Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1892)
- Date
- 1892-01-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448222--33447-2481340- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Geschöpfe, die unglücklichen, Alles über sich ergehen lassen", sagte sie weiter „und wer früher als Sündenbock diente, muß dieses Amt noch heute versehen! Aber ist denn die Welt ganz schutzlos und vogelfrei?" Ich wußte nichts Besseres zu thun als die Augen zu senken. „Ich dachte", sagte sie weiter, „daß seit der Thierschutzverein ins Leben getreten, nichts mehr der Willkür unterworfen sei." Auch darauf wußte ich keine Antwort, uud sie sagte weiter: „Ich glaubte schon des Messias Zeitalter sei bereits angebrochen und daß der Wolf neben dem Schafe, der Leopard neben der Ziege friedlich weiden. Ich sah das Morgenroth des allgemeinen Friedens, der allgemeinen Verbrüderung aufgehen, die Mordwaffen in friedliche und nützliche Instrumente verwandelt und die sozialen Rangesunterschiede schwinden! Ich wähnte meine Martyrium sei zu. Ende und daß meine Erlösung komme. Aber all d'es war nur ein schöner Traum, in der Wirklichkeit schlägt man weiter darauf los. „Es ist eine Komödie, ein wahres „Purimspiel". Da macht sich das Comitö des Thierschutzvereins breit, führt das große Wort über Barmherzigkeit, Mitleid und Menschlichkeit, und die unglücklichen Geschöpfe werden nach wie vor gequält. Wer Lust hat, überbürdet sie mit Lasten, die ihre Kräfte übersteigen, und statt thatkrästiger Hilfe, hat man für sie ein gutes Wort, ein Seufzen und Aechzen. Fürwahr ein reines Possenspiel! ,-Unser heutiges Zeitalter verdient wahrlich den Namen des Jahrhunderts der leeren Phrasen. „Man sagte, ich soll lernen und mich ansbilden? Aber, warum nur ich? Treibt sich doch viel Volk aller Erziehung baar umher, welches trotzdem cs gar keine ständige Beschäftigung hat, dennoch in Hülle und Fülle lebt. Wenn ich auch keine Education genossen und zu den Vornehmen nicht gezählt werden kann, so glaube ich nichtdestoweniger den gemeinen Pferden gewiß nicht beigesellt werden zu können. Und warum muß schließlich jedes Pferd ein gewisses Fach erlernen? Und bin ich denn nicht nützlicher als die sogenannten Vollblutpferde? Diese fahren nur mit der Earrosse spazieren, während ich Lasten schleppe und ziehe. Wie besteht es mit meinem Leibe, mit meiner Gesundheit? Man sage, was man will, aber ich habe Letztere bei der schweren Arbeit eingebüßt und ich weiß es, meine Mühe, meine Anstrengungen haben der Welt Nutzen gebracht. . . Wie kann man ferner die körperliche Sicherheit und das leibliche Wohlergehen von der zu erlangenden Bildung abhängig machen? Jedes Geschöpf, also jedes lebendige Ding, ist von der Mutter Natur, mit den nöthigen Sinnen ausgestattet worden, um sein Fortkommen ohne Rücksicht auf den Stufengang seiner Entwickelung finden zu können, und somit kommt jedes lebendige Wesen mit einer Existenzberechtigung zur Welt und die Bildung ist eine Zuthat. Ich will übrigens das Wesen der letztern keiner Analyse unterziehen und für unsere hiesigen Culturzustände weder eine Lanze brechen noch selbe bekämpfen. (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 15. Januar, 15. Thebkl. Sabbat-Anfang 4 Uhr — Min. (Mainzer Uhr.) I Samstag, 18. Januar, 16. Thebet. ■> ,*w Sabbat-Ausgang 5 Uhr 15 Min. (Mainzer Uhr.) Briefkasten der Redaction. B. in Fr. Da Sie das Andenken des Begründers unserer Blätter so sehr ehren, und wie Sie sagen, einer der ältesten Abonnenten unserer Zeitung sind, so erklären wir uns gern bereit, Ihnen ein Portrait von Dr. Lehmanns"!»" kostenlos zu überlassen. H. in E. Berichte erwünscht. Briefkasten der Expedition. 8. W. in L. Ziehung erst am 21. April. B. D. in P. fl. 4.— empfangen. Pf Anzeigen. "WW Für den folgenden Theil ist die Redaktion nicht verantwortlich. 'fn Herne i Weftf. fehlt ein jüdischer, religiöser Metzger. Auskunft ertheilt der Bereiu „Inter Uns“, 225 Herne. /Ein ordentliches, israelitisches Mädchen im Haushalt gründlich erfahren, findet znm l.März dauernde und angenehme Stellung. Auch wird sehr bevorzugt, wenn dasselbe mit im Geschäft thätig sein kann. Offerten unter E. K. 205 befördert die Expediton dieses Blattes. /Ein wohlerzogenes, j. Mädchen sucht p. 1. März zur Erlernung d. besseren Haushalts in einem israel. relig. Hause Stellung ohne gegenseitige Vergütung. Offerten unter 21. K. Nr. 98 an die Expedition dieses Blattes. Aür mein Tuch-, Manusactur-, Modeö waaren- und Damen-Consections-Geschäst suche einen L e hrling aus achtbarer Familie mit guten Schulkenntnissen. Sonn- und Feiertage streng geschlossen. W einberg-Ster ji , 227) F "lda. /Ein kräftiger Junge kann unter günstigen Bedingungen die Bäckerei erlernen bei Isaac Glauberg, 210) Langenselbold. ir verkaufen, so weit der Vorrath reicht einige Rott: „Gerettet," mit beschmutztem Titelblatt, 70 Pf. B e r e n d: „Verirrt," etwas defect, 20 Pf. Beide Merkchen zusammen bezogen 80 Pf. incl. Porto. Joh. Wirth'sche Hofbuchdruckerei, Actien-Gesellschast, Mainz.