nun mit den .Kriegskniffen der Wilden ziemlich vertraut sind. Ein Mediziner, ein Chemiker und ein Bantechniker, alle auch deutsche Christen, sind als weitere Mitglieder der Expedition engagirt. Herr Baron von Seebach hat die Mannschaft unter sich, die ans 21 oder 22 russischen Juden, meist sehr jungen Leuten, sich rekrntirt. Bei der Auswahl der Inden richtete Herr Fricdmann sein Augenmerk hauptsächlich darauf, nur Leute zu bekommen, die an schwere Handarbeit gewöhnt sind, und auch Militärdienst gemacht haben. Um die Mannschaft zu sichten und an die zukünftigen Strapazen allmälig zu gewöhnen, plante Herr Friedmann, mit derselben von Suez aus durch die Wüste bis ans Ras zu ziehen. Dieses Vorhaben schei-