Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1892)
- Date
- 1892-01-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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45 Pauline Zuckermanu, die Witiwe des vor einigen Monaten verstorbenen berühmten Talmudisten npo 'i pxznypis dessen Tod s. Z. in diesen Blättern erwähnt worden. Sie war das Bild einer altjüdischen Hausfrau, wie sie die vergangene Generation erzeugte; die Vorzüae und Tugenden einer solchen besaß sie in vollem Umfange und es bestätigte sich an ihr das Wort unserer Weisen: nana nan mrs. Sie war ihrem Manne eine wahrhafte in-, denn sie begünstigte sein rastloses Thorastudium durch die sorgfältigste Pflege und während seines langen fyt n'A'ÄA ^k ihn und litt mit ihm, bis er ihr entrissen wurde und sie als trostlose Witwe zurücklicß. Nicht lange sollte sie ihren Gatten überleben, denn die aufreibende Pflege desselben, die seelische Erschütterung durch seinen endlich erfolgten Tod, die Trauer um ihn hatten auch ihre Kräfte erschöpft, so daß sie ihm vor einigen Tagen in den Tod nachfolgte. Sie schied aus dem Leben, wie eine der nvjp-iy diw, hatte sich einige Tage vorher die vorsprcchen lassen und ihre Töchter ermahnt, so zu leben, wie sie es im elterlichen Haute gewohnt waren. Mit ihr ist, obwohl sie erst im 60. Lebensjahre stand, eine Repräsentantin des alten Geschlechtes hingeschieden, dessen Andenken wir noch jetzt hochachten und verehren, da sic ,rmay ,min D’iDn nach Kräften pflegte und in peinlichster Weise die Pflichten der jüdischen Hausfrauen beobachtete. Im Stcrbehause sprach der Sohn der Entschlafenen mit thränenerstickter Stimme ergreifende Worte und eine ungewöhnlich zahlreiche Menge folgte alsdann der Bahre, um ihre Achtung und Verehrung für die fromme Hingeschiedene kund zu geben. Köln, 1. Januar. (Die Deutschen in Rußland.) Neuere Nachrichten aus Rußland lassen es fast als sicher erscheinen, daß gegen die Deutschen daselbst Maßregeln ähnlicher Art zu gewärtigen find, wie sie gegen die Juden in ^Rußland bereits ergriffen wurden. Die Zahl der Deutschen in Rußland wird sich, wie die Magdeb. Ztg. berechnet, auf etwas über eine Million belaufen; denn die Auswanderung nach Rußland hat bis in die achtziger Jahre dauernd angehalten, obschon sich damals bereits der feindselige Zug des Russenthums gegen das Deutschthum zeigte, der sich inzwischen bis zu unversöhnlichem Haß gesteigert hat. Oest err.-Ung ar. Monarchie. Wien. Der in den letzten Wochen verschiedene Erzherzog Sigismund war ein äußerst edler Mann, und tauchen jetzt in den Zeitungen!gar viele Erzählungen auf, die von seinen Tugenden glänzende Beweise ablegen. Wir entnehmen einer dieser Erzählungen folgende Notiz: Ein gewisser Abraham Grünebaum hatte auf einem der Güter des Verstorbenen eine kleine Pachtung inne und erfreute sich aller möglichen Begünstigungen von Seiten seines hohen Gönners. Er äußerte sich einmal über diesen mit folgenden Worten: „Grünebaum ist ein armer, fleißiger Mann, wie alle Juden, wenn sie treu nach dem Glauben ihrer Väter leben und wenn sie ihre Religionsvorschriften befolgen. Denn die jüdische Religion gründet sich auf die Grundsätze der Moral, der Menschenliebe und Gerechtigkeit. Die Arbeitsamkeit, Sya.rsa.m.kett und das Familienleben der Juden ist ein musterhaftes, würdig der Nachahmung!" Rußland. Odessa, 22. Dez. Dr. Leon Pinsker ist nicht mehr! Der echte, treue Sohn seines Stammes, der mit allen Fasern seines Herzens am Judenthum hing, und dessen Wohl und Wehe ihm tief zu Herzen ging, hat gestern Morgen den schweren Todeskampf ausgerungen! Ein schwerer, unersetzlicher Verlust für das russische Judenthum! Leon Pinsker wurde am Rosch Chodesch Teweth (24. Dezember 1821) als ältester Sohn des berühmten Forschers und Gelehrten S. Pinsker, des bekannten Verfassers von „LikuteKadmonioth" und anderer hebräischer Werke iu Tomaschew (Polen) geboren. Nach seinen in Moskau absolvirten Studien kehrte er im Jahre 1849 nach Odessa zurück, wo er sich als praktischer Arzt niederließ und volle 53 Jahre eine sehr ausgebrettete Praxis ausübte. Als Mensch, wie als Arzt, war er in allen Schichten der Gesellschaft hochgeachtet. Er war ein edler Charakter, in des Wortes schönster Bedeutung, einfach und bescheiden, trotz seines großen Wissens. — Als vor einem Jahrzehnte die Lage unserer unglücklichen Brüder hier zu Lande sich verschlimmerte, schrieb er sein berühmtes Buch „Autocmancipation", welches schon längst in die russische und kürzlich erst in die engliche Sprache übersetzt wurde. Seit Begründung des Palästina-Vereines war er dessen Präsident und widmete viel Zeit und Mühe dieser nützlichen Gesellschaft. Er war außerdem Vorsitzender des Kuratoriums der „Talmud Thora"; früher war er Vater des jüd. Spitals, Ordinarius des städtischen Krankenhauses; er bekleidete noch mehrere andere Ehrenämter, wie z. B. als Verwaltungsrath der Kohanschen Stiftungen, Arzt der Studza'schen Heilanstalt, Mitglied der medizinischen und Vize-Präsident der Balneologischen Gesellschaft, Vize-Direktor des städtischen Findelhauses und dgl. mehr. Während des Krimkrieges bekleidete er die Stelle eines Arztes in einem Militärhospital und erhielt als Belohnung dafür den St. Stanislausorden 3. Klasse, den er aber nie trug. Der Der-