Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1892)
- Date
- 1892-01-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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50 wir haben unsere Pflicht erfüllt an den uns anvertrauten Menschensprossen, wir haben bei ihrer Bildung und Erziehung sorgsam geachtet aus N'iLv rin, auf die herrschenden Zeitströmungen. Hätten wir freilich dieses nicht gethan, hätten wir kein offenes Auge gehabt für die herrschenden Strömungen und Strebungen und den daraus sich ergebenden Aufgaben nicht Rechnung getragen, so könnten wir die Augen nicht ruhig schließen. Durch den hier gepflegten Geist jedoch, den ich mir kurz zu kenzeichnen erlaubte, werdeu unsere Kinder geschützt sein gegen alle Verführungen und treu im Leben verwirklichen dasjenige, wofür in der Jugend ihr kindliches Gemüth gewonnen und begeistert ward. Wir wollen hier nicht betonen, welch eine mächtige Wirkung diese Worte auf alle Hörer übten, wie zumal die anwesenden städtischen Behörden dem Redner ihre unumwundene Anerkennung und ihre tiefste Sympathie für seine Wege und seine Ziele zum Ausdruck brachten. Wir wollen hier zuvörderst unserer hohen Genugthuung Wort leihen, daß eine blühende, gedeihlich geförderte Anstalt von solch echtjüdischen, weitumblickenden und umfassenden Grundsätzen getragen ist. Das ist ein unbeabsichtigter, aber um so machtvollerer Protest gegen jede böswillige Verleumdung der gewissenlosen und der unwissenden Judenfeinde, hier mögen sie den Geist spüren, der durch das Judenthum weht und in dem seine Jugend zur Lebensaufgabe herangezogen wird. Davor müssen sie verstummen in ihrer Schmählichkeit und Nichtigkeit. — Wir schließen mit dem innigen Wunsche, daß die Anstalt und ihr Leiter in der seit Jahren rastlos geübten, erfolggekrönten Thätigkeit glücklich und gesegnet vorwärtsschreiten. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Myslowitz. Im Sesfionszimmer der jüdischen Gemeinde versammelten sich, den 27. Dez., der Vorstand des min niv^n - Vereines zur Feier des Chanukafestes. Nachdem von Schulkindern die Chanuka-Hymne gesungen worden, hielten Rabbiner Dr. Jaffe und Lehrer Bach Ansprachen, worauf 10 Knaben und 8 Mädchen mit Winterkleidern ausgestattet wurden. Der Kranken- und Beerdigungsverein vertheilte 200 Centner Kohlen an hiesige jüdische Ortsarme, auch gelangen unter dieselben allwöchentlich vom Gemeindevorstande Lebensmittel zur Vertheilung. Bnrgpreppach, 30. Dez. Die hiesige is r. Präparandenschule „Talmud-Thora", an welcher außer dem Vorstande, Herrn Dr. H. Deutsch, noch 5 Lehrkräfte wirken, war im abgelaufenen Jahre von 45 Zöglingen, wovon 20 aus Bayern, 25 Ntchtbayern, unter letzteren je 1 aus Jerusalem, Ungarn, Schlesien und 3 aus dem Elsaß, besucht. Die Spenden und Jahresbeiträge beliefen sich auf 11624 M., die Einnahmen und Ausgaben beziffern sich 16214. Die Königl. daher. Staatsregierung leistete einen Zuschuß für arme Zöglinge. vermischtes. Antonienhütte (Kr. Kattowitz). Unter außerordentlich großer Betheiligung fand am Dienstag den 29. Dzbr., bie Einweihung der neu erbauten Synagoge statt. Vom Frö'hlich'schen Hause aus bewegte sich der stattliche Festzug unter Gesang durch die Hauptstraßen zur Synagoge. Zuerst ging die Schuljugend, hierauf folgte die Musik, der Sängerchor, der Baldachin, die Ehrengäste und die Synagogenvorsteher, zuletzt die übrigen Festtheilnehmer. Als Vertreter der Stadt nahm Herr Amtsvorsteher Rendsschmidt am Feste theil. Den Weiheakt vollzog Rabbiner Dr. Goldschmidt aus Königshütte. Derselbe hielt auch die Festrede und das Gebet für Kaiser und Vaterland. Abends fanden im Reich'schen und Lachmann'schen Saale Festessen statt, an denen 200 Personen theilnahmen. Zahlreiche Gebäude hatten geflaggt, sämmliche Geschäftslokale unserer jüdischen Gemeindemitglieder blieben geschlossen. Das neue Gotteshaus, dessen Erbauer Baumeister Gretschel ist, gereicht dem Orte zur Zierde. Ralibor. In den Räumen der hiesigen Bue-Brit- Loge fand am roun rav den 26. Dezember 'die Beschenknng bedürftiger Kinder statt. Es wurden 22 Kinder, Knaben und Mädchen, vollständig bekleidet. Die innerhalb der Synagogcn-Gemeinde bestehenden Vereine hatten insgesammt einen Betrag von 600 Mk. zur Verfügung gestellt. Deputirte dieser Vereine mit den Eomites hatten sich zu der Feier eingesnnden. ^Dieselbe bestand aus Gesang, einer Ansprache. des Herrn Rabbiner Dr. B l u m e n t a l und Declamationen unter Leitung des Eomitömitgliedes Herrn Lehrer Katz. Der schöne Eindruck der Feier, die Beglückung, die die Gesichter der Kinder wiederspiegelten, haben den Entschluß reifen lassen, alljährlich das Liebeswerk zu wiederholen. Aqui. Herr Jona Ott ölen ghi hat 200,000 Lire zur Errichtnng^eines/Armenasyls gespendet DaS hiesige .Kinderasyl, ein katholisches und kein israelitisches, wird größtentheils durch die Munificenz dieses Philanthropen erhalten. Feuilleton. Die Schindmähre. Ein Allegorie. Bearbeitet und in« Deutsche übertragen von S. Horowitz. (Fortsetzung.) Der Schindmähre entrang sich ein tiefer Seufzer, während sie die Verleumdungen anhörte, sie