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Der Israelit · 1892-01-14 · Heft 4 (14.1.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 4 (14.1.1892)
Date
1892-01-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SS Geistesgestörtheit das Leben genommen. Derselbe hatte am 4. d. M., um 11 Uhr sein Büreau verlassen, ist nach Maxau gefahren, dort längere Zeit spazieren gegangen: wenige Stunden später fanden Leute Hut und Schirm des Vermißten. Mit He insheim er verliert der badische Richterstand eines seiner fähigsten Mitglieder. Seit der Errichtung des Oberlandesgerichts hat er diesem angehört. In jedes wichtige Commissorium aus dem Schooße desselben wurde Heinsheimer delegirt und hat er noch zuletzt der vom Justizministerium gebildeten Commission zur Berathung der neuen Civilgesetzgebung angehört. Heinsheimer war auch hervorragend literarisch thätig. Er war ständiger Mitarbeiter der „Annalen der Badischen Gerichte" und der „Zeitschrift für französisches Civilrecht", von welch letzterer Zeitschrift er nach dem Tode des Reichsgerichtsrath Dr. Pucholt die Redaction übernahm; die Juristen baden mit Heinsheimer einen ihrer besten Collegen verloren, der badische Staat einen tüchtigen Beamten. Maximilian H., 1832 in Breiten geboren, wurde 1855 Rechtspraktikant, 1857 Referendär, 1864 Sekretär bet dem Kreis- und Hofgericht in Freiburg, 1865 Kreisgerichtsassessor in Lörrach, 1866 in Mannheim, 1867 Kreisgerichtsrath und Mitglied des Appellationssenats. 1879 erfolgte seine Ernennung zum Oberlandesgerichtsrath in Karlsruhe. Oe ft er r. - Ungar. Monarchie. -m- Wien, 10. Januar. Der neue Herrscher des Pharaonenlandes, Prinz Abbas Pascha, hat am Freitag Abend unsere Stadt, in der er mit seinem jüngeren Bruder, dem Prinzen Mehemed Ali, seit fünf Jahren als Zögling der Theresianischen Ritterakademie geweilt, verlassen, um nun die Regierung seines Reiches zu übernehmen. Unsere Brüder im Nillande können ganz beruhigt der Zukunft entgegensetzen, denn ihr neuer Herrscher ist, wie sein ganzes erlauchtes Haus, ein großer Freund der Juden und hat er auch während seines Aufenthaltes in der genannten Akademie mit den jüd. Zöglingen demselben, unter denen sich auch zwei Söhne des Baron Albert Rothschild befinden, recht collegial verkehrt. Vermischtes. Leipzig, 7. Januar. Die zweite Auflage der im Verlage von E. K. Minde hierfelvst erschienenen antisemitischen Broschüre: „Eine jüdisch-deutsche Gesandtschaft" von Karl Paasch, die angeblich Beleidigungen des Auswärtigen Amts enthält, ist auf Requisition der Berliner Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden. Die hiesige Polizeibehörde ^hatte sich anfangs geweigert, dem Ansuchen der Berliner Staatsanwaltschaft Folge zu leisten, da die beanstandeten Stellen der 1. Auflage, die bekauntlich auch mit Beschlag belegt wurde, in der neuen Auflage fortgelassen waren. Man mußte aber schließlich dem Berliner Anträge stattgeben, weil auch in der 2. Auflage inkriminirte Stellen sich befinden. Wien. Unter den zu Lieutenants in der Reserve der k. und k. Heeres mit dem Range vom 1. Januar 1892 beförderten Einjahrig-Freiwilligen befindet sich eine große Anzahl Israeliten. Pefth. Mehrere junge Advokaten und Schriftsteller haben jüngst Berathungen gepflogen und eine Denkschrift an das ung. Abgeordnetenhaus ausgearbeitet, für welche sie mindestens 50000 Unterschriften sammeln wollen. Es wird darin ausgcführt, wie sehr es ander Zeit sei, daß die 1867 gewährte Emancipation vollständig gemacht und die Gleichberechtigung der Juden auch auf die jüdische Religion ausgedehnt werde. Bei den bevorstehenden Abgeordnetenwahlen werden die Juden von den Kandidaten das Versprechen, für diese staatliche Anerkennung einzutreten, verlangen. Jerusalem. Die Bahn von Jaffa bis Jerusalem wird vorauschtlich in fünf Monaten vollendet sein. Wir haben starken Regen mit darauffolgendem Schnee gehabt. Das strenge Wetter hat die Roth besonders unter den rufsichen Eingewanderten vergrößert. $ « u t £ U f « ti Der Hünstlings des Kzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, vr. phil. (8. Fortsetzung.) IV. In einem sehr elegant eingerichteten Zimmer eines der Krone gehörenden Gebäudes, das der Gouverneur seinem Gaste zur Verfügung gestellt hatte, saß Iwan Alexandrowitsch Oststone in später Vormittagsstunde beim ersten Frühstück. Seine Gestalt war von einem seidenen, türkischen Schlafrock umhüllt, bequem lehnte er auf dem Divant und ließ sich den Thee, die Liqueure, sowie das feine Gebäck, das ihm der Gouverneur als Geschenk übersandte, trefflich munden. Trotz seines regen Appetites und der regen Thätigkeit seiner mehr als normal entwickelten Kaumuskeln, schien er nicht in guter Laune zu sein; er hatte, nachdem er das Haus des Gouverneurs verlassen, den Rest der Nacht mit einigen jungen Offizieren gespielt und trotzdem er ein sehr gewandter und geübter Spieler war, trotzdem er fick keinen Vortheil, der sich ihm bot, einerlei ob redlicher oder nicht redlicher Art, entgehen ließ, hatte er doch eine bedeutende Summe verloren. Ihn ärgerte, obgleich er geizig war, weniger der Verlust des Geldes, als daß diese Provinzialen ihm über waren. Unter solchen Umständen hatte das kleine Kätzchen, das sich Iwan von Petersburg mitgebracht,

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