Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1892)
- Date
- 1892-01-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXUI. Jahrgang. Keilllge ju JVs 3 des „Israelit". Leitender Artikel. Die Volksschule der isruMischen Uellgionsgesellschast;u Frankfurt a. M. Es ist in diesen Blättern bereits über die jüngst vollzogene Einweihung des neuen Volksschulgebäudes der israelitischen Religionsgesellschaft berichtet worden. Es wurde dabei auch der herrlichen Weiherede gedacht, mit der der vielseitig bewährte Leiter dieser Anstalt, Herr Direktor Dr. M. H i r s ch, sie ihrer hehren Bestimmung übergab. Es gereicht uns nun zu besonderer Freude, aus dieser zündenden Rede, die stenographisch festgehalten nächster Tage im Druck erscheinen wird, unseren geehrten Lesern schon heute einiges mitzutheilen. Nach tiefbewegten Dankesworten an die um die Schule hochverdienten Männer, fährt der Redner fort: So möge denn der Eingang der Schule in dieses Hans gesegnet sein! Möge diese Stätte —- mir wenige Tage trennen uns ja von unscrm Ehanuckafeft, dem jüdischen, Licht- und Weihefcste, — eine Stätte des Lichtes sein, in der das Licht der Gottesfurcht und der Geistesbildung feine treue Pflege finden möge immerdar Möge in dstsen Räumen stets ein Geschlecht hcrangebildet werden,^ausgeftattet mit allem für das Leben nöthigen Wissen und Können! Mögen aber diese Geschlechter zugleich stets hingeführt werden zu jenem Baume des Lebens, zu jenem cwigeu Quelle der Erkenntniß, aus dem sie sich und ihre Lebenspflicht erkennen mögen, auf daß sie festwurzelu in dem Boden des unverkürzten und unverkümmerten Gottesgesetzes, jenes Gesetzes, das es verstanden hat, auch die sturmumtosten, bescheidensten Hütten desijüdischen Lebens zu Heimstätten des Lichtes, der Lebensheiterkeit, des innigen Familienglückes zu gestalten! Aber nicht ein einseitiger Geist der Weltfluchl und der Jsolirung ist der Geist, der hier gepflegt werden soll. Es werden hier Geschlechter hcrangebildet werden, durchtränkt mit jener Erkenntniß und durchdrungen von jenem Bewußtsein, daß es der Stolz des Judcnthums und seine welthistorische Mission ist, der Menschheit nicht nur den Glauben an den einen Gott erhalten zu haben, sondern auch das Bewußtsein von dem freien Menschen; durchtränkt mir jener Lehre, die die Gottähulichkeit, die Gottebenbildlichkeit, die Gotteskindschasr aller Menschen ohne Unterschied der Abstammung, ohne Unterschied der Religion auf ihre Fahne geschrieben hat; durchtrünkt mit jener Lehre, welche eben deshalb die ewige Seligkeit allen reinen Menschen als solchen zuerkennt, und deshalb auch das Ziel aller Menschheitsentwicklung nicht etwa darin erblickt, daß alle Menschen Juden, sondern daß alle Menschen reine Menschen werden; durchdrungen von jenem Bewußtsein, daß cs ihre heilige Aufgabe ist, gegen alle Menschen die Menschcnpflicht zu erfüllen, in jedem Menschen ohne Rücksicht auf Raffe oder Religion den Menschenbruder zu sehen und zu achten, und dem nichtjüdischeu Bruder gegenüber als Sprossen des Abrahamsvolkes die doppelte Gewissenhaftigkeit als doppeltheilige Gewissenspflicht zu bewähren. Das ist der Geist, der hier gepflegt werden soll. Daun sind wir freilich eine konfessionelle Schule; — denn wir mit unserer eigenartigen Aufgabe, die es uns zur Pflicht macht, unsere Söhne und Töchter zum Verstäudniß der Bibel im Urtert zu führen, wir können nicht anders als eine konfessionelle Schule erstreben. Aber der Geist, der in dieser konfessionellen Schule gepflegt wird, er wird immer mehr das betonen, was die Menschen einet, als was sie trennt, und in diesem Geiste wird diese jüdische konfessionelle Schule au Universalität von keiner Simultanschule je übertroffen werden können. Denn der so erzogene, so herangebildete jüdische Mensch hat das weiteste Herz, den weitesten Blick, und, ohne alle konfessionelle Umschränknug, für alles Gute und Herrliche die stets bereite Thatkraft und die stets offene Hand. Zn diesen Räumen sollen Geschlechter hcrangebildet werden, denen ferner ein Einblick erschlossen wird in die Gesetzmäßigkeit der Ratur, auf daß vor ihrem inneru Auge die Erkenntniß aufgehe, wie nirgends die Wilkür, überall die Herrschaft des Gesetzes es fei, Die Leben und Gedeihen erzenge, und cs soll ihnen gezeigt werden, wie nach dem alten jüdischen Worte mn^n dp rrr., die wahre Freiheit nur auf dem Boden des freudigen Gehorsams gegen das Gesetz erblühe. Es soll ihnen endlich auch ein Einblick in die Gänge der Geschichte eröffnet werden, auf daß sie die sittliche Weltordnung atmen und ihr Vaterland lieben lernen. . Die jüdische Schule ist so glücklich, daß sie sich für diese heilige Pflege der Vaterlandsliebe nicht zu beschränken braucht auf die Pflege und Kräftigung all der tausend zarten Fäden, durch die der Brensch mit seinem Vaterlande verknüpft ist. Sie hat noch ein anderes mächtiges Agens, einen anderen mächtigen Faktor, der sie unterstützt in dieser Pflege des vaterländischen Sinnes. in der Erziehung eines Geschlechtes, das treu stebt zu Kaiser und Reich. Dieses Agens ist das religiöse Pflichtgebot, das es dem Juden zur heiligen Pflicht macht, alles daranzusetzen für die Förderung des Wohles des Vaterlandes. Eine Jugend, die so geleitet, so hcrangebildet wird, die von diesem Geiste beseelt ist, können wir ruhig hinaustreten lassen in's Leben. Sie wird vorbereitet sein für die ihr harrenden Kämpfe, gefeit gegen die Verführungen, Die sittlichen und die sozial-politischen Verführungen. Und wenn cs auch, darüber geben mir uns ja keiner Täuschung hin nicht bei ansnalunlos Allen gelingen sollte, lvcun auch das Licht, das hier gepflegt wird, bei Manchen vielleicht vorzeitig erlischt, so spricht zu uns die Lichtlehre, die das Makkabäcrlichi uns alljährlich in Erinnerung bringt:;\n nnzr,