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Der Israelit · 1892-01-11 · Heft 3 (11.1.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 3 (11.1.1892)
Date
1892-01-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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44 Nach einem Bericht der Staatsbürgerzeitung vom 5. Januar hat auf der Weihnachtsfeier des „Deutschen Antisemiten-Bundes" der liebenswürdige Herr die Anwesenden „durch eine kräftige Ansprache erfreut." Am 13. d. Mts. veranstaltet die zweite Abtheilung des „Deutschen Antisemiten-Bundcs" im großen Saale von „Königshof", Bülowstr. 37, ein Maskenfest. Von letzterem wollen wir heute schon die Aufführung eines antisemitischen Schauspiels: „Quosque tandem“ oder „Das Neujahrsgastmahl" von Koniecki, sowie „Juda's Auszug aus Neu- Jerusalem in's Rothe Meer" unter Führung vom „Todten-Gräbener", Heinrichs des Sanften und Eugen's verrathen. Wie lange noch werden diese Henkersknechte der Kultur ihr tolles Treiben fortsetzen? Breslau, 31. Dez. Ein Engländer Namens Jacob Bitten, welcher einen regen Handelsverkehr nach Venezuela unterhält, ist dieser Tage aus Caracas in London eingetroffen und berichtet, daß die venezuelanische Regierung sich bereit erklärt hat, den ausgewiesenen russischen Juden in ihrem Lande Aufnahme zu gewähren. Brieg, 31. Dez. Vorgestern fand seitens der jüdischen Gemeinde die Wahl der Mitglieder deL Repräsentanten-Collegiums statt. Seitens der orthodoxen jPartei war eine lebhafte Agitation betrieben worden, weshalb drei ihrer Candidaten gewählt wurden. Das Collegium setzt sich nunmehr zusammen aus den Herren Wendriner, I. Cohn, V. Guttmann, C. Glaser, N. S ch üffta n, L i ebeS, Warschauer und Weiß. Posen, im Januar. Es ist selbstverständlich, daßfin alten und großen Gemeinden cs an wohlthätigen Vereinen und Institutionen nicht fehlt und daß in ausgiebiger Weise für Arme und Bedürftige gesorgt wird. Dieses Jahr jedoch hat der herrschende Nothstand^den Wohlihätigkeitssinn unserer Gemeinde noch zu einer außerordentlichen Leistung angeregt. Es sindH.nämlich Männer und Frauen der verschiedensten religiösen Richtungen zusammengetreten, um bedürftige Familien, die kein Almosen empfangen, mit Kartoffeln zu versorgen, deren Preis bekanntlich in diesem Jahre eine abnorme Höhe erreicht bat. Durch freiwillige Beiträge ist ein namhaftes Quantum angekauft worden, welches den armen Familien für die Hälfte des Einkaufspreises abgelassen wird, so daß dieses unentbehrliche Nahrungsmittel in keinem Hause zu fehlen braucht. Natürlich werden gänzlich Mittellose und Erwerbsunfähige nach wie vor in ausreichender^Wetse von Vereinen und Privaten mit Geld, Lebensmitteln und Brennmaterial unterstützt. Dem Herrn Rabbiner Dr. Feilchenfeld wurde seitens der neuen Betschule eine erfreuliche Ueberraschung bereitet. Derselbe pflegt nämlich abwechselnd in der alten und neuen Betschule an den Freitag-Abenden Schrifterklärung vorzutragen, welche Vorträge regelmäßig ein zahlreiches Publikum herbeiziehen. Nun hat der Vorstand der neuen Betschule für den Herrn Rabbiner einen hocheleganten Sitz und Betpult Herstellen lassen , auf den er an vergangenem Freitagabend geführt wurde. In dem Vortrage sprach der Herr Rabbiner der Gemeinde seinen wärmsten Dank für diese Ehrenbezeugung aus, die er in bescheidener Weise nicht seiner Person s,ao.de.ry. blaute, n tyyrtftu&i, gelten ließ. Neben diesen erfreulichen Mittheilungen ist leider auch Schmerzliches zu berichten. Wiederum sind unserer Gemeinde innerhalb 8 Tagen zwei edle Frauen, wahrhafte nw durch den Tod entrissen worden, deren Hinscheiden nicht nur von ihren Familien, sondern auch in weiteren Kreisen betrauert wird. Zunächst verschied die Frau Jeanette Golde, Gattin des Rendanten der Synagogengemeinde im Alter von 53 Jahren. Nicht nur als Hausfrau, als Gattin nnd als Mutter einer zahlreichen Familie konnte sie als nachahmungswerthes Muster gelten, sondern auch außerhalb ihrer Häuslichkeit gewährte ihr Wesen ein leuchtendes Beispiel inniger Herzensgüte und wahrhafter Religiösität. Unerschütterlich war ihr Gottvertrauen und daher verklärte eine immer sich gleich bleibende Heiterkeit ihr ganzes Wesen trotz mannigfacher häuslicher Sorgen, so daß es ihr auch gelang, mild und beruhigend auf Trostbedürftige einzuwirken. Den Hilfsbedürftigen aber widmete sie Zeit und Kraft in überreichem Maße; sie verschaffte ihnen durch Fürsprache Linderung der Noth und wußte die Hilfe in zartsinniger Weise unter Schonung des Ehrgefühls beizubringen. Auch am Krankenbette und bet Leichenbegängnissen würdiger unbemittelter Frauen', deren Freundeskreis ja nur ein beschränkter ist, war sie anzutrcffen. Daß sie ihren Kindern eine verständige Erzieherin war, daß sie ihnen wahrhaft jüdischen Geist und Sinn für Häuslichkeit cinflößte, ist wohl selbstverständlich, und daher waltete in ihrem Familienkreise ein Reiz idyllischen Behagens und anmuthenden Seelenfriedens, wie er nicht allzuoft zu finden ist. Sie erfreute sich daher allgemeiner Liebe und Achtung, die sich auch in der zahlreichen Begleitung bei ihrem Leichenbegängnisse aussprach. An der Bahre entwarf Herr Rabbiner Dr. Feilchenfeld in tiefbewegten Worten ein Lebensbild der Entschlafenen, und nach ihm sprach der älteste Sohn, Lehrer M a x G o l d e aus Dresden, seinen Schmerz in ergreifenden Worten aus. Acht Tage nach dem Hinscheiden dieser Frau starb auch eine andere edle Frau aus dem Leben. Frau

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