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Der Israelit · 1892-01-14 · Heft 4 (14.1.1892) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 4 (14.1.1892)
Date
1892-01-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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66 Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Berlin, 12. Januar. In der heutigen Sitzung des deutschen Reichstags entspann sich bei der Verhandlung über den Antrag des Abg. Baumbach für Gewährung von Diäten aus Reichsmitteln für die Mitglieder des Reichstags eine längere Debatte über den Anisemitismus. Wir unterlassen es, auf dieselbe näher einzugehen, da die Herren Stöcker und Pikenbach nichts anderes als die längst bis zum Ueberdruß abgenützten Redensarten vorzubringen im Stande waren. F. München, 12. Januar. Wie ich Ihnen zu meiner Freude mittheilen kann, hat Herr Pfarrer Frank, der Verfasser der judenfreundlichen Broschüre „Christen und Juden" von Sr. Kgl. Hoheit dem Prinz-Regenten ein höchst gnädiges Anerkennungsschreiben erhalten, auch andere hochgestellte Persönlichkeiten, namentlich hohe Würdenträger der katholischen Kirche haben sich Herrn Frank gegenüber mündlich und schriftlich sehr zustimmend geäußert. An- Baden. Die „Neue Deutsche Zeitung" (Leipziger Tagesanz.) schreibt in Nr. 281 in einem an den Bauernstand gerichteten Hetzartikel, überschrieben „Ein Wort an Deutschlands Bauern" : „Was helfen mir die Advokaten? Die schwätzen in ihren Sack." Ihr könnt es daran sehen, daß im Wucherprozeß zu Offenburg, wo ein halbes Dutzend jüdischer Halsabschneider kürzlich die verdiente Strafe fanden, diese Erzspitzbuben, welche die Bauern um Hab und Gut gebracht haben, so beredte Anwälte gefunden haben, daß sogar einer sagte: „Meine Herren, hier sitzen fünf Ehrenmänner." Die einem Offenburger Anwalt in den Mund gelegte Aeußerung ist von A. bis Z. erlogen und wurde von dem Correspondenten des oben erwähnten Blattes in schwindelhafter Absicht erfunden, um damit den Bauernstand gegen die Juden aufzuhetzen. Diese Entgegnung erfolgt deshalb nicht mit schlichten Worten, um dem betr. Correspondenten Gelegenheit zu geben, entweder seine einem Anwalt in den Mund gelegte Aeußerung vor Gericht zu beweisen, oder den Zeitungslesern zu zeigen, daß dieser Correspondent nicht den Muth hat, seine Lüge vor Gericht zu vertreten. Dieser lügenhafte Correspondent weiß von jüdischen Halsabschneidern zu berichten. Jude und Halsabschneider sind ihm identische Begriffe. Daß mit den jüdischen Halsabschneidern die christlichen Halsabschneider Gärtner Joseph Jsenmanu von Oberktrch, Handelsmann Johann Ackermann von Schmieheim, Schmied Andreas Roser von Ottoschwanden verbunden waren und deshalb zu empfindlichen Zuchthausbezw. Gefängnißstrafen verurthetlt wurden, das unterläßt die für Wahrheit und Recht streitende „Neue deutsche Zeitung" ihren Lesern mitzutheilen, weil es nicht in ihren Hetzkram paßt. Seitens des Vertreters eines Angeschuldigten wurde allerdings behaupten, sein Klient sei moralisch zu verurteilen, weil er sich mit notorischen Schwindlern in Geschäftsverbindung eingelassen habe, erwiesen sei jedoch wider ihn nichts, es sei Aufgabe des Gerichts zu untersuchen, ob die seinem Klienten zur Last gelegten Handlungen dem Strafgesetz verfallen oder nicht. Die ganze Untersuchung sei eine von einem jüdischen Anwalt aufgebauschte Denunziation, worauf ihm der erste Staatsanwalt Herr Dr. Krautz replizirte, daß hier von einer Denunziation keine Rede sein kann, die 5-tägige Verhandlung hätte genügendes Material an die Hand gebracht, das die Anklage wohl begründet. Der ganze Wucherprozeß sei das Product eines Kampfes der anständigen Juden gegen die unsauberen jüdischen Elemente, um den Wucher zu unterdrücken und den Ast, auf dem die Antisemiten sitzen, abzuschneiden. Er bezeichnet das Verfahren der Juden als correct und lobenswerth. In Folge dieser Bemerkung sah sich der Verteidiger veranlaßt, die gegen seinen jüdischen College» in der öffentlichen Gerichtssitzung gerichteten Jnvectiven zurückzunehmen. Wie kommt es, daß der Lügencorrespondent des Blattes seinen Bauern hierüber nichts zu berichten weiß? Die Antwort kann sich jeder selbst geben. Wenn wir gerade uns mit den Antisemiten beschäftigen, so will ich nicht unerwähnt lassen, daß auch wir in Baden einen Ahlwardt in dem früheren Redacteur des in Ilvesheim erschienenen „Bürgernnd Bauernfreund" besaßen. Genannter Herr bewarb sich zuerst um die Redaciion der sozialdemokratischen „Volksstimme" Mannheim. Als man ihm solche nicht anvertraute, gründete er in Ilvesheim das bekannte Hetzblättchen, das von Anfang an Abounentenschwindsucht erkrankte und schließlich verkrachte. Also nicht aus Ueberzeugung, sondern nur um ein Geschäft zu machen, gerirte sich genaunter Herr als Antisemit. (Gräb. Mitth.) O e st e r r. - 1l n g a r. Monarchie: Budapest. 6. Januar. Seit einiger Zeit ist hier eine Bewegung im Zuge, die darauf abzielt, die Aufnahme der jüdischen Confession in die Reihe der gesetzlich recipirten Religionen durchzusetzen. Heute Nachmittags hatte ein vorbereitendes

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