Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1892)
- Date
- 1892-01-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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ewigte war unverheirathet und widmete seine Mutze der Wissenschaft und seinem Volke. — In Gesellschaft war er ungemeiu liebenswürdig und geistreich. Er hielt die Fahne des Judenthums stets hoch und warein leuchtendes Beispeil eines jüdischen Patrioten für die jüngere Generation, die mir Verehrung zu ihm hinaufblickte. — In seinem Testamente bedachte er sowohl die städtischen, wie die jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten, denen er folgende Legate vermachte: für die Hungerleidenden 1000 Rubel, zu einer Stiftung für Wittwen armer Aerzte 2000 Rubel, für das Findelhaus 20OO Rubel, ferner der jüdischen Waisenanftalt, der Talmud-Thora, dem Palästina-Vereine und noch anderen gottgefälligen Instituten verschiedene Summen. Im Ganzen spendete er 16,000 Rubel P a l ä ft i n a. Jerusalem, 8« Kislew. Die letzt vergangenen drei Monate sind dahier ohne besondere Neuigkeiten vorübergegangen, nur datz die in Damascus herrschende Krankheit das Elend und die Noth unserer hiesigen armen Glaubensgenossen noch vergrößert hat, weil jede Einfuhr aus der Umgegend verschlossen und dadurch eine außerordentliche Theuerung aller Lebensmittel entstanden ist. Die Einwanderung unserer russischen Brüdern hat ganz aufgehört, weil denselben nicht gestattet wird, Ackerboden anzukaufen. Die in Nr. 83 und 84 des „Israelit" einer Schlesischen Zeitung entnommene Nachricht, datz „nach einem neuen Regierungserlab alle seit 1885 nach Palästina eingewanderte Juden ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit ausgewiesen werden sollen", ist jedoch nicht wahr, ebenso daß aus „zwei Dörfern alle Juden" entfernt worden sind. Die Regierungsmaßregel betrifft nur die neu eingewanderten russischen Juden und wird gegen andere Staatsangehörige nicht zur Ausführung gebracht. So hat der unlängst hier aus Berlin angckommene Herr Unger für 18 000 Frcs. ein Grundstück gekauft, welches auf seinen Namen gerichtlich eingetragen wurde. Herr Dr. F e u ch t w a n g e r, Arzt des „Leman Zion"-Vereins ist nach Conftantinopel gereist, um die Erlaubnis zur Praxis in der Türkei zu erlangen; während seiner Abwesenheit vertritt Dr. Wallach seine - Stelle. Seit zwei Wochen ist durch Herrn M. Adel - mann, Agent des „Leman Zion"-Verein für Palästina, eine Suppenanstalt eröffnet worden, in welcher jeder für 10 Para — 15 Pfg. — eine Mahlzeit erhalt. Wie man hört, machen von dieserWohlj that einige Tausend Armen Gebrauch. Die Anstalt i ist besonders im Winter ein großes Bedürfniß, wo die Armen auch noch durch die Kälte leiden und eine warme Suppe denselben sehr zu statten kommt. Herr Rabbiner Mordechai Gimpel V"i, der mehrere Jahren in Rasena e als Rabbiner ansässig war und die letzten fünf Jahre auf der Colonie „Pesach Tikwah" gewohnt, ist zu unserm Bedauern gestorben. In den hiesigen Synagogen hat man ihn in Gegenwart aller großen Gelehrten ro^ro tbdd gewesen. CH. H. > Vermischtes. •$- Oppeln. Freitag, am 25. Dezember, beging die jüdische Gemeinde in Anwesenheit sämmtlicher Mitglieder und angesehener christlicher Gäste die 50jährige Jubelfeier der Synagoge. Nach einleitenden Gesängen und Gebeten hielt Herr Rabbiner Dr. Wiener die weihevolle Festrede, in der er einen 'Rückblick ans die Thcitigkeil der Gemeinde in den verflossenen 50 Jahren warf und dabei in patriotischen Worten der Herrscher gedachte, welche in diesem Zeiträume antPrentzens Throne gesessen und der Gemeinde ihr Wohlwollen bewiesen haben. Die Rede schlo mit einem Segen für unseren derzeitig regierenden Herrn. Sr. Majestät, unfern allergnädigsten Kaiser und >ionig Wilhelm II. Am Sonnabend früh fand eine 'Nachfeier statt. Der Hünkling des Hzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Bon Jon. Lehmann, Dr. phil. (7. Fortsetzung.) Mit prüfendem Auge beobachtete Michail seinen Nebenbuhler, und er konnte nicht leugnen, daß auf diesem Gesichte ein merkwürdiger Reiz lag. Die nur mittelhohe, von flachsblonden Locken umrahmte Stirne ließ die Wölbung des Stirnbeins über den beiden Augen ungewöhnlich stark hervortreten und rief dadurch den Eindruck des Originellen und Interessanten hervor. Zwei buschige, breite Augenbrauen hingen ein wenig über die Augenlider herunter, auf denen sehr lange, farblose, feine Wimpern saßen. Die grau-blauen Augen waren groß, doch ihre breite Umfassung erschien geschlitzt und erinnerte an den Mongolen. Unter der spitzen Nase mit den seinen, dünnen Nasenflügeln, die fast beständig vibrirteu, stand ein wohlgepflegter rother Schnurrbart mit langen Haaren, indeß so dünn, daß er nicht einmal die Haut der Oberlippe verdeckte. Der Mund breit, mit schmalen, feingegräußelten Lippen wies eine stattliche Reihe blendend weißer Zähne aus, wenn das feine, sarkastische Lächeln, das dem jungen Manne eigen war, um ihn spielte. Das kurze, dicke Kinn mit dem