Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 4 (14.1.1892)
- Date
- 1892-01-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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S8 teile indcr an den Gaunereien eines (»riechen, der die nöthigen Kameelc hätten beschaffen fallen. Als wie im Lager angekanunen, hatte die »Mannschaft gerade Ruhetag, und wir fanden daher Gelegenheit dieselbe geniigend zu beobachten, iyin't alle Juden sprachen Deutsch, die meisten fliehend, einige gebrachen. Sie fühlten sich überglücklich, dem russischen Barbarismus entzogen worden zu sein, und freuten sich ans ihr neues Arbeitsfeld. Der eine war ein Schreiner, der anoere .Kupferschmied, ein dritter Bäcker n. s. w., so das; fast alle Handwerke vertreten waren. Unter dem (bepacke entdeckten wir auch eine eiserne Drehbank, ferner Ambos, Schraubstock, Hobelbank und Knetmaschine, welche darauf hindenteten, das; der gut organisirten Expedition nicht Vieles fehlen konnte. Selbst den Wissenfchasten wird diese Erpedition von Nutzen sein, denn ich fand bei allen Mitgliedern de« Stabes da« regste Interesse für diese, und es wurden mir äußerst werthl volle Photographenapparate, Aneroidbarometer n. s. w, gezeigt. Am folgenden Morgen begann die Arbeit wieder. Schon in aller Frühe leiteten zwei von Kairo aus mitgebrachte Rabbiner das Morgengebet, an welchem indes nur ein Theil der Mannschaft sich betheiligte. Ans einer Feldküche bereitete Einer den Thee, den sich Jeder mit einem MatrosenbiSguir und mit Zusatz von einem wenig Rum abholen konnte. Um halb <> Uhr trat der Stab zusammen, und Herr von Seebach fragte einen jeden der Herren, wieviel und welche Männer er zn seiner Verfügung brauchte. Dann erscholl der Ruf „Antreten", und in wenigen Augenblicken stand eine lange Reihe von Arbeitern, zwar in Fivilkleidnng, aber nichtsdestoweniger in militärischer Stellung vor uns. Es wurde Appell gehalten und dann kurze Feit ererzirt. Darauf theilte einer der deutschen Sergeanten der Mannschaft mit, was sie heute zn rhnn hätte, und jeder faßte seine Tagesration von Tabak und Rum. Wir wunderten uns, daß diese Juden so ßramm crerzirten, und ich kam darüber mit Herrn Friedmann dann aneh zn sprechen. Es wurde mir gesagt, daß jeder Mann mit einem Remingtongewehr ausgerüstet sei, und daß zwei Mörser und eine Hinterladekanone zn weiterer eventn-! eller Bertheidignng dienten. Die Kanone sahen wir, cs war ein leicht zn handhabendes prachtvolles Geschütz, das nicht weniger als ööoo Mk. kostete. Die Feit erlaubte es uns nickt, noch weiter im Lager uns umzusehen. DaS, was wir gesehen und gehört haben, genügt aber vollständig, jeden Zweifel an dem Gelingen der interessanten Erpedition zu beseitigen. Wir erfuhren schließlich nur noch, daß Herr Friedmann in wenigen Tagen ans seinem kleinen Dampfer nach Arabien (Mägneh und Tibeh» hinüberfahrcn werde, um sich dort mit den Bedninenlläuptlingen ins Einvernehmen zn setzen. Tie Hauptzahl der Erpeditionsinitgliedcr wird derweilen in Seherin zurückbleiben und hier eine Niederlage für Steinkohlen, Nahrungsmittel ne. errichten. Allmonatlich einmal wird der Dampfer nach Suez fahren und dort Nachschub in Empfang nehmen. Tie Gegenden, in welchen Herr Friedmann seine Kolonien gründen will, sind mir von früheren Reisen her sehr wohl bekannt, und ich kann nur sagen, daß er sich nicht den ungünstigsten Fleck Erde ausgesucht hat. Heute ist dort freilich alles noch Wüste wie hier auf dem Sinai; mit Fleiß und Ausdauer kann man aber diese Wüsteneien zn einem äußerst fruchtbaren Lande nmschaffen und dort alles anbanen, was das Herz nur erwünscht. Wasser findet man dort in genügender Menge: man braucht nur Brunnen zn graben und Pumpwerke auzusetzen. Das Klima ist äußerst gesund, im Sommer freilich etwas warm, aber trocken, so daß man die Hitze viel leichter erträgt als z. B. in den deutschen Kolonien bei Sansibar. Die Beduinen von der Küste sind ganz ungefährliche Leute, und wenn sich die Juden nur in Fahlen von etwa 1<)0 Mann znsammenhaltcn, so werden sie von ibreu Waffen kaum einmal Gebrauch zn machen haben. Tie Erzeugnisse ihrer Handarbeit werden die Kolonisten sck'.verlieh an die Beduinen abietzen tonnen; es werden sich aber die europäischen jüdischen Handelsfirmen ivvbl darum verwenden, die Waaren an ihren Mann zn bringen, lim die russischen Juden eher zur Answandernng nach Arabien zn bcivegcn, hält Herr Friedmann sehr viel darauf, in der Ausübung ihrer religiösen Fermonien sie zn unterstützen. Alfred Kaiser. T" isr Anzeigen. Für den folgenden Theil ist die Redaktion nicht verantwortlich. In unserem Verlage ist 311 heben: dttlLV niTDT TC rap ylh AsklsesöM'ür Freitagabend. Dieselben enthalten außerdem noch pxtv Tiyifc" "TIS, s»wie ein Tltf von Rabbi Samuel B»ndi y"j. Preis 25 Pfg. Wiederverkäufern Rabatt. Joh. Wirth'sche Hofbuchdruckerei A.-GK, Mainz. 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