Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1892)
- Date
- 1892-01-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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51 spitzte die Ohren, riß das Maul weit auf, ich hielt einen Moment inne um Athem zu schöpfen und fuhr dann weiter fort: „In Erwägung also dieser widersprechenden Mittheilungen und nachdem uns auch von unseren Delegirten Relationen zugegangen sind, haben wir diese ganze Angelegenheit mit der auf diese Sache bezughabenden Correspondenz einem zu diesem Behufe eingesetzten Comite abgetreten , damit selbes Mittel ausfindig mache, die Sache ins Klare und in Ordnung zu bringen. Das Comitö hat keine Mühe gescheut, seinerseits auch Recherchen angestellt und auch richtig einen Modus gefunden." Das vom Comits ausgearbettete und uns vorgelegte Gutachten lautet: „Zuvörderst hat die Mähre bessere Manieren anzunehmen, damit sie niemandem uachstehe; es ist also dahin zu wirken, daß sie die europäische Cultur auf sich einwirken lasse, sich der allgemeinen Aufklärung anschließe und ihr verwahrlostes Aeußere civilisire. „Dann wird sie auch unseres Schutzes theilhaftig werden. Es ist also vorderhand darauf zu achten, daß sie nicht behelligt wird, um diesen Bildungsprozeß ungestört durchmachen zu können..." „Dieser Plan wurde auch wirklich angenommen, und haben wir bereits die nöthigen Schritte eingeleitet, um ihn der Realisirung entgegenzuführen. Indem wir dies zu Ihrer Kenntniß bringen, können wir nicht umhin, Ihnen, geehrter Herr, unfern Dank für Ihr Interesse und warme Theilnahme, welche Sie unserem Vereine und der Humanität entgegenbringen, herzlich auszusprechen. Wir wissen dies zu würdigen und sind stolz darauf, Sie unser Mitglied nenncn zu dürfen. Wir zeichnen u. f. w.l" Die Mähre verhielt sich ruhig und sprach kein Wort. Dies ihr Stillschweigen beunruhigte mich, denn von dieser problematischen, bald menschlichen, bald viehischen Natur, ließen sich ja die wunderlichsten Dinge erwarten. Da ließ sich im Walde eine Stimme vernehmen und ich erschrack. Die Stimme wurde immer deutlicher, kam näher, und schließlich kam ein Bauer zum Vorschein, hinter einer schwerbeladcnen Holzfuhre drein trabend, auf das unter der Last kriechende Pferd fluchend, und unbarmherzig losprügelnd. Das Pferd konnte nur langsam vom Fleck, blieb alleweil stehen. Ich ließ mich am Waldsaume nieder und beobachtete die Szene. „Barmherziger Herr," rief mir die Schindmähre zu, „wie können Sie so ruhig zusehen, wie jener das Pferd so mörderisch schlägt?" Diese Worte beschämten mich und ich ging auf den Bauern zu. „Heda, Ihr", sagte ich zu ihm, „warum schlagt Ihr so Euer Pferd? Habt doch etwas Mitleid, das geht nicht so." „Was soll diese dumme Frage", antwortete der Mann sehr verwundert und hieb weiter darauf los. „Ich werde das nie gestatten", sagte ich etwas in Harnisch gerathend. „Wer wird Dich hören? Was für Recht habt Ihr sich drein zu mengen und mir zu wehren, mein Vieh zu schlagen?" „Ich bin Mitglied des Thierschutz-Vereins", antwortete ich stolz, wähnend, das werde ihm einen solchen Respekt einflößen, daß er vor Schreck die Mütze vom Kopfe nehmen wird. „Zum Plunder mit Eurem Vereine! Laßt mich in Frieden! Ich habe keine Zeit mit Euch zu disputiren, denn ich muß in aller Frühe mit dem Holze in der Stadt sein." „Aber das Pferd kann doch solch einen schwer beladenen Wagen nicht ziehen." „Nun, dann spannt Euch mit ein, wenn Ihr so viel Mitleid habt." „Ihr könnt ja etwas Holz abwerfen." „Gut, bezahlt dafür, dann wird's geschehen." „Wie gescheidt! Ich soll bezahlen! AWofür denn eigentlich?" „Seid Ihr verrückt, betrunken? Scheert Euch weg", rief der Bauer in Zorn entbrennend, dem Pferde einen Hieb versetzend. „Ich bin ein Vereinsmitglied! Ich werde das nicht zulassen. Hört Ihr?" „Ich werde Dir Deine Knochen zerschlagen, Du Verrückter," und der Bauer machte Miene mir mit seiner Peitsche eins zu versetzen. Ich machte „Kehrt" und zog mich zurück in den Wald hinein. Nach einer Weile begann die Schindmähre: „Du bist so gedankenvoll! Warum bist Du vor dem Bauer so über „Stock und Stein" davongelaufen?" „Nun ein Bauer bleibt eben ein Bauer; er hat mich ja schlagen wollen." „Wen?" schrie die Mähre verwundert auf, „Dich?" „Was heißt das, und warum hast Du Dir das gefallen lassen?" „Was hätte ich eigentlich thun sollen?" antwortete ich. „So", erwiederte sie gedehnt, „Du vermagst gar nichts, und er hat das Pferd geschlagen. Und werden denn die Straßen von den Mitgliedern Eures Vereines nicht bewacht?" Ich schlug die Augen nieder und wußte nicht, was ich antworten sollte. „Auf diese Weise also, müssen die unschuldigen